„Forum Gesundheit“ über Nierenerkrankungen Wenn die „Filter“ versagen – Nassauische Neue Presse

Limburg. 

Nieren sind die Filteranlagen des menschlichen Organismus’. Unbemerkt entgiften sie den Körper 24 Stunden am Tag, von der Wiege bis zur Bahre – sofern sie funktionieren. Wenn nicht, kann dies fatale Folgen haben. Betroffene ahnen oftmals nicht, dass die Nieren schwächeln. Bei Versagen derselben droht Dialyse und das verzweifelte Hoffen auf eines der wenigen Spenderorgane. Rund 80 000 Menschen in Deutschland müssen sich derzeit einer Nierenersatztherapie, also einer Blutwäsche, unterziehen, etwa zehn Prozent davon versterben pro Jahr. Und jedes Jahr kommen rund 20 Prozent Neuerkrankungen hinzu.

Im Rahmen des „Forums Gesundheit“ sprach Dr. Stephan Walter in der Adolf-Reichwein-Schule über das Thema „Wenn die Nieren versagen – Ursachen, Folgen und Behandlung von Nierenerkrankungen“. Walter ist Chefarzt der Abteilung für Nephrologie/Hypertensiologie am St.-Vincenz-Krankenhaus Limburg und als niedergelassener Facharzt tätig im Nieren- und Dialysezentrum Limburg. Annegret Bausch von der Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg begrüßte die Besucher und gab eine kurze Einführung. Das „Forum Gesundheit“ ist eine Vortragsreihe, die die Kreisvolkshochschule in Kooperation mit dem St.-Vincenz-Krankenhaus veranstaltet und die von der Nassauischen Neuen Presse als Medienpartner begleitet wird. Zahlreiche Besucher nutzten wieder die Möglichkeit, direkt mit dem Experten ins Gespräch zu kommen.

Volkskrankheiten als Auslöser

Niereninsuffizienz an sich ist keine eigenständige Krankheit, sondern die Folge einer Nierenerkrankung, erklärte der Mediziner. Als Hauptversursacher hierfür gelten heute die sogenannten Volkskrankheiten: Diabetes, Hochdruck und Arteriosklerose. Manchmal sei das Versagen der Nieren auch auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen. Gerade wenn Patienten viele verschiedene Medikamente einnehmen würden, sei es schwierig herauszufinden, auf welches die Störung der Nierenfunktionen zurückzuführen sei. Auch eine zu geringe Zufuhr von Flüssigkeit oder die Einnahme entwässernder Medikamente könne zum Nierenversagen führen. Symptome, die auf eine Niereninsuffizienz hinweisen, sind insbesondere Wasser in den Beinen, Bluthochdruck oder schäumender Urin.

Info: Drei Therapien[1]

Momentan stehen drei Möglichkeiten der Nierenersatztherapie zur Verfügung: die Hämodialyse (Blutwäsche außerhalb des Körpers), die Peritonealdialyse (Blutwäsche im Körper) sowie die Nierentransplantation.

clearing

Durch den beim Nierenversagen entstehenden Hochdruck verdickt sich die Herzwand, es kann auch zu massiven Verkalkungen, beispielsweise an den Schlagadern, kommen. Dadurch wiederum werden diese Blutgefäße eingeengt und die Organdurchblutung wird vermindert. Nur einige der möglichen Folgen: Schlaganfall, Herzinfarkt und Durchblutungsstörungen in den Beinen.

Nieren spielen auch eine wichtige Rolle im Knochenstoffwechsel, weil sie Vitamin D bilden. Wenn sie nicht richtig funktionieren, und die Vitamin-D-Bildung reduziert sei, fehle den Knochen Calcium, was zu Nebenschilddrüsenüberfunktion und Knochenschäden führt. Die sich im Nierenversagen anhäufenden Giftstoffe schädigten zudem Nerven und Gehirn. Manchmal komme es zu Unruhezuständen in den Beinen, auch das sexuelle Verlangen kann nachlassen.

Nephrologen versuchten, die Ursache eines Nierenversagens zu finden: durch körperliche Untersuchung, Urin- und Blutuntersuchungen, Ultraschall, Röntgen und Kernspin. Dabei ließe sich feststellen, ob ein Tumor für die Nierenfunktionsstörungen verantwortlich ist oder Verkalkungen, Steine, Abflussstörungen für den Urin, Zysten, Schrumpfnieren, Durchblutungsstörungen… Insbesondere bei entzündlichen Nierenerkrankungen sei es auch erforderlich, Nierengewebe durch Punktion zu untersuchen. Die Therapie erfolge dann entsprechend der Ursache der Nierenfunktionsstörung.

Blutdruck muss stimmen

Um das Fortschreiten einer Nierenerkrankung zu hemmen, sei es wichtig, dass Blutdruck und Blutzucker gut eingestellt sind. Der Salzkonsum sollte so gering wie möglich sein, Übergewicht abgebaut werden. Rauchen vermindert die Nierendurchblutung und schädigt die Nierengefäße. Auch eine Normalisierung des Säure-Base-Haushalts mit Natriumbicarbonatkapseln verringert das Fortschreiten der Nierenerkrankung. Phosphat kann sich an den Gefäßen mit Calcium zusammen ablagern und schwere Verkalkungen auslösen. Daher muss schon in frühen Phasen die Phosphatzufuhr gemindert werden.

Lasse sich die Nierenerkrankung nicht aufhalten, so der Nephrologe, könne es zur Urämie, dem Endstadium der Harnvergiftung, mit vielerlei Symptomen kommen: von Juckreiz, Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen über Herzrhythmusstörungen, Herzbeutel- oder Rippfellerguss, neurologische Symptome, Krampfanfälle… – bis hin zum Koma und Tod.

Quelle:

www.nnp.de

Fußnoten:

  1. ^ Info: Drei Therapien (www.nnp.de)
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