Chat-Protokoll: Inkontinenz nach Prostata-OP – NDR.de

Stand: 22.03.2017 13:09 Uhr

Während vor allem Frauen mit zunehmendem Alter häufig mit Blasenschwäche[1] kämpfen, ist Inkontinenz bei Männern eine gefürchtete Nebenwirkung einer Prostata-OP. Wenn wegen einer Krebserkrankung die Prostata entfernt werden muss, kann etwa jeder zweite Betroffene danach den Urin nicht mehr halten.

Der Urologe Prof. Dr. Axel Merseburger, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, hat Zuschauerfragen zum Thema im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Hartmut K: Welche operativen Möglichkeiten gibt es, den Schließmuskel wirksam zu ersetzen und welche Kliniken sind empfehlenswert? Weitere Frage zu den Inkontinenzvorlagen: Welche Verbesserungen sind vom Gesetzgeber vorgesehen (neues Gesetz)?

Prof. Dr. Axel Merseburger: Ein Schließmuskelersatz beziehungsweise komplett ein kaputter Schließmuskel sollte durch einen künstlichen Schließmuskel (AMS-System) behandelt werden. Kliniken: Fragen Sie Ihren Urologen des Vertrauens oder schauen Sie auf die Homepage der Deutschen Kontinenz Gesellschaft[2]. Zertifizierte Zentren sind zu empfehlen.

eckardt: Nach einer radikalen Prostataentfernung im November 2016 war ich zunächst kontinent, nach einer infizierten Lymphozele Anfang Januar 2017 bin ich zwar immer noch fast kontinent, kann aber beim Wasserlassen nur langsam, fast tröpfchenweise, Urin abgeben.

Merseburger: Hier sollte eine zeitnahe Untersuchung beim Urologen durchgeführt werden, wie hoch ist der Restharn? Dann sollte gegebenenfalls die weitere Therapie folgen.

Manfred: Im Oktober 2013 hatte ich eine radikale Prostatektomie. Danach inkontinent, unbemerkter Harnverlust. Zwei Pants, vier bis fünf Vorlagen täglich. Beckenbodentraining und Elektrostimulation habe ich neun Monate lang gemacht. Zwischendurch etwas Erfolg, jetzt nicht mehr. Mein Urologe sagt jetzt, die einzige Möglichkeit sei AMS 800. Ist das die einzige Möglichkeit? Was geht sonst noch?

Merseburger: AMS 800 ist eine gute Möglichkeit. Es gibt aber auch noch Alternativen, wenn ein Teil des Schließmuskels noch funktioniert. Zum Beispiel Bänder und Kissen[3].

Baldo 99: Wie lange (Monate, Jahre) soll (muss) man Spannungsübungen und/oder Beckenbodengymnastik gegen Inkontinenz durchführen, um einigermaßen „dicht“ zu sein?

Merseburger: Mindestens sechs Monate konservative Therapie, dann können operative Optionen besprochen werden.

Rudolf: Wegen der Inkontinenz nach radikaler Prostata-OP in 2005 ließ ich mir in 2009 eine „Advance Male Sling“ implantieren, deren angänglich gute Wirkung mittlerweile nachlässt. Ist sie ein Hindernis für die Implantation eines künstlichen Schließmuskels? Welche Aussage über die Langzeitwirkung eines künstlichen Schließmuskels kann man heute treffen? Vor wenigen Jahren noch wurde von einer relativ hohen Komplikationsrate gesprochen.

Merseburger: Komplizierter Sachverhalt. Das lässt sich nur im persönlichen Gespräch mit Ihrem Facharzt klären. Kurze Antwort: Ein künstlicher Schließmuskel ist weiterhin möglich.

Unbekannt: Ich bin 2006 operiert worden und jetzt 76 Jahre alt, sehr sportlich. Nach OP starke Inkontinenz. Erhebliche Verbesserung, aber nicht vollständige Beseitigung durch zweijähriges Beckenbodentraining. Operative Option: Bändchen (kein Sphinkter). Frage 1: Weitere entscheidende Verbesserung durch BB-Training denkbar? Frage 2: Inkontinenz im Tagesverlauf zunehmend. Am schlechtesten am späten Abend, bei vollen Enddarm – und am schlechtesten bei entsprechender Kombination – welchen Zustand muss ich für die Bändchen-OP dokumentieren?

Merseburger: Glückwunsch zum zweijährigen Beckenbodentraining. Vermutlich ist dadurch jetzt keine Verbesserung mehr möglich. Ich empfehle eine erneute aktuelle urologische Untersuchung, gegebenenfalls ein adjustierbares Band, wie im Beitrag[4] zu sehen ist.

hf: Mein Mann ist seit einer Prostataentfernung vor vier Jahren inkontinent. Trotz Beckenbodentraining keine Besserung. Können wir jetzt noch etwas machen oder ist es dafür zu spät?

Merseburger: Es ist nie zu spät, eine Inkontinenz zu behandeln. Eine Verbesserung der Situation ist meist zu erwarten, egal wie alt der Patient ist und wie lange die Operation her ist.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 21.03.2017 | 20:15 Uhr

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Quelle:

www.ndr.de

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