Studie: Auch niedriger Blutdruck kann Gesundheit gefährden – Augsburger Allgemeine

Patienten mit einem hohen Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sollen darauf achten, dass der Blutdruck nicht zu hoch steigt. Aber den Blutdruck möglichst weit zu senken, ist keine gute medizinische Empfehlung. Eine Studie, die Anfang April im Fachmagazin „The Lancet“[1] veröffentlicht wurde, weist auf die gesundheitlichen Risiken hin.

Niedriger Blutdruck als Gesundheitsrisiko

Die Forscher halten die bisherigen Blutdruck-Empfehlungen für gesundheitsgefährdend. Denn manche Menschen profitieren davon, den Blutdruck möglichst niedrig zu halten – für andere kann das gefährlich werden. Für ihre Studie nutzten die Forscher die Daten von fast 31.000 Patienten aus 40 Ländern, die 55 Jahre und älter waren und ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. 70 Prozent der Teilnehmer litten an Bluthochdruck und wurden medikamentös behandelt.

Über 56 Monate beobachteten die Wissenschaftler deren Blutdruckwerte[2] und analysierten, wie viele einen Herzinfarkt erlitten, wie viele wegen Herzversagen ins Krankenhaus eingeliefert wurden und wie viele starben.

Forscher: Zu niedriger Blutdruck erhöht Sterblichkeit um 28 Prozent

Das Ergebnis: Bei den Patienten, die einen systolischen Blutdruck unter 120 mmHg (Anmerkung: Einheit zur Messung des Druckes) erreichten, hatten ein 14 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme. Die Sterblichkeit stieg sogar um 28 Prozent an. Nur bei Patienten mit einen Blutdruck zwischen 120 und 140 mmHg hatte die Senkung des Blutdrucks positive Auswirkungen. Für die Forscher beweist das Ergebnis der Studie, dass ein möglichst niedriger Blutdruck nicht unbedingt das Ziel für Patienten mit hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen[3] sein sollte.

Auch frühere Studien haben bereits auf die Risiken von zu niedrigem Blutdruck hingewiesen. So wollen Forscher des Erasmus Medical Centre in den Niederlanden herausgefunden haben, dass ein plötzlich abfallender Blutdruck, wie zum Beispiel direkt nach dem Aufstehen durch Schwindel signalisiert, das Risiko für Demenz erhöht. Dieser plötzlich abfallende Blutdruck wird auch orthostatische Hypotonie genannt. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten die Forscher im Fachblatt „PLoS Medecine“[4].

Zusammenhang zwischen niedrigem Blutdruck und Demenz-Risiko

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch ein kurzzeitiger und minimaler Sauerstoffmangel, der im Zuge der orthostatischen Hypotonie entsteht, langfristig schädliche Auswirkungen auf unser Gehirn haben kann. Zwar betonen die Forscher, dass trotz der Studie keine unbedingte Kausalität zwischen dem plötzlich abfallenden Blutdruck und der Entstehung von Demenz entsteht. Dennoch beweise die Studie ein höheres Risiko für Demenz. ls

Lesen Sie auch:

Blutdruckwerte[5]

Koronare Herzkrankheit: Troponin soll bei der Früherkennung helfen[6]

Graue Schläfen als Infarktvorbote?[7] 

Fußnoten:

  1. ^ „The Lancet“ (www.thelancet.com)
  2. ^ Blutdruckwerte (www.augsburger-allgemeine.de)
  3. ^ Herz-Kreislauf-Erkrankungen (www.augsburger-allgemeine.de)
  4. ^ „PLoS Medecine“ (www.augsburger-allgemeine.de)
  5. ^ Bluthochdruck in Deutschland: Fast jeder Dritte ist betroffen (www.augsburger-allgemeine.de)
  6. ^ Koronare Herzkrankheit: Troponin soll bei der Früherkennung helfen (www.augsburger-allgemeine.de)
  7. ^ Graue Schläfen als Infarktvorbote? (www.augsburger-allgemeine.de)
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