Untersuchung bremst Darmkrebs aus – Mittelbayerische

Gesundheit

Experten gaben in Bad Kötzting viele Tipps – und Landrat Löffler wünscht sich Vertrauen in die fortschrittliche Behandlung.

Von Alois Dachs

31. März 2017

07:52 Uhr

Dr. Martin Schloßbauer vor dem Schaubild des Darmbereichs mit dem Gerät für eine Darmspiegelung Foto: Dachs

Bad Kötzting.Darmkrebs tut nicht weh – aber er ist in vielen Fällen eine tödliche Gefahr. Das machten
der Internist Dr. Martin Schloßbauer, der Viszeralchirurg und leitende Chefarzt der
Sana-Kliniken im Landkreis Cham, Dr. Florian Stadler, am Mittwoch bei einer Vortragsreihe
zur Darmkrebsvorsorge im Sinocur Bad Kötzting deutlich. Im Zusammenhang mit dieser
Krankheit, deren Entstehung durch eine Darmspiegelung problemlos erkennbar ist, galt
auch der Appell von Landrat Franz Löffler allen Bürgern, die Möglichkeiten der Früherkennung
zu nutzen und sich selbst vor einem schwerwiegenden Krankheitsverlauf zu schützen.

Die „Gesundheitsregion Plus“ im Landkreis Cham verfolgt laut Landrat Löffler einerseits
das Ziel, eine möglichst optimale Gesundheitsversorgung der Bürger sicherzustellen,
andererseits aber auch mit einer wichtigen Gesundheitsvorsorge sich selbst zu schützen.

Die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen – speziell die Darmspiegelung bei erfahrenen
Internisten – sieht Landrat Franz Löffler als wichtige gesundheitliche Vorbeugung
gegen die Krankheit. Foto: Dachs

Diesem Zweck dienten auch die mittlerweile 13 Gesundheitsbotschafter im Landkreis,
die weitgehend ehrenamtlich, aber professionell ausgebildet ihre Mitmenschen beraten.
Das Sinocur und das Bad Kötztinger Lebensstilprogramm seien maßgeschneidert für diese
Gesundheitsvorsorge, die im Zusammenhang mit dem Thema Darmkrebs wirklich überlebenswichtig
sein könne.

Schneller als die Krankheit

„Beim Darmkrebs können wir einen Schritt schneller sein, als die Krankheit“, erklärte
der Internist Dr. Martin Schloßbauer. Wenn es nämlich gelinge, Polypen und gutartige
Tumore im Dick- oder Enddarm bereits bei der Darmspiegelung zu entfernen, sei auch
das Risiko für Darmkrebs weitgehend gebannt, machte Dr. Schloßbauer deutlich. Ab dem
50. Lebensjahr sollte die Darmkrebsvorsorge bei Männern und Frauen „Standard“ sein,
tatsächlich nutze aber gerade in Ostbayern, wo statistisch gesehen die meisten Krebsfälle
auftreten, nur ein kleiner Teil der Patienten diese Möglichkeit, bedauerte der Internist.

Vorbeugung und Untersuchung

  • Darmspiegelung

    Die Darmspiegelung ist weltweit als sicherste und effizienteste Untersuchung anerkannt,
    um Darmkrebs schon im Vor- oder Frühstadium zu erkennen.

  • Kosten

    Darmkrebsbehandlungen sind aufwendig und teuer. Nach Operationen sind oft mehrere
    Krankenhausaufenthalte und Reha-Maßnahmen nötig.

  • Schmerzlos

    Für die Patienten sind Darmspiegelungen und die gleichzeitig mögliche Entnahme von
    Polypen oder kleinen Karzinomen von der Darmwand schmerzlos.

  • Lachgas

    Örtliche Betäubung hilft dabei. Mittlerweile wird Lachgas eingesetzt, so dass Patienten
    sogar nach der Darmspiegelung wieder selbst heimfahren können.

