Die Folgen der Impfverweigerung – Süddeutsche.de

Wenn die Impfbereitschaft nur um einige wenige Prozent sinkt, steigt das Risiko sich mit den Masern anzustecken überproportional an.

Von Werner Bartens

Kleiner Anlass, große Wirkung. Dieses Prinzip ist aus der Medizin gut bekannt, egal ob es sich um die Ansteckung mit mikroskopisch kleinen Erregern, die Auswirkungen einer Genmutation oder den Defekt eines Ionenkanals handelt, die alle zu schweren Krankheiten führen können. Auch in anderen Bereichen sind die Folgen geringer Veränderungen mitunter beträchtlich. So zeigen Ärzte der Universität Stanford im Fachmagazin Jama Pediatrics[1], dass schon ein leichter Rückgang in der Bereitschaft, seine Kinder gegen Masern[2] impfen zu lassen, zu einer bemerkenswerten Zunahme der Krankheitsfälle führen würde.

Die Infektionsexperten Nathan Lo und Peter Hotez haben ausgerechnet, welche Folgen es haben würde, wenn die Impfquote von Kindern im Alter zwischen zwei und elf Jahren US-weit um fünf Prozent zurückgehen würde. Derzeit sind dort etwa 93 Prozent der Kinder mithilfe der Dreifachimpfung vor den Kinderkrankheiten Masern, Mumps und Röteln geschützt. In den vergangenen Jahren wurden in den USA zwischen 55 und 667 Neuerkrankungen jährlich registriert. Nach der aktuellen Studie wäre mit einer Verdreifachung der Fälle zu rechnen, wenn die Impfquote um nur fünf Prozent sinken würde.

Die Krankheit könnte schon längst ausgerottet sein

„Wir haben uns für unsere Analysen auf die Masern konzentriert, weil sie hoch ansteckend sind“, sagt Lo. Nach diversen Berechnungen könnte die Krankheit längst ausgerottet sein, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung über eine ausreichende Immunität verfügen würden. In Deutschland lag die Impfquote gegen Masern 2012 bei Erstklässlern zwar schon bei 96,7 Prozent für die erste Dosis und 92,4 Prozent für die zweite Impfstoffdosis. Allerdings vermutet das Robert-Koch-Institut (RKI) aufgrund des steigenden Alters der Masernerkrankten, dass weiterhin ungenügende Impfquoten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bestehen.

Regionale Impflücken mit Impfquoten örtlich weit unter 90 Prozent treten in Deutschland im südlichen Bayern und immer wieder auch anderswo auf – vor Jahren gab es Ausbrüche im nördlichen Franken und in Nordrhein-Westfalen. Die Wissenschaftler aus Stanford berichten von einer Masern-Häufung 2014 in Ohio, als 383 Krankheitsfälle unter den ungeimpften Mitgliedern der Amish-Gemeinde auftraten. Im Frühjahr 2017 kam es zu Ansteckungen unter somalischen Immigranten in Minnesota, die ebenfalls nicht ausreichend geimpft waren.

„Wir haben eigentlich einen ziemlich guten Zugriff auf die Masern. Mit einem geringen Anstieg der Impfquoten könnten wir so viel erreichen“, sagt Infektionsexpertin Yvonne Maldonado. „Wenn wir uns darauf konzentrieren, dass alle Kinder geimpft werden, kann diese Krankheit endgültig von der Erdoberfläche verschwinden.“ Bereits für 2010 und 2015 hatten Seuchenschutzbehörden und die Weltgesundheitsorganisation WHO das Ziel vorgegeben, die Masern auszurotten. Haarscharf gelang dies nicht, weil in den wohlhabenden Staaten zwar zumeist Impfquoten um die 90 Prozent erreicht werden, die entscheidenden paar Prozente mehr jedoch fehlten. Dieses Ziel soll nun 2020 erreicht werden.

Dass es trotz recht hoher Impfquoten immer wieder zu Ausbrüchen kommt, war auch der Anlass für die aktuelle Hochrechnung. Die Forscher analysierten, was passiert, wenn ein Reisender, der die Krankheit in sich trägt, in eine Region kommt, in der statt 93 nur 88 Prozent oder noch weniger Menschen geimpft sind und deshalb der sogenannte Herdenschutz durch die immunisierte Gemeinschaft nicht mehr gegeben ist.

