Schlaganfall: Wie Sie einen Schlaganfall erkennen – SPIEGEL ONLINE

Freitag, 05.05.2017   13:13 Uhr

Seit einem Tag liegt die ältere Patientin auf der Schlaganfall-Spezialstation der Klinik für Neurologie der Universität Leipzig. „Ich konnte plötzlich meinen Arm nicht bewegen und hatte Schwierigkeiten mit dem Sprechen“, beschreibt sie die Situation vor ihrem Eintreffen ins Krankenhaus.

Dass dies typische Symptome für einen Schlaganfall sind, habe ihr Sohn erkannt, deshalb sei sie in die Klinik gebracht worden. „Das ist zum Glück ein eher leichterer Fall“, sagt Oberarzt Dominik Michalski.

Tatsächlich verlaufen die Anzeichen von Schlaganfällen oft viel schwerer. Zu ihnen gehören neben Sprachschwierigkeiten auch Sehstörungen sowie Lähmungen und Gefühlsstörungen im Gesicht, an den Armen und an den Beinen. Noch zu oft würden diese Symptome nicht ernst genommen, bedauert Michalski.

Zwischen drei und fünf Prozent sind jünger als 45 Jahre

Jährlich erleiden etwa 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. 200.000 von ihnen zum ersten Mal. Meistens trifft es nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Hilfe ältere Menschen. Vier von fünf Betroffenen sind über 60 Jahre alt. Aber auch jüngere Menschen können erkranken: Zwischen drei und fünf Prozent der Schlaganfallpatienten sind jünger als 45 Jahre[1].

Schlaganfälle entstehen in etwa 80 Prozent der Fälle durch den plötzlichen Verschluss von Gefäßen im Gehirn. Dadurch werde die Sauerstoffzufuhr beeinträchtigt und Zellen sterben ab, sagt Michalski. Treten die Symptome auf, sei schnelles Handeln gefragt, denn je länger es dauere, bis das Gefäß geöffnet werde, desto mehr Zellen sterben ab. Jede Sekunde zähle, die medizinische Behandlung[2] müsse innerhalb der ersten Stunden einsetzen. „Gemeint ist die Spanne vom Auftreten der Symptome über den Notruf 112 bis zur Einlieferung in eine Klinik und den Behandlungsbeginn.“

Nach einer Untersuchung des Gehirns gebe es zwei Möglichkeiten, die Gefäße zu öffnen, so Michalski. Entweder durch eine Infusion oder durch das Einführen eines Katheters über die Leiste zum Gehirn. Die letztere Methode sei relativ neu und werde erst seit etwa zwei Jahren in großem Umfang praktiziert.

Risiko steigt stark mit dem Alter

Generell steige das Risiko eines Schlaganfalls mit zunehmendem Alter exponentiell, so die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologe und funktionelle Bildgebung (DGKN) in Darmstadt. Der Grund: Mit der Zahl der Lebensjahre nehmen die Risikofaktoren zu – etwa Vorhofflimmern, Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Übergewicht oder die Folgen jahrzehntelangen Rauchens.

In Deutschland seien Schlaganfälle die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für dauerhafte Behinderungen, sagt Mario Leisle, Sprecher der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh. Knapp 40 Prozent der Patienten sterben im ersten Jahr nach dem Schlaganfall und mehr als die Hälfte der Überlebenden seien auf Pflege, Therapien oder Hilfsmittel angewiesen.

In der Regel bleiben die Patienten mehrere Tage auf der Schlaganfallstation, sagt Michalski. Wichtig sei die anschließende Rehabilitation mit Sprachtraining und Physiotherapie, die oft mehrere Wochen dauern könne. Auch danach benötigten viele Patienten noch Hilfe. Fänden sich keine Angehörigen, würden ambulante Pflegedienste oder Pflegeeinrichtungen diese übernehmen.

Bessere Aussichten

Nach Angaben von Leisle ist die Sterberate in den vergangenen Jahren in Deutschland gesunken. Grund dafür sei vor allem die bessere Akutversorgung der Patienten. Derzeit gebe es dafür 300 sogenannte Stroke-Units, die flächendeckend über Deutschland verteilt sind.

Eine dieser zertifizierten Schlaganfall-Stationen ist die Stroke-Unit an der Leipziger Uniklinik mit etwa tausend Patienten jährlich. Ausgerüstet mit moderner Technik steht dort das Team um Dominik Michalski mit insgesamt mehr als zehn Ärzten und mehr als 40 Pflegekräften rund um die Uhr bereit, damit die Behandlung schnell eingeleitet werden kann. Damit keine Zeit verloren geht.

Fußnoten:

  1. ^ jünger als 45 Jahre (www.spiegel.de)
  2. ^ die medizinische Behandlung (www.spiegel.de)
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