Bolivien: Erste Hilfe aus dem Dschungel – euronews

Bolivien wird regelmäßig von Naturkatastrophen heimgesucht. Seit 1900 gab es vierzig Hochwasserkatastrophen, extreme Wetterlagen werden immer häufiger und heftiger. Bei Überschwemmungen kamen im letzten Jahrhundert 140.000 Menschen ums Leben, rund drei Millionen waren von ihnen betroffen.

Für mehr als zwanzig einheimische Gemeinden in Bolivien gehören Hochwasser zum Alltag, weil sich ihre Dörfer in der Nähe von Flüssen befinden. Capaina ist eines von ihnen, es liegt am Río Beni. 25 Familien leben hier.

Heilpflanzen statt Krankenhaus

Ortschaften wie diese werden durch extremes Wetter teils monatelang vom Rest des Landes isoliert – so auch 2014 nach den schlimmsten Überschwemmungen seit sechzig Jahren. Deswegen setzen die Menschen in Capaina ganz auf traditionelle Medizin. Die Heilerinnen Doña Juanita und Doña Antonia wissen, mit welchen Pflanzen den Menschen in Notlagen geholfen werden kann.

“Bei vom Fluss oder durch den Wind verursachten Naturkatastrophen haben wir nicht genug Geld, um ins Krankenhaus zu gehen. Deshalb sind diese Naturheilmittel eine gute Lösung, wenn es zu solch einem Unglück kommt”, erklärt Juana Fañio Tahe, die alle Doña Juanita nennen und ergänzt: “Schon als Kind lernte ich viel über Pflanzen und ihre Wirkung. Ich ging mit meiner Großmutter in den Regenwald und beobachtete sie, wenn sie Baumrinde sammelte, um sie dann in Wasser aufzukochen.”

Dann schabt Doña Juanita mit einem Messer etwas Rinde von einem Stamm: “Das ist ajo ajo. Es hilft gegen Schmerzen, auch gegen sehr starke.”

Unterstützung durch eine NGO und die EU

Doña Juanita und Doña Antonia arbeiten mit der NGO Soluciones Prácticas zusammen. Die beiden Frauen sind von anderen Dörfern nach Capaina gekommen, um dort ihr Wissen über die heilenden Kräfte der Natur zu teilen. Die Organisation wird vom Amt für humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission unterstützt. Es wird gemeinsam versucht, die traditionellen Praktiken in einen modernen Kontext einzubetten.

Victor Yapu von Soluciones Prácticas sagt beim Treffen mit den Frauen in Capaina: “Diese Verfahren werden bereits seit vielen Jahrhunderten praktiziert und sie haben sich bewährt. Unsere Rolle ist es, sie von offizieller und wissenschaftlicher Seite aus zu unterstützen. Deshalb haben wir eine Art Bestandsliste medizinischer Pflanzen zusammengestellt. Wir haben schon über einhundert Arten gefunden und hier in der Gegend gibt es sicherlich noch viele weitere. Wir werden unsere Liste also erweitern.”

Die Bestandsliste verhilft den Naturheilerinnen zu mehr Glaubwürdigkeit und Ansehen. Vom bolivischen Grundgesetz wird ihr Status als Medizinerinnen bereits anerkannt. Die NGO Soluciones Prácticas versucht, ihr Wissen zu schützen und es für mehr Menschen zugänglich zu machen. Deshalb organisieren die Mitarbeiter Treffen wie dieses in Capaina. Die beiden Heilerinnen statten der einheimischen Medizinfrau Doña Dilma einen Besuch ab.

Wertvolles Wissen weitergeben

Dabei werden nicht nur Blätter und Wurzeln ausgetauscht. Die drei Frauen wollen sie später auch in ihren eigenen Gärten anpflanzen. Außerdem teilen sie Rezepte und Heilmethoden. “Ganz schön scharf”, sagt Doña Antonia und verzieht das Gesicht, als sie ein kleines Stück der Rinde probiert.

Die Europäische Union versucht, die verschiedenen ethnischen Gruppen Boliviens zu schützen. Es gibt 36 indigene Völker, das sind rund drei Millionen Ureinwohner.
Pablo Torrealba vom vom Amt für humanitäre Hilfe erklärt im Gespräch mit Euronews-Reporterin Monica Pinna: “Es gibt Gemeinden, die schon immer in den jeweiligen Dörfern ansässig waren. Andere sind von den Hochebenen und anderen Regionen zugezogen. Es ist wichtig, dass das Naturheilwissen auch mit den Neuankömmlingen geteilt wird.”