Impfung Frankreichs Schlag gegen Impfgegner

Frankreichs Schlag gegen Impfgegner[3]

Gegen elf Erreger müssen französische Kinder künftig geimpft sein, darunter Keuchhusten und Masern. Ist die Zwangs-Maßnahme ein Modell für Deutschland? Von Kathrin Zinkant mehr…[4]

Landwirte entdecken Osteopathie für Tiere – FM1Today

Ob hinkender Hund, Pferd mit Rückenschmerzen oder Kuh mit gestörter Verdauung: Schweizer lassen kranke Tiere immer häufiger von Osteopathen behandeln. Die Behandlungsmethode, die im Wesentlichen mit blossen Händen durchgeführt wird, verbreitet sich – trotz Skepsis.

Sarah Miccichè Walzinger ist ausgebildete Veterinär-Osteopathin und übt den Beruf bereits seit 15 Jahren aus. «Mit der Osteopathie entwickelt man einen Sinn für die Berührung und eine andere Art des Verständnisses von Gesundheit», sagt sie.

Bei der Behandlung gehe es darum, einem Körper seine Beweglichkeit und seine Energie zurückzugeben. Wichtigstes Instrument ist die blosse Hand: «Mit Abtasten und Beobachten erstellen wir eine medizinische Diagnose. Danach behandeln wir die Krankheit mit manuellen Techniken.»

Doch nicht nur Katzen- und Hundebesitzer machen davon Gebrauch – auch Landwirte entdecken die Tier-Osteopathie. Zum Beispiel Roch Chatton in La Corbaz FR. Eine seiner Kühe war auf der Weide umgefallen und kam kaum mehr auf die Beine. «Im Stall hat sie sich dann sofort hingelegt und konnte nur mit Mühe wieder aufstehen», erzählt Chatton.

Eine erste Diagnose durch den Tierarzt ergab, dass der Schmerz von den Nerven ausging, der Kuh aber nicht geholfen werden konnte. Auf Anraten eines Freundes rief Chatton den Osteopathen. «Ich hatte Mühe zu glauben, dass das funktionieren sollte», räumt er ein.

Der Bauer beobachtet nun, wie der Praktiker die Wirbelsäule der Kuh abtastet, um die Nerven zu spüren. Ganz auf dem Damm ist das Tier noch nicht, aber es geht ihm deutlich besser.

Anfänglich wurde Osteopathie bei Menschen angewendet. Ab den 80er-Jahren passten die Therapeutinnen und Therapeuten die Technik an und legten auch bei Pferden Hand an. Heute wird die Methode auch bei Haltern anderer Haus- und Nutztiere – nicht nur Kühen, sondern auch Ziegen, Esel und Lamas – immer beliebter.

Die Schweizerische Tierärztliche Vereinigung für Komplementär- und Alternativmedizin (camvet.ch) zählt derzeit 190 Mitglieder, die mit verschiedenen alternativen Methoden behandeln. Vor fünf Jahren waren es erst 120. «Als ich anfing, haben nur sehr wenige die Anwendung dieser Therapie bei Tieren gekannt», sagt Miccichè Walzinger.

Miccichè Walzinger ist beim Verband camvet.ch für den Bereich Osteopathie zuständig. Dass die Heilmethode in immer mehr Praxen Einzug hält, liege an der Annäherung der alternativen Heilmethoden an die klassische Medizin, sagt sie.

«Die Menschen wenden sich selbst an Alternativmediziner. Da überrascht es nicht, dass sie diese Behandlungen auch für ihre Tiere wünschen.» 2009 sprachen sich die Stimmberechtigten für einen Verfassungsartikel zur Förderung von Komplementärmedizin aus.

Sarah Miccichè Walzinger möchte Osteopathie ihren Tierarzt-Kollegen und -Kolleginnen näher bringen, was zur Herausforderung werden kann: «Es ist nicht leicht, sich Respekt zu verschaffen. Kollegen sagen mir, dass sie nicht an Osteopathie glauben – wie wenn das eine Religion wäre!»

«Aber da gibt es nichts zu glauben. Wenn man eine Wirbelsäule nimmt, mobilisiert man sie mit einem Handgriff. Und dann geht es besser, das ist ein Fakt.» Es sei das Problem der Komplementärmedizin generell, dass sie sich auf empirische Resultate stütze und zurzeit keine wissenschaftlichen Beweise beibringen könne.

Dennoch: Mehr und mehr Tierärztinnen und Tierärzte wenden sich der Ostheopathie zu. Seit September gibt es eine von der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte anerkannte Nachdiplom-Ausbildung mit Fähigkeitszeugnis – eine Schweizer Premiere.

