Teure Medizin: Wer bestimmt, was Medikamente kosten – MDR

Normalerweise bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis einer Ware oder Dienstleistung. Bei den meisten Arzneimitteln ist das schon allein deshalb anders, weil Käufer und Verkäufer nicht direkt miteinander handeln. Zwischen den Patienten als Konsumenten und den Pharmaunternehmen als Produzenten stehen Krankenkassen, Ärzte und Apotheker. Alle Beteiligten haben Interessen, die in Einklang gebracht werden müssen. Zusätzlich greift die Politik ein. Denn Gesundheit ist Daseinsvorsorge. Der Staat möchte, dass die Bürger medizinisch optimal versorgt werden, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen.

Freier Markt bei rezeptfreien Medikamenten

Aufgrund dieser Interessen und der widersprüchlichen Zielsetzung ist die Preisbildung von Medikamenten eine komplizierte Angelegenheit. Klarheit bringt zunächst die Unterscheidung zwischen verschreibungspflichtigen und nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten. Bei Arzneimitteln, für die man kein Rezept benötigt, sind die Preise nämlich nicht festgelegt. Die Kosten werden auch nicht durch die gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Die Apotheker entscheiden selbst, wie viel sie für solche Präparate kassieren wollen. Es wirken also weitgehend die Kräfte eines freien Marktes.

Entscheidend: Original oder Generika?

Die nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel machen laut Apothekerverband jedoch nur 15 Prozent des Umsatzes aus.

Beim weit überwiegenden Teil der Medikamente, die zwischen Lutschpastillen und Wärmepflastern über die Theke gehen, handelt es sich um rezeptpflichtige Arzneimittel. Hier muss die nächste Unterscheidung her, und zwar zwischen Originalpräparaten und nachgeahmten Präparaten, sogenannten Generika.

Bei Generika ist die Preisbildung vergleichsweise einfach. Die Krankenkassen bestimmen einen Festbetrag, den sie für Arzneimittel mit einem bestimmten Wirkstoff zu zahlen bereit sind. Sie können das tun, weil es meist eine ganze Reihe von Präparaten von konkurrierenden Herstellern gibt.

Kostensenkungen angestrebt

Für Patienten interessant: Wenn ein Pharmaunternehmen ein solches nachgeahmtes Medikament 30 Prozent unterhalb des Festbetrages anbietet, kann das Arzneimittel in der Apotheke von der gesetzlichen Zuzahlung befreit werden.

Dadurch sollen die Kosten im Gesundheitssystem insgesamt reduziert werden. Das gilt auch für die Regelung, nach der gesetzliche Krankenkassen Rabattverträge mit Pharmakonzernen abschließen dürfen. Auch hierbei verzichtet der Staat auf die Zuzahlungen, um einen Anreiz zu schaffen. Apotheker sind zudem verpflichtet, den Patienten bevorzugt solche rabattierten Medikamente auszuhändigen. Es empfiehlt sich gleichwohl, als Patient in der Apotheke direkt nach der günstigen Medizin zu fragen.

Neue Medikamente: Hersteller am längeren Hebel

Schwierig wird die Preisbildung, wenn es um Originalpräparate geht. Dabei handelt es sich um neu eingeführte Medikamente, für die ein Pharmaunternehmen ein Patent angemeldet hat. Hier sitzt der Hersteller am längeren Hebel, denn nur er kann das Arzneimittel liefern. Selbstverständlich möchte er an seinem neuen Medikament verdienen und legitimer Weise über den Preis auch für die Forschungs- und Entwicklungskosten entschädigt werden. Krankenkassen wollen andererseits keine Mondpreise, durch die die Beitragssätze in die Höhe schnellen würden.

Ärzte und Kassen prüfen den Nutzen

Bei den Originalpräparaten gibt es wegen dieses Konflikts einen längeren Aushandlungsprozess. Und das geht so: Der Hersteller, der ein neues wirksames Medikament auf den Markt bringt, legt zunächst eigenständig einen Preis fest. Ob das Arzneimittel dann zu diesem Preis auf die Liste der Arzneimittel kommt, die von den gesetzlichen Kassen bezahlt werden, darüber entscheidet der sogenannte Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA).

In diesem Gremium sitzen unter anderem die Ärzte und Vertreter der Krankenkassen. Der G-BA prüft außerdem den Nutzen eines neuen Arzneimittels im Vergleich zu bereits vorhandenen Medikamenten. Ist diese Prüfung abgeschlossen, verhandelt der G-BA mit dem Pharmaunternehmen einen neuen Preis. Können sich G-BA und Hersteller nicht auf einen Preis einigen, entscheidet ein Schiedsgericht.

Großhandel, Apotheken und Finanzminister wollen Stück vom Kuchen

Am Ende dieses Prozesses steht allerdings nicht der endgültige Preis des Medikaments, sondern nur der sogenannte Abgabepreis. Großhandel und Apotheken möchten nämlich auch noch mitverdienen. Ihr Anteil ist gesetzlich festgelegt. Sie erhalten jeweils etwa drei Prozent an Zuschlägen auf den Abgabepreis. Die Apotheken bekommen zusätzlich noch festgelegte Beträge unter anderem für Lagerung und Notdienste.

Am Ende verlangt schließlich auch der Finanzminister noch seinen Anteil. Medikamente sind mehrwertsteuerpflichtig. Der volle Satz in Höhe von 19 Prozent wird fällig.

Quelle:

www.mdr.de

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