Auf die Frage unserer Reporterin, warum diese Verfahren so wichtig und gleichzeitig bedroht seien, erwidert Torrealba: “Mit der Abholzung der Wälder werden die Heilpflanzen immer schwerer zugänglich. Deshalb haben wir das Projekt ins Leben gerufen, Pflanzen und Samen im Wald zu sammeln und sie in der Nähe der Ortschaften anzupflanzen. So müssen die Menschen im Notfall nicht bis in den Dschungel gehen, um an Medizin zu kommen.”

Eines der Ziele des EU-Projekts ist es, die Kenntnisse der Heiler mit neuen Generationen zu teilen. Und auch mit Menschen, die fernab des Dschungels leben. Zum Beispiel auf dem Markt von Rurrenabaque.

Mit dem Boot dauert es ungefähr zwanzig Minuten, um von Capaina nach Rurrenabaque zu kommen. Doña Juanita und Doña Antonia haben sich gemeinsam auf den Weg gemacht, um ihre Heilmittel auf dem Wochenmarkt unter die Leute zu bringen. Schon seit zehn Jahren hat Doña Antonia hier einen Stand: “Ich verkaufe viele verschiedene Sachen. Ich bringe das, worum mich die Menschen bitten”, sagt die Medizinfrau.

Laut Weltgesundheitsorganisation[12] machen traditionelle Heilmethoden einen wichtigen, oft unterschätzten Teil unseres Gesundheitssystems aus. Sie zu fördern ist wichtig, um ihre Qualität zu gewährleisten und mehr Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung zu verschaffen.

Aid Zone 4 Bolivia

Blicken Sie in unserer Fotogalerie hinter die Kulissen.

Fußnoten:

  1. ^ #filming (twitter.com)
  2. ^ #rurrenabaque (twitter.com)
  3. ^ #bolivia (twitter.com)
  4. ^ #medicine (twitter.com)
  5. ^ #floods (twitter.com)
  6. ^ #Bolivia (twitter.com)
  7. ^ #aidzone (twitter.com)
  8. ^ pic.twitter.com/2YQmPIUEP1 (t.co)
  9. ^ 19 juin 2017 (twitter.com)
  10. ^ pic.twitter.com/WrSx6laVTI (t.co)
  11. ^ 21 juin 2017 (twitter.com)
  12. ^ Weltgesundheitsorganisation (apps.who.int)
  13. ^ #havingfun (twitter.com)
  14. ^ #learning (twitter.com)
  15. ^ pic.twitter.com/Lhpsksj4JD (t.co)
  16. ^ 18 juin 2017 (twitter.com)

Hirntumor bei einflussreichem US-Senator McCain diagnostiziert – DIE WELT

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Bei dem einflussreichen US-Senator und ehemaligen Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, John McCain, ist ein Hirntumor entdeckt worden. Das Krebsgeschwür sei bei einer Operation vollständig entfernt worden, teilte sein Büro am Mittwoch (Ortszeit) in Washington mit. Noch ist unklar, wann der 80-Jährige in den Senat zurückkehren kann – dort hoffen die Republikaner bei der Gesundheitsreform auf die Unterstützung von McCain, der US-Präsident Donald Trump schon häufig deutlich kritisiert hat.

Zuletzt waren die Beratungen des US-Kongresses über die Gesundheitsreform verschoben worden, weil McCain sich wegen eines Blutgerinnsels über dem Auge einer Operation unterziehen musste. Im Zuge dieser Operation sei ein damit zusammenhängender Hirntumor festgestellt worden, teilte McCains Büro nun mit.

Es habe sich bei dem Tumor[1] um ein Glioblastom[2] gehandelt, wurde in der Erklärung die Mayo Clinic in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona zitiert. „Der Senator und seine Familie prüfen nun weitere Behandlungsoptionen“, hieß es. Möglich sei eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung.

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Aus beiden politischen Lagern wurden McCain Genesungswünsche übermittelt. Seine Gedanken und Gebete seien bei McCain und seiner Familie, erklärte US-Präsident Donald Trump. Ex-Präsident Barack Obama nannte McCain einen „amerikanischen Helden“. Der Krebs[3] wisse nicht, „mit wem er es zu tun hat“. Der Republikanerführer im Senat, Mitch McConnell, erklärte, er und die gesamte Parlamentskammer beteten für den Kollegen und hofften, ihn bald wiederzusehen.