«Jedes Jahr lassen sich etwa 15 Personen ausbilden», sagt Miccichè Walzinger. Sie hat den Kurs «Schweizerische Tierärztliche Osteopathie Ausbildung» aufgebaut, um einem Bedürfnis gerecht zu werden. Zuvor hatten sich Tierärztinnen und Tierärzte im Ausland in Osteopathie ausbilden lassen müssen.

Auch der im März 2016 gegründete Schweizerische Verband der Tier-Osteopathen (SVTO) will einen Lehrgang aufbauen. Im Verband sind Veterinär-Osteopathen zusammengeschlossen. Sie haben eine qualifizierte Ausbildung absolviert, sind aber nicht zwingend Tierärztinnen oder Tierärzte.

«Wir wollen unseren Beruf anerkennen lassen», betont Eva Huguelet, eine der drei Mitbegründerinnen des SVTO. Denn auf Gesetzesstufe geschützt ist der Titel Veterinär-Osteopath nicht, und ebensowenig ein Reglement für die Ausbildung.

Die geltenden Bestimmungen können sich von Kanton zu Kanton stark unterscheiden. In den meisten Kantonen sei das Praktizieren frei, sagt Huguelet. Auch die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte verlangt vereinheitlichte Regelungen und strengere Kontrollen.

(SDA)

Wer ist in Deutschland populistisch? – svz.de

INFOGRAFIK 25. Juli


Wie populistisch sind die Deutschen? Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung[1] zeigt, dass hierzulande etwa 29 Prozent der Befragten populistischen Aussagen zustimmen. Dabei unterscheidet sich der Anteil je nach politischer Richtung, wie die Grafik von Statista zeigt. So ist die Zustimmung zu populistischen Aussagen besonders hoch bei Menschen mit politisch rechter Meinung, gefolgt von Befragten, die politisch mittig eingeordnet wurden. Die geringste Zustimmung bekamen populistische Aussagen bei Befragten mit politisch mitte-linker Einstellung, gefolgt von Befragten mit mitte-rechter Einstellung. 

Die Ergebnisse der Studie können als repräsentativ für die deutsche Wahlbevölkerung zum Zeitpunkt der Bundestagswahl 2013[2] angesehen werden. Befragt wurden 2.371 Wahlberechtigte nach ihrer Einstellung zu acht populistischen Aussagen. Wer dem überwiegenden Teil zustimmte, wird als populistisch eingestuft.

Infografik: Wer ist in Deutschland populistisch? | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista[3] 

INFOGRAFIK 24. Juli


Immer weniger Menschen gehen mit Firefox[4] und Internet Explorer online. Laut aktuellen Daten von StatCounter[5] kommen beide zusammen nur noch auf einen Desktop-Marktanteil von 23,3 Prozent. Verantwortlich für den Absturz ist Chrome, Der Google-Browser kletterte zuletzt auf rund 63 Prozent. Auch Andreas Gal, ehemaliger Chief Technology Officer bei Mozilla, geht in einem Beitrag von Caschys Blog[6]davon aus, „dass vor allem Googles immer aggressivere Werbung für Chrome Nutzer abziehe. Deswegen schwinden die Nutzer des Browsers aktuell von Jahr zu Jahr – auch wenn Mozilla vieles an Firefox modernisiert hat.“ Laut Gal ist das Ende des Firefoxes quasi nur eine Frage der Zeit.

Infografik: IE und Firefox auf dem Weg in die Nische | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista[7] 

INFOGRAFIK 24. Juli


SPD und CDU liegen in den aktuellen Umfragen mit ihren Stimmanteilen wieder etwa beim Ergebnis der Bundestagswahl 2013[8]. Nach dem Umfragehoch im Frühjahr 2017 ging es für die SPD zuletzt wieder stark bergab. 

In der vergangenen Legislaturperiode von 2009 bis 2013 konnten die Sozialdemokraten ebenfalls zwei Mal zur Union aufschließen, wie die Grafik von Statista zeigt. Einmal im Sommer 2010, ebenfalls eng wurde es 2011. Zuletzt holte die SPD in den Sonntagsfragen von Emnid[9] mehr als ein Jahr vor der Bundestagswahl 2013 auf, danach ging es stetig auf den Unterschied von knapp 16 Prozentpunkten zu, wie die Grafik von Statista zeigt.

