Gesundheit: 20 Jahre Dekubitus-Skandal: Rechtsmediziner zieht Bilanz – ZEIT ONLINE

Hamburg (dpa/lno) – Vor 20 Jahren deckte das Hamburger Institut für Rechtsmedizin gravierende Mängel in der Altenpflege auf – durch reguläre Leichenschauen vor der Einäscherung der Toten. Die Körper vieler alter Menschen wiesen Druckliegestellen auf, ergaben die Untersuchungen. Die Studie von 1998 hatte nach Angaben von Institutsleiter Klaus Püschel eine Verbesserung der Pflegestandards zur Folge. „Im Ergebnis gibt es keine andere Metropolregion in Deutschland, die eine so relativ niedrige Dekubitus-Problematik hat wie Hamburg“, sagte der Rechtsmediziner.

Von Dekubitus oder Druckliegegeschwüren sind vor allem pflegebedürftige Menschen betroffen, die lange Zeit relativ unbeweglich im Bett verbringen müssen. Auch eine dauernd feuchte Haut infolge von Inkontinenz kann eine Rolle spielen. Ein Dekubitus beginnt mit roten schmerzhaften Flächen, die sich dunkelrot verfärben, ehe die Haut aufspringt und sich offene Geschwüre entwickeln.

Püschels Institut macht bei jedem Toten, bevor er im Hamburger Krematorium verbrannt wird, eine zweite Leichenschau. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Mehr als 70 Prozent der Verstorbenen aus Hamburg und Umgebung werden eingeäschert, pro Jahr sind das rund 25 000. „Wir sehen drei Viertel der Menschen noch mal im Krematorium“, sagte Püschel.

Nicht selten endecken die Rechtsmediziner bei Menschen, die laut der Bescheinigung des Hausarztes etwa an einem Herzinfarkt gestorben sind, große offenen Stellen am Rücken. So ein Druckliegegeschwür könne zum Tod beigetragen haben, weil eine große offene Wunde aus verschiedenen Gründen krankmachend sei. „Es ist ein Zeichen dafür, dass die Pflege schlecht ist“, erklärte der Professor. Bei wirklich guter Pflege könne man Dekubitus vermeiden.

Zur Bilanz der Veränderungen nach dem sogenannten Dekubitus-Skandal will Püschel am Dienstag ein neues Buch vorstellen. Der Titel: „Mit Druck umgehen“. Die Entwicklung sei insgesamt positiv gewesen, resümiert der Rechtsmediziner. Allerdings sei die Zahl der Dekubitus-Fälle immer wieder angestiegen, wenn der politische Druck erlahmte.

Im Vergleich der Bundesländer schneiden Hamburgs Einrichtungen im Bereich Pflege und medizinischen Versorgung derzeit unterdurchschnittlich ab, wie eine Sprecherin des Verbandes der Ersatzkrankenkassen in Hamburg sagte. Für April 2017 habe es die Note 1,8 gegeben, deutschlandweit gab es die Note 1,6. Berlin steht mit 1,2 wesentlich besser da, Bremen ist mit 2,0 das Schlusslicht. Im Bereich Pflege und medizinische Versorgung werden auch die Dekubitus-Fälle berücksichtigt. Die Noten vergeben die medizinischen Dienste der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen bei ihren Qualitätsprüfungen.

Seitennavigation

Startseite[1]

Quelle:

www.zeit.de

Fußnoten:

  1. ^ Startseite (www.zeit.de)
Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s