„Die Ärzte des Senators sagen, dass er sich von der Operation ‚erstaunlich gut‘ erholt und seine zugrundeliegende Gesundheit exzellent ist“, hieß es aus McCains Büro. Auch McCain sei „guter Dinge“ und „zuversichtlich, dass eine künftige Behandlung wirksam sein wird“. Wann McCain in den US-Senat in Washington zurückkehren könne, müsse er noch mit seinen Ärzten klären.

McCain gehört zu den einflussreichsten US-Republikanern. Das Ansehen des Präsidentschaftskandidaten von 2008 beruht auch auf seiner Teilnahme am Vietnam-Krieg. Dabei war McCain 1967 in Gefangenschaft geraten und gefoltert worden und erst nach rund fünf Jahren wieder frei gekommen.

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Trump hatte McCain bereits nach der Entfernung des Blutgerinnsels am Montag gute Besserung gewünscht und dabei zugleich auf die Bedeutung von McCains Stimme bei der Reform des Gesundheitssystems verwiesen. „Wir brauchen seine Stimme“, erklärte Trump.

Die Abschaffung von „Obamacare“ und sein Ersatz durch ein angeblich effizienteres und kostengünstigeres Modell ist eines der zentralen Wahlkampfversprechen Trumps. Allerdings fehlt es derzeit an den notwendigen Stimmen aus den eigenen Reihen – in den vergangenen Tagen hatten vier republikanische Senatoren ihren Widerstand erklärt. Wegen der knappen Mehrheit der Republikaner in der Kongresskammer fehlen damit die notwendigen Stimmen für den Plan.

Republikanerchef Mitch McConnell stellte die Bemühungen um ein konsensfähiges neues Gesundheitsmodell nun bis auf Weiteres ein. Er will jetzt als Plan B nur noch über die Abschaffung von „Obamacare“ abstimmen lassen – ohne dass bereits ein Ersatzmodell präsentiert wird.

Um einen Reformplan noch in diesem Sommer zu erreichen, forderte Trump, der Senat sowie er selbst sollten dafür die Sommerpause aussetzen und „die Stadt nicht verlassen“. Bei einem Treffen mit 49 republikanischen Senatoren deutete er am Mittwoch an, diejenigen, die das Vorhaben ablehnten, könnten ihren Job verlieren. Mit Blick auf den Senator Dean Heller, der bei dem Treffen neben dem Präsidenten saß und als Gegner der Reform gilt, sagte Trump: „Er will Senator bleiben, oder?“

Quelle:

www.welt.de

Gesundheit: Mehr ADHS-Behandlungen bei Erwachsenen – FOCUS Online

Bei Kindern ist das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom eine häufige psychische Störung. Bei Erwachsenen ist ADHS seltener – aber die Zahl der Behandelten steigt stark. Das zeigt eine Untersuchung aus Rheinland-Pfalz.

Ritalin nicht mehr nur für Kinder: Die Zahl der Erwachsenen, die Medikamente wegen einer Aufmerksamkeitsstörung bekommen, nimmt stark zu. Zumindest in Rheinland-Pfalz. Dort wurden Behandlungen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS[1]) von den Krankenkassen ausgewertet.

Ärzte und Familien schenken der Erkrankung heute mehr Aufmerksamkeit als früher. Nach einer ADHS-Diagnose in der Kindheit nähmen viele Menschen das Medikament später auch im Erwachsenenalter ein, sagte ein Sprecher der AOK (Allgemeine Ortskrankenkassen). Hinzu kommt: Der Wirkstoff Methylphenidat, der im Präparat Ritalin steckt, wird seit 2011 auch Erwachsenen verordnet. Vorher wurden die Medikamente nur Kindern gegeben – von Einzelfallgenehmigungen abgesehen.

Die Zahlen zeigen weiter: Trotz der Steigerung liegt das Niveau der Volljährigen mit ADHS[2]-Behandlung noch immer weit unter dem von Kindern. Bei Unter-18-Jährigen in Rheinland-Pfalz geht die Zahl der Behandlung mit ADHS-Wirkstoffen seit ein paar Jahren leicht zurück – sowohl bei Kindern als auch bei Teenagern. Ärzte sind zurückhaltender geworden mit der Gabe von Psychostimulanzien wie Ritalin.