Infografik: SPD: Keine Konkurrenz für die CDU? | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista[10]

Infografik: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre (KW 30) | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista[11] 

 

INFOGRAFIK 21. Juli


Fast jeder zweite Deutsche (46 Prozent) hat schon einmal Naturheilverfahren ausprobiert. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage von YouGov[12] und Statista. 13 Prozent der Befragten gaben darin an, regelmäßig alternative Heilmethoden zu nutzen. 

Der häufigste Anlass, für den die Deutschen zum Heilpraktiker gehen würden, ist dabei die Behandlung einer Migräne[13]: Wie die Grafik von Statista zeigt, würden 38 Prozent der Befragten hierfür alternative Heilmethoden in Erwägung ziehen. 35 Prozent würden bei Rückenschmerzen und 32 Prozent bei Magen-Darm-Beschwerden Naturheilverfahren ausprobieren. 

Bei schweren Erkrankungen wie Krebs[14] oder Herzleiden vertrauen die Deutschen jedoch eher der Schulmedizin: Laut der YouGov-Umfrage würden lediglich zehn Prozent der Deutschen hierbei einen Heilpraktiker aufsuchen.

Infografik: Wofür die Deutschen zum Heilpraktiker gehen | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista[15] 

 

INFOGRAFIK 21. Juli


Der deutsche Außenhandelsverband (BGA) rechnet nach den deutlichen Worten der deutschen Politik Richtung Türkei[16] mit einem Einbruch des Exports. Zudem könne deutschen Unternehmen nicht empfohlen werden, weitere Investitionen in der Türkei zu tätigen. 

Wie die Grafik von Statista zeigt, nahm der Wert der deutschen Einfuhren in die Türkei in den vergangenen Jahren stetig zu, während der der Ausfuhren 2016 leicht unter dem Wert von 2015 lag. Top 3 Ausfuhrgüter sind laut GTAI[17] Kfz und zugehörige Teile, Maschinen und Elektrotechnik, während hierzulande aus der Türkei am meisten Textilien und Bekleidung eingeführt werden. 

Deutschland ist für die Türkei das wichtigste Export- und das zweitwichtigste Importland. Dementsprechend hart könnte das Land von einem Einbruch des Warenhandels betroffen sein. Im deutschen Außenhandel belegt die Türkei bei den Exporten Platz 15, bei den Importen Platz 16.

Infografik: Deutsch-türkische Handelsbeziehungen | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista[18] 

 

> ARCHIV: DIESE INFOGRAFIKEN HABEN SIE VERPASST![19]

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von svz.de
erstellt am 09.Feb.2017 | 10:42 Uhr

Quelle:

www.svz.de

Fußnoten:

  1. ^ Externer Link (www.bertelsmann-stiftung.de)
  2. ^ Externer Link (de.statista.com)
  3. ^ Externer Link (de.statista.com)
  4. ^ Externer Link (de.statista.com)
  5. ^ Externer Link (gs.statcounter.com)
  6. ^ Externer Link (stadt-bremerhaven.de)
  7. ^ Externer Link (de.statista.com)
  8. ^ Externer Link (de.statista.com)
  9. ^ Externer Link (www.wahlrecht.de)
  10. ^ Externer Link (de.statista.com)
  11. ^ Externer Link (de.statista.com)
  12. ^ Externer Link (yougov.de)
  13. ^ Externer Link (de.statista.com)
  14. ^ Externer Link (de.statista.com)
  15. ^ Externer Link (de.statista.com)
  16. ^ Externer Link (de.statista.com)
  17. ^ Externer Link (www.gtai.de)
  18. ^ Externer Link (de.statista.com)
  19. ^ > ARCHIV: DIESE INFOGRAFIKEN HABEN SIE VERPASST! (www.svz.de)
  20. ^ zur Startseite (www.svz.de)

Entscheidend für Gesundheit und Krankheit – Bayerischer Rundfunk

Darmmikrobiom | Bild: Screenshot BR

Das Mikrobiom des Darms besteht aus Milliarden von Mikroorganismen. Das Gleich- oder Ungleichgewicht dieses mikrobiellen Ökosystems soll verantwortlich sein für Autoimmunerkrankungen, den Fettstoffwechsel oder chronische Entzündungen. Was kann unser Darm wirklich? Wie genau Darmbakterien Gesundheit und Krankheit steuern, ist noch unbekannt.

Mikrobiom des Darms: Schlüssel zu entzündlichen Darmkrankheiten?

