Inkontinenz – Ärzte wollen in Worms Patienten mit neuem Beckenbodenzentrum … – Wormser Zeitung

Von Martina Wirthwein

WORMS – Bundesweit leiden etwa neun Millionen Menschen an nicht steuerbarem Harn- oder Stuhlabgang, vorrangig weibliche Patienten auch unter chronischer Verstopfung. Die Betroffenen blenden ihr Leid im Alltag oftmals aus, „denn es ist ein Thema, das nicht gerne offen kommuniziert wird“, wie Klinikum-Geschäftsführer Bernhard Büttner erläutert. „Es ist daher wichtig, diesen Menschen klar zu machen, dass sie damit nicht leben müssen. Dass es ganz viele Möglichkeiten gibt, wie ihnen geholfen werden kann.“

Immer wieder wird diese Feststellung betont im Verlauf eines Pressegesprächs, zu dem das Klinikum eingeladen hatte. Anlass war die Vorstellung des neuen Kontinenz- und Beckenbodenzentrums Rheinhessen und um Werbung zu betreiben für all die medizinischen Therapiemöglichkeiten, die den Patienten dadurch offen stehen. Man möchte vor allem jene Betroffene erreichen, die still leiden und sich verschämt Einlagen und Windeln für Erwachsene in den Einkaufswagen laden oder anonym übers Internet ordern. Doch was ist unter der Bezeichnung Beckenbodenzentrum Rheinhessen zu verstehen? Wem sich nun Bilder von Gymnastikgruppen vors Auge schieben, liegt nicht unbedingt richtig. Denn die Dimension ist eine ganz andere; eine viel größere und Mut machende. Zur optimalen Betreuung der Betroffenen haben sich vor drei Jahren die Abteilungen Allgemeinchirurgie, Urologie und Gynäkologie zusammen mit der Praxis für Urogynäkologie in Alzey im Beckenbodenzentrum Rheinhessen zusammengeschlossen. Warum sie das getan haben? Der Beckenboden bildet den muskulären Abschluss des Bauchraumes, in dem Blase, Prostata, weibliche Geschlechtsorgane und der Enddarm in sehr enger Beziehung zueinander liegen und deren Funktion oder Fehlfunktion sich gegenseitig beeinflussen. „Da häufig eine Kombination unterschiedlicher Probleme zu den Beschwerden führt, ist es wichtig mit dem Blick über den eigenen Tellerrand die richtigen Schritte zu veranlassen. Denn so wie die Probleme, die zu der Funktionsstörung führen, häufig unterschiedlicher Natur sind, hat auch die Behandlung eines urologischen, gynäkologischen oder darmchirurgischen Befundes Einfluss auf die anderen Bereiche“, erklären der Leiter des Beckenbodenzentrums, Dr. Markus Hirschburger, und der Koordinator des Beckenbodenzentrums, Georg Crayen.

Mehr Windeln für Erwachsene als für Säuglinge

Beide vertreten den Bereich Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie. Prof. Dr. Georg Hofmockel ist für die Urologie zuständig. Der Chefarzt machte deutlich, wie wichtig es ist herauszufinden, um welche Art der Blasenentleerungsstörung es sich handelt, von der übrigens im Vergleich zu den Männern zu 90 Prozent Frauen betroffen sind. „Es werden deutlich mehr Windeln für Erwachsene verkauft, als für Säuglinge – nur um die Dimension klar zu machen“, verdeutlichte Prof. Dr. Thomas Hitschold, Chefarzt der Gynäkologie. „Die Bemühungen um eine bessere Versorgung Betroffener wurden nun im letzten Jahr mit der Zertifizierung als Interdisziplinäres Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Rheinhessen honoriert. Diese Zertifizierung setzt ein hohes Maß an Kooperation und Spezialisierung voraus, wie sie nur selten gegeben ist“, ist man im Klinikum überzeugt.

Häufig steht nach ausführlicher Diagnostik zunächst die deutlich zur Verbesserung der Symtomatik beitragende konservative medikamentöse oder physiotherapeutische Therapie im Vordergrund. Erst wenn der Erfolg ausbleibe, werden auch operative Therapiemöglichkeiten in Betracht gezogen. Denn, so betonen die Fachärzte: „Unser Ziel ist es, dass unsere Patienten durch eine optimale Behandlung aller Disziplinen ihre Lebensqualität zurück bekommen und lange erhalten können.“

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