ADHS wird oft auch Zappelphilipp-Syndrom genannt. Kinder mit dieser Diagnose haben einen überstarken Bewegungsdrang und können sich schlecht konzentrieren. Im Erwachsenenalter können ADHS-Patienten nach außen hin ruhig wirken, obwohl sie innerlich unruhig sind. Experten nennen als Symptome: Impulsivität, Desorganisation im Alltag und Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit und Stimmung zu regulieren.

Laut der Auswertung der über die AOK versicherten Rheinland-Pfälzer haben sich die Ritalin-Verordnungen bei Erwachsenen zwischen 2012 und 2016 mehr als verfünffacht. Ähnlich rapide ist der Anstieg bei den Versicherten der IKK (Innungskrankenkasse): Zwischen 2010 und 2016 vervierfachten sie sich.

Bei den über die Barmer Versicherten gab es zwischen den Jahren 2013 und 2016 einen Anstieg der Ritalin-Verordnungen bei Erwachsenen um fast die Hälfte – in Bezug auf das Jahr 2010 verdreifachte sich die Zahl in Rheinland-Pfalz. Bei der TK (Techniker Krankenkasse) ist der Anstieg ähnlich: Die Krankenkasse verzeichnet eine Steigerung von etwas mehr als der Hälfte innerhalb der vergangenen drei Jahre.

„Gut, dass bei der Medikation von Kindern inzwischen genauer hingeschaut wird. Bei den Erwachsenen müssen wir nun ein wachsames Auge drauf haben, damit keine Übermedikation entsteht“, erklärte der Geschäftsführer der IKK Südwest, Lutz Hager. Es gebe auch gute präventive und verhaltensorientierte Ansätze.

Der TK-Landeschef Jörn Simon erklärte: „ADHS macht natürlich nicht vor dem Erwachsenenalter halt. Symptome wie etwa Aufmerksamkeitsstörungen oder Impulsivität bestehen weiter und können die Lebensgestaltung stark beeinträchtigen.“ Nach Angaben der ADHS-Transitionsambulanz der Unimedizin Mainz tritt die Störung bei drei bis sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen auf. Nur bei etwa ein Drittel der Betroffenen bilde sich ADHS bis zum Erwachsenenalter vollständig zurück.

Fußnoten:

  1. ^ Mehr zu ADHS (www.focus.de)
  2. ^ Mehr zu mit ADHS (www.focus.de)

Was die Zunge über die Gesundheit verrät – n-tv.de NACHRICHTEN

Wissen

Ein Blick lohnt sich: Stimmt etwas mit dem Körper nicht, zeigt sich das oft auch an der Zunge. Ein Blick lohnt sich: Stimmt etwas mit dem Körper nicht, zeigt sich das oft auch an der Zunge.(Foto: dpa)

Donnerstag, 20. Juli 2017

Lack-, Himbeer- oder Erdbeerzunge: Das Aussehen der Zunge sagt viel über die Gesundheit eines Menschen aus. Veränderungen daran können sogar Vorbote einer schweren Erkrankung im Körper sein. Auf die eigene Zunge sollte man also immer mal einen Blick werfen.

Mund auf, Zunge raus: In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist das eine der gängigen Untersuchungen. Über das Aussehen der Zunge werden seit Jahrtausenden Erkrankungen diagnostiziert – übrigens auch deshalb, weil sich die Menschen früher schämten, vor einem Arzt ihre Kleider abzulegen. Das hat sich zwar inzwischen längst gewandelt. Aber immer noch kommen selbst Schulmediziner über den Zustand der Zunge Krankheiten auf die Spur.

Die Zunge ist über Nervenbahnen bestens mit dem Gehirn und den Organen vernetzt. Wenn irgendetwas im Körper nicht stimmt, zeigt sich das deshalb auch an der Zunge. Sie spiegelt den Gesundheitszustand eines Menschen wider, wie Prof. Dirk Eßer, Chefarzt der Abteilung Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Helios Klinikum Erfurt erklärt.

Färbung kann auf Erkrankung hinweisen

Normalerweise ist die Zunge blassrosa, leicht belegt und an der Oberfläche etwas rau. Sieht sie deutlich anders aus und das nicht nur für ein paar Stunden, kann das ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Eine nicht nur zeitweise schwarz-gefärbte Zunge etwa kann auf Leukämie hindeuten. Hat die Zunge dauerhaft einen kräftig gelben Belag, steckt möglicherweise eine Erkrankung im Leber-Gallen-Bereich dahinter. Ist die Zunge braun, gibt es eventuell Probleme im Verdauungstrakt. Eine gräulich gefärbte Zunge kann auf Blutarmut hindeuten, eine blau gefärbte auf eine Lungenkrankheit. Eine Erkältung oder eine Magen-Darm-Störung zeigt sich häufig an einem dicken weißen Belag der Zunge.

