Gesundheit MV : Bewegung auf Rezept? – nnn.de

Es müssen nicht immer Medikamente sein: Schon regelmäßige Bewegung kann dazu führen, dass sich Cholesterinwerte und Blutdruck normalisieren. Diabetiker, die körperlich aktiv sind, haben ihren „Zucker“ besser im Griff, und auch auf viele andere Beschwerden – körperliche wie psychische – hat sportliche Betätigung einen positiven Effekt. Im Idealfall wird, wer sich regelmäßig bewegt, gar nicht erst krank.

So banal das alles klingt, so viele Menschen schlagen doch die gut gemeinte Empfehlung, regelmäßig Sport zu treiben, in den Wind. Mit fatalen Folgen: 59,9 Prozent der erwachsenen Mecklenburger und Vorpommern sind der letzte Statistik aus dem Jahr 2013 zufolge übergewichtig – inzwischen sind es also vermutlich schon beinahe zwei Drittel. So oder so nimmt der Nordosten damit einen traurigen Spitzenplatz in Deutschland ein. Auch bei vielen Erkrankungen, die durch Übergewicht begünstigt werden und deren Verlauf sich durch regelmäßige Bewegung positiv beeinflussen lässt, rangiert Mecklenburg-Vorpommern weit vorn: Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems.

Es bedarf oft eines Anstoßes von außen, selbst etwas dagegen zu tun. Seit Juli vergangenen Jahres können Ärzte hierzulande das tun und ein „Rezept für Bewegung“ ausstellen – eine schriftliche Empfehlung für körperliche Aktivität.

Extra: Mehr Sport an Ganztagsschulen

Beim weiteren Ausbau der Ganztagsschulen sollen die Angebote für Sport und Spiel deutlich ausgedehnt werden, sagte Bildungs- und Sportministerin Birgit Hesse (SPD) gestern bei der zweiten Landeskonferenz für Sport und Gesundheit in Schwerin.

Kinder und Jugendliche, die sich viel bewegen, fühlten sich einfach besser. Zur erfolgreichen Umsetzung seien aber noch engere Kooperationen der Schulen mit Sportvereinen und -verbänden nötig.

Der Landessportbund sei bereit, betonte Präsident Andreas Bluhm. Schulen böten die beste Möglichkeit, Kinder frühzeitig für regelmäßiges Sporttreiben zu begeistern. Im derzeitigen Schulalltag komme Bewegung aber noch viel zu kurz, monierte Bluhm und verwies auf wissenschaftliche Empfehlungen für mindestens 90 Minuten körperliche Bewegung am Tag.

„Wir brauchen eine Debatte da-rüber, ob etwa unsere Grundschulen diesen Bewegungsnormen gerecht werden. Und wir müssen sicherstellen, dass auch Kinder in ländlichen Regionen genügend Möglichkeiten zum Sporttreiben erhalten. Oft setzt der Schulbus das zeitliche Limit.

Die 130 Konferenzteilnehmer, darunter Fachleute aus den Bereichen Erziehung, Unterricht, Vereinssport, Sozialarbeit, Medizin und Verwaltung diskutierten auch Erfahrungen aus dem Nachbarland Brandenburg. Dort hatten Wissenschaftler der Universität Potsdam das tatsächliche Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass mehr als die Hälfte der Schüler den Sportunterricht zu ihren Lieblingsfächern zählen und vor allem jüngere Kinder mehr Sport wünschen.

 

Mecklenburg-Vorpommern war das zehnte Bundesland, das sich dem gemeinsamen Projekt von Deutschem Olympischem Sportbund, Bundesärztekammer und Deutscher Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention angeschlossen hat. Wie dieses Angebot hierzulande angenommen wird, kann allerdings auch nach einem Dreivierteljahr noch niemand sagen. Die Kassenärztliche Vereinigung und die Ärztekammer, die beide als Partner im Projekt mitwirken, verweisen unisono an den Dritten im Bunde, den Landessportbund. Schließlich, so heißt es, sei das „Rezept für Bewegung“ nur eine freiwillige Leistung der Ärzteschaft, die nicht zur Abrechnung vorgesehen sei. Deshalb seien auch keine Daten verfügbar, wie oft eine entsprechende Verordnung erfolgt ist.

„Bis zum Sommer soll allerdings auf bundespolitischer Ebene darüber entschieden werden, ob es künftig ärztliche Präventionsempfehlungen geben soll, die auch vergütet werden“, weiß Ulrich Pudschun vom Landessportbund. Dann werde es auch Daten zum Verordnungsverhalten geben. In seiner jetzigen Form sei das „Rezept für Bewegung“ vor allem eine Geste – oder ein Fingerzeig, endlich aktiv zu werden. „Wir haben das in erster Linie als Marketingaktion verstanden, um auf die Präventionssport-Angebote im Land hinzuweisen“, so Pudschun. Über die Internetplattform http://www.gesundheitssport-mv.de seien die Angebote abzurufen. Aktuell gibt es 307. Die Palette reicht von „aquagym“ über „Rücken fit“, „Cardio fit“ und „Fit bis ins hohe Alter“ bis zu „Standfest und stabil“ und „Appetit auf Bewegung“. Außerdem listet die Seite 1123 Reha-Sportgruppen in Mecklenburg-Vorpommern auf, die von der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung unterstützt werden.

Mehr als 70 Sportvereine im Land unterbreiten Kursangebote, die mit dem Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit“ des Deutschen Olympischen Sportbundes oder mit dem „Pluspunkt Gesundheit.DTB“ des Deutschen Turnerbundes ausgezeichnet sind. „Die Kosten für diese Kurse werden teilweise von den Krankenkassen erstattet“, so Pudschun.

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von Karin Koslik
erstellt am 28.Apr.2017 | 11:45 Uhr

Quelle:

www.nnn.de

Fußnoten:

  1. ^ zur Startseite (www.nnn.de)
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