„Ein Dorf sieht schwarz“ Kinostart: 20.4.: Zu viele Klischees für eine Komödie | Kultur Info | SWR2

Tatsächlich hat es jenen Dorfarzt aus Zaire, dem heutigen Kongo, gegeben. 1974 kam er mit seiner Frau und den beiden Kindern in ein Dorf in der französischen Provinz – auf Wunsch des Bürgermeisters, der verzweifelt nach einem Landarzt gesucht hatte. Die Culture-Clash-Komödie beruht auf den Kindheitserinnerungen des französischen Rappers Kamini. Der Anfang erinnert an „Willkommen bei den Sch’tiis“. Wenn es hier regnet, dann schüttet es, die Gassen sind eng, die Häuser grau, die Dorfbewohner grantig und selbst die Kühe blicken miesepetrig.

Seyolo und seine Familie leben in einem alten Haus, weder die Heizung funktioniert, noch der bereitgestellte Wagen. Im Wartezimmer herrscht gähnende Leere, die Bauern – Dösköppe wie sie hier heißen, vertrauen dem pechschwarzen Arzt nicht.

Viel Klamotte, viel Klamauk, viele Klischees: Wenn die afrikanische Verwandtschaft im Dorf anrollt, wird auf den Straßen bei Wind und Wetter getanzt. Alle tragen großgemusterte Kleider, wedeln mit den Armen in der Luft, rollen mit den Augen. Und Seyolos Tanten und Onkel verwandeln einen weihnachtlichen Gottesdienst in eine klatschend kreischende Gospelveranstaltung.

Die Dorfbewohner kommen nicht besser weg: Die nuschelnden Hinterwäldler trinken ständig Schnaps, und leiden an Dummheit, Filzläusen und Hämorrhoiden. Erst nach einer Hausgeburt, bei der Seyolo einer ihn ständig verfluchenden Bäuerin hilft, ist sein Wartezimmer voll. Doch der politische Widersacher des Bürgermeisters hat eine Intrige gegen den Arzt ausgeheckt – der sich natürlich wehrt.

Unübersehbar die Verweise auf tatsächliche Geschehen in Frankreich heute. Die Realität wird genregemäß überzuckert, doch so recht schmecken die Süßigkeiten diesmal nicht. Allzu anekdotenhaft die Struktur und allzu eilig erzählt wird die Verwandlung von fremdenfeindlichen Bauern in freundliche Mitmenschen. Aber dennoch führt der Film seine Hauptfiguren nicht vor, um lustige Effekte zu erzielen.

Wie alle anderen erfolgreichen französischen Komödien beruht auch „Ein Dorf sieht schwarz“ auf einem Humanismus à la Rousseau, verweist auf das Gute im Menschen, auf Fairness und Mitmenschlichkeit. Zwar haben die Menschen Fehler, doch auch die stursten Dösköppe können sie einsehen und einander eine Chance geben.

Quelle:

www.swr.de

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