Von Kindheit an leidet Indra Ganz an Morbus Crohn, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, die in Schüben kommt. Immer wieder kommen die Entzündungen zurück. Indra Ganz musste sich deshalb schon Teile des Darms operativ entfernen lassen.

Indra Ganz, Morbus-Crohn-Patientin | Bild: Screenshot BR

„Es ist eigentlich wie eine Magen-Darm-Grippe, zuerst ist einem schlecht, man hat Bauchweh, dann kommen relativ schnell starke Schmerzen und dann ist man dauernd auf der Toilette. Das schränkt einen natürlich im Alltag ein. Ich darf meine Kinder nicht hochheben. Und wenn ich dann sehe, wie andere Mütter ihre Kinder selbstverständlich hochheben, dann schmerzt mich das natürlich schon.“

Indra Ganz, Morbus-Crohn-Patientin

Darmmikrobiom: große Bedeutung für die Forschung

In den Jahren ihrer Krankheit hat sie vieles ausprobiert, um die schmerzhaften Schübe in den Griff zu bekommen, aber eine effektive Therapie hat sie nicht gefunden. Die Ursache von Morbus Crohn kennt man nicht.

Prof. Dirk Haller von der Technischen Universität München möchte das ändern. Der Mikrobiologe und Immunologe beschäftigt sich wissenschaftlich mit den Darmbakterien. Er sagt: Das Mikrobiom könnte der Schlüssel zu entzündlichen Krankheiten wie der von Indra sein.

Prof. Dr. rer. nat. Dirk Haller, Mikrobiologe und Immunologe, Technische Universität München | Bild: Screenshot BR

„Fast alle Tiermodelle für diese Erkrankung sind quasi entzündungsfrei, wenn man sie ohne Bakterien hält. Das sind schon gute Hinweise darauf, dass dieses klinische Bild sehr stark davon abhängig ist, welche Bakterien im Darm dann tatsächlich da sind.“

Prof. Dr. rer. nat. Dirk Haller, Mikrobiologe und Immunologe, Technische Universität München

Forschung Darmmikrobiom: Einfluss auf viele Krankheiten

Ob sich aus dieser Erkenntnis neue Therapien entwickeln lassen, ist noch schwer zu sagen, denn die Krankheit ist sehr komplex.

Darmmikrobiom | Bild: Screenshot BR

Auch bei anderen Erkrankungen suchen Forscher nach einem Zusammenhang mit Darmbakterien. Für Diabetes und Arteriosklerose zum Beispiel sehen Wissenschaftler in Darmbakterien einen möglichen Auslöser.

Sogar in Bezug auf Erkrankungen des Gehirns wie Autismus und Demenz wird das Mikrobiom erforscht. Studien haben auch gezeigt, dass Übergewicht mit der Zusammensetzung der Darmbakterien zusammenhängt. Doch dass wir in Zukunft auf Diäten verzichten und per Bakterien abnehmen können, hält Dirk Haller für unwahrscheinlich.

„Zu postulieren, dass meine Darmmikrobiota mich dick macht, da halte ich relativ wenig davon. Weil am Ende des Tages wird man dick, weil man zu viel Energie aufnimmt und zu wenig abgibt.“

Prof. Dr. rer. nat. Dirk Haller, Mikrobiologe und Immunologe, Technische Universität München

Gesunde Darmflora: Grundlage für das Wohlbefinden

Auch bei weniger schweren Erkrankungen kann die Darmflora eine Rolle spielen. Stefan Pölz ist Allgemeinmediziner in München und trifft häufig auf Patienten mit Beschwerden, die er aufs Darmmikrobiom zurückführt.

Stefan Pölz, Allgemeinmediziner, München | Bild: Screenshot BR

„Die Patienten, die kommen, haben oft allgemeine Beschwerden, wie Blähungen, Durchfall oder wechselnden Stuhlgang, diffuse Bauchschmerzen. Und das sind alles Symptome, die darauf hinweisen, dass die Darmflora gestört ist, dass das bakterielle Gleichgewicht aus dem Ruder gelaufen ist.“

Stefan Pölz, Allgemeinmediziner, München

Darmmikrobiom & Gesundheit: Das Gleichgewicht muss stimmen

Das Darmmikrobiom bestehe sowohl aus guten Bakterien, als auch aus solchen, die Krankheiten auslösen, erklärt Pölz. Damit der Mensch gesund bleibt, muss das Gleichgewicht stimmen. Gute Bakterien wie Lactobazillen und Bifidobakterien halten Krankheitserreger wie zum Beispiel Clostridien in Schach.

