Anzeiger Burgdorf D’Region | Hämorrhoiden & Co. – Worüber niemand gerne spricht

«Hämorrhoiden und Co. – Worüber niemand gerne spricht.» So lautet der Titel des Publikumsvortrags von übermorgen Donnerstag, 11. Mai, 19 bis 20 Uhr, im Kurslokal des Spitals Emmental in Burgdorf. Die vier Fachärzte, die darüber referieren werden, sind Dr. med. Stefan Bauer (Leitender Arzt, Facharzt FMH für Magen-/Darmkrankheiten und Innere Medizin), Prof. Dr. med. Stephan Vorburger (Chefarzt, Facharzt FMH für Chirurgie), Dr. med. Matthias Schneider (Leitender Arzt, Facharzt FMH für Chirurgie) sowie Dr. med. Peter Gedeon (Leitender Arzt, Facharzt FMH für Magen-/Darmkrankheiten und Innere Medizin).

«D’REGION»: Was darf das Publikum erwarten – wie werden Sie den Vortrag gestalten?
Dr. Bauer: Wir werden über die «alltäglichen», häufig vorkommenden Leiden am Darmausgang sprechen. Dies sind vor allem vergrösserte Hämor­rhoiden, schmerzhafte Hautrisse am Darmausgang, lästiger Juckreiz – aber auch Fistelgänge, Abszesse und Störungen des Schliessmuskels. Dabei werden wir abwechselnd die gastroenterologisch/konservativen und die chirurgischen Aspekte der verschiedenen Krankheiten am Darmausgang beleuchten. Dr. Gedeon und ich stellen die Untersuchungsmethoden und die nicht operativen Therapien vor. Dies sind Behandlungen mit Zäpfchen, Salben und Tabletten. Häufig führen wir aber auch interventionelle Therapien durch – das heisst kurzdauernde Eingriffe wie zum Beispiel Abschnürungsbehandlung vergrösserter innerer Hämorrhoiden oder die Entfernung von störenden Hautfalten am After. Diese Eingriffe erfolgen in lokaler Betäubung, seltener bei Bedarf in einem oberflächlichen Kurzschlaf und sind so weitgehend schmerzfrei.
Dr. Schneider: Oft können sich Erkrankungen des Darmausganges unter diesen Massnahmen zurückbilden. Manchmal ist jedoch eine Operation nicht zu umgehen. Prof. Vorburger und ich werden entsprechend vor allem über fortgeschrittene Leiden und deren chirurgische Therapie sprechen. Dabei bildet die Hämorrho­idenbehandlung einen Schwerpunkt. Auch die chirurgische Behandlung von Fisteln – Entzündungsgängen am Darmausgang –, Enddarmvorfall und Probleme beim Zurückhalten des Stuhles – Inkontinenz – werden besprochen. Auf bösartige Leiden des Darmausganges werden wir nur ganz kurz zu sprechen kommen, da wir hier schweizweit mitführend sind. Wir haben dieses Vortragsthema gewählt, weil sehr viele Leute unter Beschwerden am Darmausgang leiden, aber sich aus Scham oft nicht getrauen, darüber zu sprechen.

«D’REGION»: Probleme mit dem Darmausgang sind ein leidiges Thema. Warten Patienten, weil sie sich genieren, oft zu lange, ehe sie den Arzt konsultieren?
Dr. Gedeon: Tendenziell ist das so. Es besteht eine unterschiedlich hohe Hemmschwelle, die Probleme am Darm­ausgang anzusprechen. Veränderungen am Darmausgang sind meist gut- und nur selten bösartig. Aber auch die Prognose bösartiger Tumore am Darmausgang ist dank moderner Therapien viel besser geworden.
Prof. Vorburger: Meist organisieren sich die Patienten im Alltag so, dass Aussenstehende kaum etwas bemerken. Die Folge ist dann, dass die Erkrankten sich im Alltag anpassen und «im Stillen» leiden. So ist gerade bei unwillkürlichem Stuhlverlust die Hemmschwelle hoch, sich professionelle Hilfe zu suchen. Spätestens wenn man sich im Alltag einschränken
muss, sollte man beim Hausarzt Rat suchen.