  • Ernährung

    Zur Vorbeugung gegen eine Darmkrebserkrankung dient eine ballaststoffreiche Ernährung
    mit vielen Vollkornprodukten, sagt Melanie Rauscher. (kad)

Der Internist Dr. Martin Schloßbauer hat schon viele Darmspiegelungen gemacht und
Vorträge darüber gehalten. Unverständlich ist ihm, warum viele Patienten mit dem Risiko
leben, statt vorzusorgen. Foto: Dachs

„Sie haben keine Chance ein Dickdarmkarzinom selbst zu erkennen“, sagte Dr. Schloßbauer,
denn im Dickdarm empfinde der Mensch keine Schmerzen und selbst große Karzinome würden
keineswegs zwangsläufig zu Blut im Stuhl führen, wie viele Menschen glauben. Wer glaubt,
er müsse erst zur Vorsorgeuntersuchung gehen „wenn was fehlt“, unterliege einem tragischen
Irrtum: „Der geht aus der Welt!“. Wenn aber bei der Darmspiegelung ein bösartiger
Tumor entdeckt und beseitigt werde, habe der Patient eine Heilungschance von 90 Prozent.
Die Todesrate bei Darmkrebs wäre ebenfalls um 90 Prozent reduzierbar, „wenn alle zur
Vorsorge gehen würden“.

Der Darm muss entleert sein

Diplom-Ökotrophologin Melanie Rauscher empfiehlt ballaststoffreiche Ernährung als
wichtig Vorbeugung gegen das Darmkrebsrisiko. Vor allem Cellulose aus Vollkornprodukten
sei wichtig für den Darm. Foto: Dachs

Die Abführung sei Grundvoraussetzung, um den Dickdarm und den rund 16 Zentimeter langen
Enddarm endoskopisch, mit dem Koloskop, genau untersuchen zu können. Dr. Schloßbauer
erläutert, wie bei der Untersuchung Polypen und kleinere Karzinome entfernt und für
eine pathologische Untersuchung herausgeholt werden. Polypen seien „Zeitbomben im
Darm“, denn aus ihnen entwickeln sich Krebszellen.

Sind Polypen oder Karzinome für eine Entfernung bei der Untersuchung schon zu groß,
ist der Chirurg gefordert. „Jede siebte Krebserkrankung in Deutschland ist Darmkrebs“,
sagte der Chirurg und ärztliche Direktor der Sana-Kliniken im Landkreis Cham, Dr.
Florian Stadler. Mehrfache Krankenhausaufenthalte seien bei dieser Krankheit üblich.
Dagegen stehe die Erfahrung: „Bei frühzeitiger Diagnose ist Darmkrebs zu 100 Prozent
heilbar“, sagte Dr. Stadler.

„Bei frühzeitiger Diagnose ist Darmkrebs zu 100 Prozent heilbar.“

Dr. Florian Stadler

Die Vorstufe bis zum Ausbruch von Darmkrebs dauere oft zehn bis 15 Jahre, erklärte
der Mediziner. In fünf bis acht Prozent der Fälle sei die Krankheit erblich. Wer in
der Familie Darmkrebsfälle hatte, sollte schon deutlich vor dem 50. Lebensjahr zur
Vorsorgeuntersuchung gehen. Weitere Risikofaktoren seien chronische, entzündliche
Darmerkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Bewegungsmangel, stark fetthaltige Ernährung
und viel rotes Fleisch , Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum.

Der ärztliche Direktor der Sana-Kliniken hat als Viszeralchirurg viel Erfahrung mit
Krebsoperationen. Vor allem Mastdarmkrebs stelle die Operateure oft vor Herausforderungen,
sagt Dr. Stadler. Foto: Dachs

Dr. Florian Stadler beschrieb die verschiedenen Operationsmethoden bei Darmkrebs.
Während bei Dickdarmkrebs in der Regel eine Chemotherapie nach der Operation begonnen
wird, sei beim Mastdarmkrebs die Radiochemotherapie meist vor der Operation erforderlich,
um ein Wiederauftreten der Krebserkrankung zu verhindern. Durchschnittlich würden
bei Krebsoperationen 25 bis 30 Zentimeter Darm entfernt. Die sogenannte minimalinvasive
Operation über kleine Schnitte in der Bauchdecke, die sogenannte „Schlüssellochchirurgie“,
sei nicht in allen Fällen möglich. Operationen am Enddarm seien meist viel schwieriger,
als am Dickdarm.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.[1]

Weitere Meldungen aus Bad Kötzting finden Sie hier[2].


Fußnoten:

  1. ^ Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham. (www.mittelbayerische.de)
  2. ^ hier (www.mittelbayerische.de)
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