Um die Darmflora seiner Patienten wieder ins Gleichgewicht zu bringen, untersucht Stefan Pölz Stuhlproben auf die enthaltenen Bakterien und verordnet passende probiotische Medikamente aus der Apotheke.

Joghurts für die Darmgesundheit: mehr als nur Marketing?

Joghurts aus dem Supermarkt mit zugesetzten Bakterien | Bild: Screenshot BR

Joghurts aus dem Supermarkt, die mit zugesetzten Bakterien werben, haben keinen nachgewiesenen Effekt, sagt Mediziner Stefan Pölz, allein schon, weil die Dosierung der Bakterien nicht ausreiche.

„Der wesentliche Unterschied ist, dass die Präparate so aufbereitet sind, dass sie im Darm auch ankommen. Wenn sie Joghurt essen, wird das durch die Magensäure angegriffen und zersetzt. Und wenn sie Kapseln nehmen oder andere gefriergetrocknete Tabletten, die sich erst im Darm anfangen aufzulösen, kommen die Bakterien auch da an, wo wir sie brauchen.“

Stefan Pölz, Allgemeinmediziner, München

Darmmikrobiom: Forschungsfeld mit Perspektive

Forschung am Darmmikrobiom | Bild: Screenshot BR

Das Darmmikrobiom wird in den nächsten Jahren ein spannendes Thema für die Forschung bleiben. Die Morbus-Crohn-Patientin Indra Ganz hat sich nach all den Jahren mit ihrer Krankheit abgefunden. Trotzdem hofft sie auf die Forschung. Dass konkrete Ergebnisse noch Jahre brauchen könnten, ist ihr bewusst.

„Für mich bringt es wahrscheinlich nichts mehr, ich habe die Krankheit einfach schon sehr lange. Aber für die kommenden Generationen wäre das sicher ein Segen.“

Indra Ganz, Morbus-Crohn-Patientin

Quelle:

www.br.de

Kleine Stühle, großer Lärm: Die fordernde Arbeit in der Kita – Allgemeine Zeitung

In Kitas spielt sich vieles auf dem Boden ab. Für die Rücken der Mitarbeiter ist das eine Belastung.

In Kitas spielt sich vieles auf dem Boden ab. Für die Rücken der Mitarbeiter ist das eine Belastung. Foto: Monika Skolimowska

Tränen, Streit, Glücksmomente und ständiges Geplapper: Was Erzieher in der Kita jeden Tag an Dramen erleben, würde an den meisten Arbeitsplätzen für ein ganzes Jahr reichen. Kein Wunder, dass der Beruf enormen Stress bedeutet – für Geist und Körper.

Berlin (dpa/tmn) – Ein Kinderspiel ist die Arbeit in der Kita nicht, im Gegenteil. Sie kann belastend für Körper und Geist sein. Ein Experte gibt Erziehern deshalb ein paar Ratschläge an die Hand.

«Generell ist das Arbeiten in der Kita sehr belastend, weil es zum Beispiel wahnsinnig viel Multitasking ist – alle wollen da ständig was von einem», sagt Rolf Ellegast. Er ist stellvertretender Leiter des Instituts für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Ein Rudel Kinder zu betreuen, ist aber nicht einfach nur Stress, sondern auch eine Herausforderung für die Gesundheit. Das beginnt bei der Einrichtung: Denn die Möbel in der Kita sind für kleine Leute gebaut, nicht für deren Erzieher. «Wenn Sie in der Kita immer auf kleinen Stühlen sitzen, merken Sie erst nicht, dass das Ihrer Gesundheit schadet», sagt Ellegast. «Nach 10 oder 20 Jahren dann aber schon.» Die Folge sind häufig Muskel-Skelett-Erkrankungen, so der Experte. «Je älter Sie werden, desto mehr Beschwerden haben Sie.»

Gefährlich sei nicht so sehr die Bewegung an sich, sondern eher die dauerhafte und einseitige Belastung. Seit Kitas immer mehr Kinder unter drei Jahren betreuen, habe sich das noch verschärft. 

«Die Beschäftigten tragen jetzt viel mehr Kinder und arbeiten viel auf dem Boden», sagt Ellegast. Er rät Erziehern deshalb, sich möglichst vom ersten Arbeitstag an gesundheitsgerecht zu verhalten.