„Welche biochemischen Prozesse bei der Zungenfärbung im Körper exakt ablaufen, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt“, sagt der Heilpraktiker René Gräber aus Preetz in Schleswig-Holstein. Ihm zufolge könnte der Säurehaushalt im Körper eine Rolle spielen. Gerät etwa die gelbbraune Gallenflüssigkeit, die für die Fettverdauung wichtig ist, krankheitsbedingt aus dem Gleichgewicht, dann wird auch der Säurehaushalt durcheinandergewirbelt.

„Das könnte eine Erklärung für einen gelben Belag der Zunge, die mit der Galle in Verbindung steht, sein.“ Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge könnten Veränderungen beim Auf- und Abbau von Aminosäuren dazu beitragen, dass sich bei einer Gastritis ein bräunlicher Zungenbelag zeigt.

Lack-, Himbeer- oder Erdbeerzunge

Es gibt aber auch noch andere Veränderungen. Von einer „Lackzunge“ ist die Rede, wenn das Organ an der Oberfläche glänzend und glatt ist. „Das tritt bei Mangelerscheinungen von Vitaminen oder Mineralstoffen auf“, erläutert Prof. Andreas Filippi, Fachzahnarzt für Oralchirurgie am Universitären Zentrum für Zahnmedizin in Basel. Auch ein brennendes Gefühl oder Entzündungen auf der Zunge können auf einen Vitaminmangel hindeuten. Ist die Zunge dauerhaft rotgefärbt („Himbeer“- oder „Erdbeerzunge“), dann ist der Mensch wahrscheinlich an Scharlach erkrankt.

Auch ein einseitiger Belag auf nur einer Zungenhälfte kommt vor. Er kann mit einer Nervenerkrankung oder Mittelohrentzündung zusammenhängen. Eine geschwollene, braun verfärbte Zunge deutet eventuell auf eine Nierenschwäche hin. Die sogenannte „Landkartenzunge“ – ein ungleichmäßiger Belag, auf dem Zahnabdrücke zu sehen sind, – weist auf Störungen im Verdauungstrakt hin, erklärt Gräber.

Kein Grund zur Sorge: nur kurzzeitig sichtbarer Belag

Kein Grund zur Sorge ist dagegen in der Regel ein kurzzeitig sichtbarer Belag. Heidelbeeren zum Beispiel verfärben die Zunge blau, ohne dass irgendeine Erkrankung dahintersteckt. Ein Belag auf der Zunge kann also – muss aber nicht – auf eine Krankheit hindeuten.

Ein täglicher Zungencheck zu Hause vor dem Spiegel hilft, Hinweise auf mögliche Krankheiten zu finden. Jeder sollte das Aussehen seiner Zunge regelmäßig beobachten, rät Eßer. Am besten geschieht das bei Tageslicht, idealerweise gleich nach dem Aufstehen. Dann ist die Zunge noch nicht durch Speisen oder Getränke verfärbt. Fällt etwas auf, dann sollte dies am besten zunächst beim Hausarzt thematisiert werden.

Auch Pilzbefall möglich

Mitunter kann die Zunge auch von Pilzen befallen sein. Betroffen sind meist Menschen, deren Abwehr geschwächt ist. Auch während einer Antibiotika-Therapie treten manchmal Pilzerkrankungen auf. Behandeln lässt sich das mit Lutschtabletten. Auch bestimmte Mundspülungen, die in der Apotheke erhältlich sind, können helfen, wie Eßer erklärt.

Filippi empfiehlt, die Zunge regelmäßig zu reinigen: „Das geht am besten mit einer Zungenbürste und nicht mit einem Zungenschaber.“ Da sich die meisten Bakterien in der Mundhöhle auf der Zunge befinden, hilft eine Reinigung, Karies und Mundgeruch vorzubeugen. Die Zungenbürste sollte mit einer speziellen Paste oder der Zahnpasta verwendet werden. Gräber gibt einen weiteren Tipp für die Zungenreinigung: das Ölziehen. Dabei werden für eine Mundspülung je ein Teelöffel Kokos- und Sesamöl vermengt. „Das schont die Mundflora und hilft bei Entzündungen in der Mundhöhle.“

Quelle: n-tv.de

Quelle:

www.n-tv.de

Fußnoten:

  1. ^ Themen (www.n-tv.de)

WHO: Anti-Tabak-Maßnahmen erreichen 60 Prozent der Menschen – t-online.de

New York (dpa) – Werbe-Verbote, rauchfreie Zonen, hohe Steuern und Schockbilder: Mehr als 60 Prozent der Menschen weltweit werden einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge inzwischen durch Anti-Tabak-Maßnahmen erreicht. Das seien rund viermal so viele wie noch vor einem Jahrzehnt, hieß es in der am Mittwoch in New York vorgestellten Studie.

