Gesundheit: Schnupfen kein Grund zur Panik – Nordwest-Zeitung

Bonn/Berlin/Oldenburg[1][2][3] Wohl jeder kennt Hausmittel gegen Erkältung, Fieber oder Erbrechen. Und tatsächlich müssen Eltern nicht mit jedem Wehwehchen ihres Kindes gleich zum Arzt gehen.

 Fieber

Fieber ist unter Eltern ein Angstthema, wie Till Dresbach[4] sagt. Er ist Oberarzt in der Neonatologie am Universitätsklinikum Bonn und gibt Notfallkurse für Eltern. Aber: „Fieber ist primär nichts Schlechtes. Es zeigt, dass der Körper sich gegen Erreger zu Wehr setzt.“ Bei Kindern spricht man ab 38,5 Grad von Fieber. Gemessen wird bei Säuglingen am besten im Po, das sei am genauesten. Bei älteren Kindern können Eltern auch im Ohr messen – am besten zweimal, um sicherzugehen, dass man das Thermometer richtig gehalten hat.

„Tritt Fieber bei einem Kind über einem Jahr auf, können die Eltern, so lange es dem Kind gut geht, erst einmal abwarten. Dauert das Fieber länger als einen Tag, sollte das Kind dem zuständigen Kinderarzt vorgestellt werden“, sagt Prof. Christoph Korenke, Klinikdirektor im Elisabeth-Kinderkrankenhaus Oldenburg. Ein Kinderarzt sollte auch unbedingt aufgesucht oder angerufen werden, wenn das Kind trotz Fiebersenkung deutlich beeinträchtigt ist oder weitere Krankheitszeichen wie Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Hautausschlag dazukommen. Tritt bei einem Kind ein Fieberkrampf auf, sollte es umgehend ärztlich untersucht werden, rät er.

 Husten

Wenn das Kind hustet, ist vor allem viel zu trinken wichtig, sagt Ursula Sellerberg[5] von der Bundesapothekerkammer. Einige Eltern haben mit Hustensaft etwa mit Efeu oder Primelwurzel gute Erfahrungen gemacht. Außerdem können Eltern die Brust des Kindes einreiben, zum Beispiel mit Lavendelöl. Mit Kindern, die jünger als zwei Jahre sind, sollten Eltern bei Husten aber am besten zum Arzt gehen. Das gilt auch, wenn das Kind Fieber oder zusätzlich Ohrenschmerzen hat, wenn der Husten länger als zwei Wochen hustet oder der Auswurf gelblich-grün oder blutig ist.

 Schnupfen

Bei Schnupfen kann Kochsalzlösung aus der Apotheke helfen und oft abschwellendes Nasenspray ersetzen, sagt Till Dresbach. Wichtig sei, dass abends, wenn das Kind schlafen soll, die Nase frei ist. „Da kann man dann auch abschwellendes Nasenspray verwenden.“ Allerdings sollte das nur wenige Tage angewendet werden. Wenn bei einem Kind zusätzlich über 39 Grad Fieber auftritt, sollten Eltern mit ihm zum Arzt gehen.

 Heiserkeit

Ist ein Kind heiser, ist es ebenfalls wichtig, dass es viel trinkt, wie Kahl sagt. Wenn zur Heiserkeit Fieber hinzukommt, sollten Eltern mit dem Kind zum Arzt gehen – dahinter kann zum Beispiel eine eitrige Hals- oder eine Mandelentzündung stecken. Und: „Wenn die Halsschmerzen so schlimm sind, dass das Kind nicht mehr schlucken kann, gehen Eltern am besten mit ihm zum Arzt“, rät Dresbach.

 Erbrechen

Wenn sich das Kind übergibt, sollten Eltern sich zunächst die Frage stellen, ob es in den vergangenen zwei Wochen auf den Kopf gefallen ist – also ob eine Gehirnerschütterung dahinterstecken kann, erklärt Kahl. Gerade mit kleineren Kindern gehen Eltern aber am besten sicherheitshalber immer zum Arzt.

 Ausschlag

In diesem Fall können Eltern das Ganze erst mal beobachten – sofern das Kind nicht etwa mit gefährlichen Stoffen in Berührung gekommen ist. „Unspezifischer Ausschlag ist eigentlich nie etwas akut Bedrohliches“, sagt Dresbach. Kommen aber Halsschmerzen hinzu oder geht es dem Kind allgemein schlechter, kann es sich um Scharlach handeln und man sollte mit dem Kind zum Arzt gehen.

Trinken ist wichtig bei Fieber. „Pro Grad Celsius Körpertemperatur steigt der Flüssigkeitsbedarf um 20 Prozent“, erklärt Till Dresbach. Auch bei Husten, Heiserkeit, Erbrechen und Durchfall ist viel trinken wichtig, – am besten Wasser –, ansonsten droht ein Flüssigkeitsmangel.

Ein- bis zweimal am Tag für rund zehn Minuten zu inhalieren, zum Beispiel mit Kamillenblüten, kann laut Ursula Sellerberg die Schnupfenbeschwerden bei älteren Kindern lindern. Der heiße Dampf löst den Schleim. Eltern sollten aber aufpassen, dass das Wasser nicht zu heiß ist und sich das Kind nicht daran verbrüht.

Bei Durchfall empfiehlt Hermann Josef Kahl[6] vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte leichte Kost wie Zwieback oder geriebener Apfel, Tee mit einem Teelöffel Traubenzucker und einer Prise Salz.

Fußnoten:

  1. ^ Bonn (www.nwzonline.de)
  2. ^ Berlin (www.nwzonline.de)
  3. ^ Oldenburg (www.nwzonline.de)
  4. ^ Till Dresbach (www.nwzonline.de)
  5. ^ Ursula Sellerberg (www.nwzonline.de)
  6. ^ Hermann Josef Kahl (www.nwzonline.de)
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