«Erzieherinnen wollen viel auf Augenhöhe mit den Kindern sein, das ist ja auch gut und richtig so», erklärt der Experte. Aber dafür müsse man sich nicht immer bücken, Kinder hochheben oder zu ihnen in die Hocke gehen.

«Man kann die Kinder aber auch auf die eigene Augenhöhe bringen, mit Trip-Trap-Stühlen zum Beispiel.» Höhenverstellbare Tische seien auch eine Lösung – allerdings oft zu teuer für eine Kita. Und auch verstellbare Stühle mit Rollen können den Rücken in vielen Situationen entlasten.

Hinzu kommen in der Kita andere Gesundheitsgefahren – schlechte Luft oder ständiger Lärm zum Beispiel. Ein direkter Gehörschaden drohe dadurch zwar meist nicht. «Hier steht eher der Stress durch die Dauerbeschallung im Vordergrund», sagt Ellegast. Auch davor könne man sich schützen, durch kurze Pausen in Ruheräumen etwa. «Insgesamt ist das aber eher eine Frage der baulichen Gestaltung.»

Eine Frage Des Stils: Wer nicht(s) hören will…

Wer sich im öffentlichen Raum bewegt, wird heute regelmäßig von anderen Menschen mit akustischen Reizen aller Art versorgt. Musik aus dem Smartphone des Sitznachbarn in der Bahn kann dabei ebenso nerven wie Telefonate, die man nicht belauschen mag. Da hilft nur Widerspruch. Notfalls laut.

Neulich im Fitnessstudio. Bettina fühlte sich beim Umziehen nach dem Training entspannt und mit der Welt im Reinen. Bis eine andere Sportlerin die Umkleide betrat und wohl beschloss, dass sie ohne angemessene Beschallung keinesfalls in ihr Fitness-Outfit schlüpfen könne. Und so dröhnte aus den (überraschend leistungsstarken) Lautsprechern ihres Smartphones bald ein Schlager, der ihr sichtlich Freude, Bettina aber Bauchschmerzen verursachte. Sagen mochte sie trotzdem nichts.

Hätte sie’s mal ruhig gemacht! Es wird ja häufig schon problematisch, wenn es um den angemessenen (physischen) Abstand zu einer anderen Person geht. Aber dass es auch nicht in Ordnung ist, Mitmenschen akustisch auf die Pelle zu rücken, ist für viele noch schwerer einsehbar. Nach dem Motto: Meine Lieblingsmusik mag doch jeder! Und mein privates Telefonat mit Oma ist meine Sache! Nur dass das leider ein Trugschluss ist, und bei Telefonaten anderer nervt ja oft noch besonders, dass man sich bei Interesse die Hälfte der zwangsweise belauschten Konversation dazudichten muss.

Wenn Sie also selbst gern in der Bahn Musik hören oder eine Folge Ihrer Lieblingsserie auf dem Laptop ansehen: Setzen Sie Kopfhörer auf und testen Sie vor dem ersten Einsatz, wie viel nach außen dringt. Wo Kopfhörer nicht gehen: Verzichten Sie. Oder fragen Sie (bei kleinen Gruppen) die Anwesenden, ob sie sich gestört fühlen. Wenn alle Lust auf „Kuschelrock 99“ haben, spricht nichts dagegen – knappe Mehrheitsentscheidungen reichen da aber nicht. Der eigene Balkon ist ein Sonderfall: Hier dürfte Zimmerlautstärke ein Richtwert dafür sein, was okay ist – je nach baulichen Gegebenheiten. Umgekehrt dürfen Sie natürlich andere immer freundlich um Ruhe bitten, wenn Sie sich gestört fühlen. Schwierig werden kann das leider bei der Beschallung im Supermarkt, die wieder mehr in Mode zu kommen scheint. Immerhin wird hier meist auf dezente Lautstärke und gut ausblendbare Musik gesetzt!

Telefonate in der Supermarkt-Schlange sollte man leise führen und sehr kurz halten; allzu private Themen gehören eh nicht in die Öffentlichkeit. Eine Freundin von mir pflegt in solchen Fällen übrigens gern den Telefonierenden freundlich anzutippen und dann nicht allzu leise etwas zu sagen wie: „Vielleicht müsste Ihre Tante nur mal eine andere Hämorrhoiden-Salbe ausprobieren.“ Meist scheint den Angesprochenen dann klar zu werden, dass sie keine schallschluckenden Wände um sich haben. Die Lösung eignet sich trotzdem nur für Mutige – und in schweren Fällen.