Nachrichten des Tages

Die Tabakindustrie behindere derartige Maßnahmen allerdings immer noch vielerorts, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Regierungen müssten sie trotzdem einführen. „Und sie müssen den illegalen Tabakhandel eindämmen, der die globale Tabak-Epidemie und ihre gesundheitlichen und wirtschaftlich-sozialen Konsequenzen verschlimmert.“ Jährlich würden weltweit sieben Millionen Menschen an den Folgen von Tabak-Konsum sterben. „Das ist so als ob man die gesamte Bevölkerung von Bulgarien oder Paraguay jedes Jahr auslöschen würde. Das ist inakzeptabel.“

Einer von zehn Toden weltweit sei eine Folge von Tabak-Konsum, sagte der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der sich mit seiner Stiftung schon länger gegen das Rauchen einsetzt. Aber: „Der Fortschritt, der weltweit gemacht wurde, und den dieser Bericht dokumentiert, zeigt, dass es für Länder möglich ist, das zu ändern.“

Am weitesten verbreitet sind dem Bericht zufolge drastische Warnhinweise mit abschreckenden Bildern auf Zigaretten-Packungen – fast die Hälfte der Menschen weltweit wird damit erreicht. Nur rund 15 Prozent der Menschen weltweit leben dagegen in Gebieten, die von Werbeverboten für die Tabak-Industrie abgedeckt werden.

Ärmere Länder hätten zuletzt große Fortschritte bei der Einführung von Anti-Tabak-Maßnahmen gemacht, während es in einigen reicheren Ländern an „politischem Willen“ fehle, sagte Douglas Bettcher von der WHO bei einer Pressekonferenz in New York. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Entwicklungsländer, die das Rauchen am Arbeitsplatz komplett verboten hätten, von 4 auf 39 gestiegen. 44 neue Entwicklungsländer führten in diesem Zeitraum drastische Warnhinweise auf Zigarettenpackungen ein und 24 verhängten Werbeverbote.

Unter den reicheren Ländern lobte Bettcher vor allem Großbritannien, Australien und Neuseeland. In den USA hingegen gebe es keine drastischen Warnhinweise auf Zigarettenpackungen und Deutschland sei nur eines von zwei EU-Ländern, in dem es kein komplettes Werbeverbot gebe.

Über Gesundheit aufklären – im treffenden Ton – Deutschlandfunk

Suchtvorbeugung, Alkoholprävention, Impfungen: Seit 50 Jahren macht die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Werbung für ein gesundes Leben – ohne erhobenen Zeigefinger. Offen und unverkrampft klärte sie etwa in den 1980er-Jahren über AIDS auf.

Von Martin Winkelheide

Die Kampagne „Gib AIDS keine Chance“ hat die BZgA bundesweit bekannt gemacht. (dpa / picture alliance / Peter Endig)

„Tina, was kosten die Kondome? 3,99. Nein 2,99 – die sind im Sonderangebot! Kondome schützen.“ – „Gib AIDS keine Chance“. Diese Kampagne hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die BZgA, bundesweit bekannt gemacht.

„HIV/AIDS und die 80er-Jahre stellen in der Tat einen Wendepunkt und auch einen besonderen Meilenstein in der Arbeit der BZgA dar.“ Dabei ist AIDS nur eines von vielen Themen, um die sich die Bundeszentrale kümmert, sagt ihre Leiterin Heidrun Thaiss: „Wir haben einige Aufgaben, die wir auf gesetzlicher Grundlage durchführen. Dazu gehört zum Beispiel die Organspende, dazu gehört das Schwangerschaftskonfliktgesetz, Familienplanung, Sexualaufklärung …“

Außerdem: Suchtvorbeugung, Förderung des Nichtrauchens, Alkoholprävention, Blutspende, Impfungen, Ernährung, Bewegung, Stressregulation.

