Gesundheit lässt sich nicht kaufen – Echo-online

Von Detlef Eichberg

KRISENBEWÄLTIGUNG Erzeugung von Angst war schon immer die Grundlage für Profit

ODENWALDKREIS – Mir scheint, dass eine in den Medien als solche deklarierte Krise nahtlos, wenn nicht sogar überlappend, in die nächste übergeht. Oder werden Krisen – die vom Wortstamm her in der Antike als „Wandlung“ bewertet wurden – gezielt ins Angebot genommen, weil wir damit die fortschreitende innere Leere mit einem Entsetzen über alle möglichen Bedrohungen füllen können?

Ich verniedliche mit dieser provokativen Fragestellung nicht die real existierenden Schieflagen in global-politischen Bedrohlichkeiten, oder in Ökologie, Wirtschaft und Menschlichkeit. Mir fällt nur auf, dass in meinem Umfeld – und ich selbst bin davon nicht ausgenommen – fast nur noch Mulmigkeiten, Zukunftsskepsis und fast als Katastrophengier zu bezeichnende Befindlichkeiten vorherrschen. Die virtuelle Welt saugt dabei die letzten Reste unserer individuellen inneren Gefühlswelt in ein emotionales Vakuum, um dann mit Horror-Informationen und so mancher Verschwörungstheorie unsere seelische Wahrnehmung wieder aufzufüttern.

Damit lässt sich gut Geld verdienen. Schon immer war die Erzeugung von Angst die Grundlage für Profit. Besonders auf dem Gesundheitssektor blüht die Verherrlichung des Körperkultes und die Unsterblichkeits-Phantasie – wenn wir denn nur die richtigen, das heißt teuersten Nahrungsergänzungsmittel erwerben.

Ist es nicht befremdlich, dass in der esoterischen Literatur kaum Themen über Nachhaltigkeit und Umweltschutz, also Überlegungen, wie wir die Schöpfung bewahren könnten, zu finden sind? Stattdessen werden wir mit Angeboten von Kochrezepten überschwemmt, wie wir etwas, was uns unangenehm oder belastend erscheint, wegbekommen.

Druck des Daumens an der richtigen Stelle

Ein Druck des Daumens an der richtigen Stelle, und ihre Schmerzen sind weg – Shiatsu für Einsteiger. Wir bekommen suggeriert, wie wir mittels Geld unsere Gesundheit wieder herstellen können. In mir steigt der Verdacht auf, dass die Sehnsucht nach Gotteserfahrung vom Jenseits auf die körperliche Gesundheit im Diesseits projiziert wird.

Bernard Lown, ein angesehener und sozial hoch motivierter Arzt, spricht von der „verlorenen Kunst zu heilen“. Für Heilung ist seiner Meinung nach die Krise nichts Negatives, sondern das Einverstandensein mit allem, was aus gesundheitlicher Sicht nicht heil ist. Zitat Lown: „Der Mensch geht erst in einen gesundheitlich stabilen Zustand über, wenn er stirbt.“

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