Haben Sie eine Frage des Stils? Dann mailen Sie an: stilfrage@rheinische-post.de[1]

Quelle: RP

Fußnoten:

  1. ^ stilfrage@rheinische-post.de (www.rp-online.de)

Von Darmkrankheiten und anderen Leiden

Wildeshausen[1] Das Krankenhaus Johanneum Wildeshausen hat sein Programm für die zweite Jahreshälfte mit Vorträgen und Seminaren zu Medizin, Pflege und Fitness vorgelegt. Die Broschüre liegt in Praxen von Ärzten und Physiotherapeuten, Apotheken, öffentlichen Einrichtungen sowie im Johanneum zum Mitnehmen aus.

Die kostenlose medizinische Vortragsreihe startet mit dem Thema „Hämorrhoiden & Co. – Kein Tabu!“ am Montag, 28. August, um 19.30 Uhr im Café Johanneum[2]. Ives Garre[3], Leitender Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie wird die Teilnehmer über wirksame Therapien bei Enddarmerkrankungen informieren.

Mit einem Nordic-Walking-Grundkursus beginnt das Aktivprogramm am Donnerstag, 10. August, um 14.30 Uhr. Der Kursus führt während der acht Termine in die Grundtechniken des Nordic-Walkings ein. Erster Treffpunkt sind die Räumlichkeiten der Physiotherapie im Krankenhaus Johanneum[4].

Nach einer Pause wieder im Programm: „Massagen für Kopf, Rücken, Arme und Beine“. Ab Mittwoch, 18. Oktober, werden die Basistechniken der klassischen Massage vermittelt. Die sechs einstündigen Übungseinheiten beginnen jeweils um 16 Uhr in den Räumlichkeiten der Physiotherapie. Kosten: 48 Euro.

Anmeldungen für die Kurse aus dem Bereich Fitness unter Telefon   0 44 31/9 8 287 50 oder per E-Mail an kurse@krankenhaus-johanneum.de.

Außerdem bietet das Pflegezentrum[5] Johanneum jeden ersten Donnerstag im Monat von 16 bis 18 Uhr die Möglichkeit zu Pflegeberatungsgesprächen mit Pflegedienstleiter Thomas Möhle. Eine Anmeldung unter Telefon   0 44 31/ 9 82 60 00 ist erforderlich.

28. August: Hämorrhoiden & Co.– Kein Tabu!, Wirksame Therapien bei Enddarmerkrankungen, 19.30 Uhr, Café Johanneum

4. September: Offener Abend: Rund um die Geburt, 19.30 Uhr, Café Johanneum

18. September: Wenn die Hüfte streikt – Wann ist eine Prothese sinnvoll?, 19 Uhr, Café Johanneum

25. September: Diagnose Reizdarm – Was ist zu tun?, 19.30 Uhr, Café Johanneum

16. Oktober: Dem Schlaganfall vorbeugen – Carotisstenose erkennen und behandeln, 19.30 Uhr, Café Johanneum

23. Oktober: Warum schmerzt die Gelenkprothese? Problemanalyse und Therapiemöglichkeiten, 19 Uhr, Café Johanneum

2. November: „Das schwache Herz“: Diagnose und Therapie von Herzinsuffizienz, 19.30 Uhr, Café Johanneum

6. November: Knieschmerzen Paroli bieten: Ursachen und moderne Therapieverfahren, 19 Uhr, Café Johanneum

20. November: Viel zu dick: Effiziente Therapie von Adipositas, 19.30 Uhr, Café Johanneum

27. November: Leistenbruch – Wann und wie behandeln? Verfahren der modernen Hernienchirurgie bei Leisten-, Nabel- und Narbenbrüchen, 19.30 Uhr, Café Johanneum

4. Dezember: Offener Abend: Rund um die Geburt, 19.30 Uhr, Café Johanneum

11. Dezember: Alarmsignal Schulterschmerz – Ursachen, Diagnose und Behandlungsoptionen, 19 Uhr, Café Johanneum

Fußnoten:

  1. ^ Wildeshausen (www.nwzonline.de)
  2. ^ Johanneum (www.nwzonline.de)
  3. ^ Ives Garre (www.nwzonline.de)
  4. ^ Krankenhaus Johanneum (www.nwzonline.de)
  5. ^ Pflegezentrum (www.nwzonline.de)