Früher: Gesundheitswissen mit erhobenem Zeigefinger 

Aufklärung über Gesundheitsgefahren und ein gesundes Leben hat eine lange Tradition in Deutschland. 1912 wurde dazu das Hygiene-Museum in Dresden gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands hat die junge Bundesrepublik 1949 diese Tradition wieder aufgenommen mit der Gründung des Deutschen Gesundheits-Museums, des „Zentralinstituts für Gesundheitserziehung“ in Köln.

Heidrun Thaiss: „Man ist damals davon ausgegangen, dass man Menschen motivieren kann zu einer gesünderen Lebensführung, indem man ihnen biologische Vorgänge nahebringt.“

„Halt! Sie wollen doch nicht etwa die schmutzigen Sachen wieder auf Ihren sauberen Körper anziehen? – Wieso schmutzig? – Frau Peters, geben Sie Ihrem Mann doch schnell mal ein frisches Hemd! Damit er es in Zukunft nicht vergisst, legen Sie immer gleich ein neues heraus.“ – „Sauberkeit heißt Krankheiten vorbeugen. Und vorbeugen ist besser als heilen müssen.“

Heidrun Thaiss: „Was macht Dich krank? Und dann hat man dieses Gesundheitswissen vermittelt und das Ganze dann auch noch mit dem erhobenen Zeigefinger.“

Am 20. Juli 1967 ging aus dem Zentralinstitut für Gesundheitserziehung die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervor. Heidrun Thaiss: „Viele dieser Themen, die damals relevant waren, begleiten uns auch heute noch.“ Neu aber war der Ton, wie über Gesundheit geredet wird. Über Verhütung und über Gesundheitsrisiken.

„Mir stinkt es so langsam. Denn mein Vater, der raucht immer mehr und immer mehr. Und auf einmal wird er wahrscheinlich sterben.“ – „Ein Schlückchen in Ehren kann niemand verwehren. Prösterchen.“ – „Da fällt mir ein, ich hätt gerne noch Präservative. – Ja, da kann ich Ihnen diese empfehlen, elektronisch geprüft.“

Aufklärungskampagne über AIDS

„Eine Reihe geheimnisvoller, nicht selten tödlicher Krankheiten sucht Amerikas Homosexuelle heim. Jetzt wurden die ersten Fälle in Europa beobachtet.“

Juni 1982. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete über eine neue Krankheit. In Boulevardblättern war bald von der „Lustseuche“ die Rede, die AIDS-Angst wurde geschürt. Es entbrannte eine politische Debatte: Dürfen Menschen zu einem AIDS-Test gezwungen werden? Wie soll der Staat mit Infizierten umgehen? Was ist das geeignete Konzept, eine Ausbreitung von AIDS zu verhindern?

„Und schließlich konnte sich eben die damalige Gesundheitsministerin Rita Süssmuth durchsetzen mit ihrer Vorstellung davon, dass es eine soziale Lernstrategie, die auf Aufklärung und Information basiert, in Deutschland geben sollte.“ Elisabeth Pott, damals Direktorin der BZgA, startete 1987 die erste Aufklärungskampagne im Fernsehen.

„So wie mit einer Grippe kann man sich mit AIDS nicht infizieren. Da kann man auch mal angeniest – oder angefasst werden, da kann man auch mal ne Tasse vertauschen, das macht nichts.“

Elisabeth Pott: „Die ersten zehn Spots zum Beispiel waren ganz klar dem Ziel gewidmet, darzustellen, wie überträgt sich HIV, (…) wo braucht man keine Angst zu haben, um eben auch einen Beitrag zu leisten zur Versachlichung der Diskussion über das Thema.“ 

Aus „Gib AIDS kein Chance“ ist inzwischen die Kampagne „Liebesleben“ geworden. Weil auch andere sexuell übertragbare Krankheiten ein zunehmendes Problem darstellen. Die Botschaft, so Heidrun Thaiss, ist einfach: „Also, wenn‘ juckt oder brennt, (…) dann geh zum Arzt und lass nachgucken, und da gibt es Möglichkeiten sowohl der Diagnostik als auch der Therapie.“

Eines hat sich seit der Gründung der BZgA nicht geändert: Die Informationen sind unparteilich, unabhängig und berücksichtigen den aktuellen Stand der Wissenschaft.   

