Meniskus: Kniespiegelung oft überflüssig – NDR.de

Stand: 18.04.2017 10:39 Uhr

Die Kniespiegelung (Arthroskopie) gehörte lange zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Sie soll bei Arthrose[1] und Meniskusschäden[2] Schmerzen lindern und die Beweglichkeit im Gelenk wiederherstellen. Weil ein medizinischer Nutzen der Arthroskopie bei Arthrose wissenschaftlich nicht belegt ist, wird sie seit einem Jahr nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Auch der minimalinvasive Eingriff am Meniskus ist in vielen Fällen nicht nur nutzlos, sondern riskant: Wertvoller Knorpel geht verloren und es drohen Komplikationen wie Infektionen, Thrombosen oder Embolien.

Meniskusriss: Abwarten statt operieren

Die Menisken sind zwei halbmondförmige Knorpelscheiben im Kniegelenk. Sie wirken bei Belastungen des Kniegelenks als Puffer und schützen es dadurch vor Verschleiß. Durch abrupte Bewegungen, etwa beim Sport, kann ein Meniskus einreißen. Verklemmt sich die eingerissene Knorpelscheibe im Gelenk, hilft nur eine Operation. Doch in vielen Fällen ist die Lage nicht so dramatisch: Betroffene können sechs Wochen warten und beobachten, wie sie mit den Schmerzen zurechtkommen. Vor allem ältere und sportlich wenig aktive Menschen können in vielen Fällen gut mit einem Meniskusriss leben.

Vor Kniespiegelung zweite Meinung einholen

Bei der Arthroskopie schaut der Arzt durch ein Endoskop mit einer kleiner Kamera in das Gelenk. Über einen Arbeitskanal kann er herumschwebende Gewebeanteile herausholen, einen zerrissenen Meniskus wieder zusammennähen oder zerfaserte Oberflächen glätten. Trotz der Operationsrisiken raten nicht wenige Ärzte noch immer zur Arthroskopie. Experten erklären das damit, dass der schnelle Eingriff für den Operateur relativ komplikationsarm und lukrativ ist. Zudem kommen viele Patienten mit der Erwartungshaltung in die Praxis, schnell wieder fit zu sein, und haben das Gefühl, die Arthroskopie könne dazu beitragen. Sobald ein Arzt sagt, er könne ohne Operation die Ursache der Kniebeschwerden nicht feststellen, sollten Betroffene sich eine zweite Meinung einholen.

Muskelaufbau stabilisiert das Knie

Ab einem Alter von 35 bis 40 Jahren spielt der Gelenkverschleiß eine entscheidende Rolle bei der Bewertung eines Meniskusrisses. Je weiter eine Arthrose fortgeschritten ist, umso weniger sinnvoll ist eine Kniespiegelung. Vor allem ältere Betroffene profitieren eher von einer Kombination aus schmerzlindernden Spritzen und Muskelaufbau. Mit dem richtigen Krafttraining wachsen Muskeln auch in hohem Alter. Geeignete Übungen sind zum Beispiel Kniebeugen mit Gewichten auf den Schultern. Je kräftiger die Muskeln an Ober- und Unterschenkel werden, desto mehr entlasten und stabilisieren sie das Knie, und die Schmerzen verschwinden.

Weitere Informationen

Montage aus Erste-Hilfe-Koffer und Radio © fotolia.com Fotograf: frank peters, Artem Shcherbakov

03:27 min

18.04.2017 09:20 Uhr

NDR Info

Kniespiegelungen sind ein beliebter Eingriff. Aber sie sind oft überflüssig, sagen Orthopäden, besonders bei Arthrose-Patienten. Besser sei gezieltes Krafttraining. Audio (03:27 min)[3]

Dr. med. Jens D. Agneskirchner, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie © Dr. med. Jens D. Agneskirchner

In welchen Fällen ist eine Arthroskopie sinnvoll und wann ist eine Knorpel-Transplantation ratsam? Diese und weitere Fragen hat Dr. Jens Agneskirchner am 18. Juni 2013 im Chat beantwortet. mehr[4]

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.04.2017 | 20:15 Uhr

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Quelle:

www.ndr.de

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