Start der Marathon-Saison – Ab Kilometer 20 wird es gefährlich – Süddeutsche.de

Lang, länger, zu lang: Für einen Marathon braucht es beachtliche Fitness. Sonst kann der Ausdauersport sogar lebensgefährlich werden.

Von Werner Bartens

Am Sonntag werden es 30 000 Menschen in Berlin ziemlich eilig haben. Um zehn Uhr fällt der Startschuss zu Deutschlands größtem Halbmarathon. Wer will, findet an jedem Wochenende einen Lauf, meistens sogar über die volle Distanz von 42,195 Kilometern, darunter Veranstaltungen wie den Ueckermünder Haffmarathon, den Kyffhäuser-Berg-Marathon oder auch den Tangermünder Elbdeichmarathon, die alle Anfang April stattfinden. Zwar begrüßen Ärzte den Bewegungsdrang einer träge gewordenen Bevölkerung, doch zunehmend sind auch kritische Stimmen zu hören.

„Insgesamt ist Laufsport aus gesundheitlicher Sicht äußerst positiv zu sehen. Ein Marathon[1] stellt aber eine besondere körperliche Belastung dar und erfordert ein entsprechend gutes Niveau“, sagt Bernd Wolfarth, Chef der Sportmedizin an der Charité in Berlin. „Bei unpassender Vorbereitung und schlechtem Trainingszustand erhöhen sich Gefahren für die Gesundheit deutlich. Kommt es zu einer Überbelastung, können Organe wie Herz und Nieren geschädigt werden.“ Vor intensiven Belastungen empfehlen sich eine Sporttauglichkeitsuntersuchung und ein gezieltes und ausreichendes Training.

Manche Marathonläufer wiegen nach dem Lauf mehr als vorher

„Bewegung ist ohne Zweifel wohltuend und gesund, aber wie so oft macht die Dosis das Gift“, sagt Martin Halle, Chef der Sportmedizin an der TU München. „Es hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit, zehn Kilometer laufen zu können, aber darüber hinaus steigen die Gefahren an – und zwar ungefähr ab Kilometer 20.“ Dass Ausdauerläufer zu wenig trinken, ist heute kaum noch ein Problem.

Lauf-Launen[2]

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Eher droht Überwässerung. Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Kalzium werden im Blut so stark verdünnt, dass eine lebensgefährliche Anschwellung des Gehirns und Herzrhythmusstörungen die Folge sein können. Manche Läufer nehmen so viel Flüssigkeit zu sich, dass sie nach dem Marathon trotz Schweißverlust mehr wiegen als vorher.

Wer die Belastung nur langsam steigert, ist kaum gefährdet

„Die seltenen Fälle von plötzlichem Herztod treten beim Marathon besonders zwischen Kilometer 30 und 42 auf“, sagt Halle. „Wir finden Hinweise auf Zellschädigungen und abgestorbenes Gewebe in Herz und Nieren.“ Gerade wenn Freizeitsportler auf die lange Strecke gehen und nicht ausreichend trainiert sind, droht Gefahr. Wer hingegen lange geübt hat und die Belastung nur langsam steigert, ist kaum gefährdet. Schließlich überleben ja Hunderttausende jedes Jahr die längste olympische Ausdauerdistanz.

Aktuell warnen Mediziner, dass beim Marathon die Niere in Mitleidenschaft gezogen wird. Ärzte aus Yale haben beobachtet, dass bei Marathonläufern jene Werte in Blut und Urin ansteigen, die auf eine gestörte Nierenfunktion hinweisen. Auch Zellschäden treten am Organ auf – alles Kriterien für ein akutes Nierenversagen. „Die Niere antwortet auf den Stress eines Marathons, als ob sie verletzt ist“, sagt der Internist Chirag Parikh. Zwar normalisieren sich die Werte zwei Tage nach dem Lauf wieder, aber Ärzte befürchten, dass die Schäden bei wiederholten Belastungen chronisch werden.

Wer nun, nach einem langen Winter, die legendären 42,195 Kilometer absolvieren will, sollte sich deshalb fragen, ob die Fitness[4] ausreicht – bevor er selbst auf der Strecke bleibt.

Fitness Todesursache: Wassertrinken

Todesursache: Wassertrinken[5]

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