Gesundheit: Problem Pflegeheim-Suche: Reform des Pflege-TÜV verzögert – FOCUS Online

Wie findet man das passende Pflegeheim? Eigentlich soll der Pflege-TÜV helfen. Doch die Noten gelten als überhaupt nicht aussagekräftig. Nun wird eine neue Online-Suche gefordert.

Jeder zweite Bundesbürger fürchtet, im Alter nicht das passende Pflegeheim zu finden. Das ist das Ergebnis einer in Berlin[1] vorgestellten Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

„Das ist nach zehn Jahren Pflege-TÜV[2] ein besorgniserregender Befund“, sagte der Gesundheitsexperte der Stiftung, Stefan Etgeton, in Berlin.

Seit Jahren wird hinter den Kulissen des Gesundheitswesens um eine Reform des Pflege-TÜV mit seinen Noten für die Heime gerungen. Doch vor Mitte nächsten Jahres sollen laut den Pflegekassen keine offiziellen Vorschläge dafür vorliegen. Die Bertelsmann Stiftung forderte eine benutzerfreundliche, aussagekräftige Online-Heimsuche.

Kritiker werfen dem Pflege-TÜV seit Jahren vor, die Unterschiede der Heime nicht aussagekräftig genug abzubilden. Etgeton sagte: „Heute finden Pflegebedürftige und ihre Angehörigen auf viele Fragen keine Antworten, wenn sie etwa ein Heim suchen.“ Laut der neuen Umfrage sehen 55 Prozent der Deutschen starke Qualitätsunterschiede zwischen den Heimen. Bei Menschen, die bereits einmal ein Pflegeheim gesucht haben, sind es sogar 66 Prozent.

Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach, mahnte Heimbetreiber und Kassen zur Eile. „Die Selbstverwaltung der Pflegeverbände sollte ihren gesetzlichen Auftrag für den neuen Pflege-TÜV sehr ernst nehmen und diesen zügig umsetzen“, sagte die CDU[3]-Politikerin der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstag). Die Bundesregierung werde nicht zulassen, dass der neue Pflege-TÜV „ein Rohrkrepierer“ werde.

„Die Reform des Pflege-TÜV ist dringend nötig und überfällig“, betonte auch Etgeton. Bereits Anfang 2014 wurde das Benotungssystem verschärft – doch weiterhin standen als zu gut empfundene Testergebnisse in der öffentlichen Kritik. Deshalb gab der Gesetzgeber den Betreibern und Krankenkassen im Jahr darauf auf, ein neues Heim-Bewertungsverfahren als Ersatz für die bisherigen Pflegenoten zu entwickeln. Für die Heime sollten bis Ende vergangenen März Ergebnisse vorliegen, anhand derer neue Prüfungsinstrumente entwickelt werden sollten.

Doch die Frist wurde nicht eingehalten. Heimbetreiber und Kassen bildeten ein neues Gremium, einen Qualitätsausschuss. Es folgte eine europaweite Ausschreibung für das Reformprojekt. Wissenschaftler arbeiteten nun seit einem halben Jahr an einer neuen Grundlage für eine bessere Qualitätsmessung und Qualitätsdarstellung, sagte Gernot Kiefer vom Vorstand des Spitzenverbands der gesetzlichen Kassen der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir rechnen damit, dass deren Ergebnisse im Sommer 2018 vorliegen“, so Kiefer. Dann werde umgehend mit der Umsetzung begonnen. „Die Umfrage der Bertelsmann Stiftung hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wichtig das Thema Pflegequalität und Transparenz ist.“

Heute sei beim Pflege-TÜV völlig unterbelichtet, wie die Lebensqualität in einem Heim sei, sagte Etgeton. „Ob man ein Haustier mitnehmen kann, einen Garten nutzen oder ob es religiöse Angebote gibt, wird heute gar nicht systematisch erhoben.“ Auch wieviele Bewohner eine Pflegekraft betreuen müsse, bleibe den Betroffenen bei der Heimsuche verborgen.

Die Stiftung und ihr Internetportal „Weisse Liste“, das Qualitätsunterschiede im Gesundheitswesen aufzeigen will, schlugen einen neuen Pflege-TÜV vor. Darin sollten Informationen zur Pflegequalität, zum Personaleinsatz in einem Heim und Angaben zu für die Lebensqualität wichtigen Merkmalen eines Heims online abrufbar sein.

Quelle:

www.focus.de

Fußnoten:

  1. ^ Mehr zu Berlin (www.focus.de)
  2. ^ Mehr zu TÜV (www.focus.de)
  3. ^ Mehr zu die CDU (www.focus.de)