«D’REGION»: Wie gehen Sie vor, wenn Sie Patienten wegen Problemen am Darmausgang untersuchen?
Dr. Bauer: In der Regel führt der Patient zwei Stunden vor der Enddarmspiegelung ein Glyzerinzäpfchen ein, um eine Darmentleerung zu provozieren. Bei der Untersuchung liegt der Patient auf der linken Seite und ist wach. Mit einem starren kurzen Rohr können der Enddarm und der Darmausgang untersucht werden. Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft, höchstens leicht unangenehm. Nur in seltenen Fällen bei vorbestehend sehr schmerzhaften Erkrankungen oder bei speziellen Interventionen werden Medikamente für einen Kurzschlaf verabreicht. Bei der Behandlung von Hämorrhoiden sind in der Regel wiederholte zwei- bis viermalige Eingriffe notwendig – jeweils im Abstand von etwa einem Monat.
«D’REGION»: Kommen Patienten zu Ihnen, weil sie beim Stuhlgang Blut entdecken und auf Hämorrhoiden tippen?
Dr. Gedeon: Fast alle Patienten werden uns vom Hausarzt oder vom Spitalnotfall zugewiesen – sehr häufig wegen Blutabgang beim Stuhlgang. Aber es gibt auch andere Symptome: Schmerzen beim Stuhlgang, Juckreiz, Brennen, schmerzhafte Knötchen am After sowie Schwierigkeiten, Wind und Stuhlgang zu kontrollieren. Vergrösserte Hämorrhoiden sind meist harmlos und können sehr oft konservativ – also nicht chirurgisch – behandelt werden. Bei Blut im Stuhl ist vor allem bei älteren Personen eine vollständige Dickdarmspiegelung notwendig, um eine anderweitige Blutungsquelle, insbesondere einen Tumor, rechtzeitig zu erkennen. So kann vermieden werden, dass Blut im Stuhl fälschlicherweise als Folge eines Hämorrhoidalleidens angesehen wird.
Dr. Schneider: Eine akute Hämorrhoidalvenenthrombose kann so schmerzhaft sein, dass die betroffenen Patienten den Spitalnotfall aufsuchen oder notfallmässig zugewiesen werden. Bei ganz frischer und ausgeprägt schmerzhafter Thrombose bringt die Eröffnung des Blutgerinnsels rasche Linderung. Ein Hämorrhoidenvorfall mit akuter Schwellung stellt eine Notfallsituation dar – vor allem, wenn das Hämor­rhoidengewebe nicht mehr zurückgeschoben werden kann und die Hämor­rhoiden dadurch nicht mehr richtig durchblutet werden. Häufig ist dann eine Hospitalisation unumgänglich mit entzündungshemmender Behandlung, sodass die Hämorrhoiden wieder reponiert werden können.

«D’REGION»: Hämorrhoiden sind sehr häufig. Kann man sie vermeiden?
Dr. Bauer: Es stimmt, Hämorrhoiden gehören zu den häufigsten Problemen des Darmausganges. Faktoren wie familiäre Veranlagung, ballaststoffarme Ernährung, Übergewicht und sitzende Tätigkeit spielen eine Rolle. Sport treiben und Gewichtsreduktion sind empfehlenswert. Hier noch ein Tipp: Beim Stuhlgang nicht zu heftig pressen.
Dr. Schneider: Grundsätzlich entstehen Hämorrhoiden durch eine Dehnung des Halteapparates der Venen im Darmausgang. Diese kann eben durch heftiges Pressen, aber auch durch häufigen Stuhlgang mit wenig «Material» entstehen. Entsprechend kann eine Ernährungsumstellung mit hohem Ballaststoffanteil günstig wirken. Gewisse Operationsmethoden versuchen übrigens, diesen Halteapparat wieder zu festigen, indem dort absichtlich Vernarbungen gesetzt werden.

«D’REGION»: Welche Art von WC- Papieren empfehlen Sie für Leute mit Erkrankungen am Darmausgang?
Dr. Gedeon: Das WC-Papier sollte sehr weich sein. Empfehlenswert sind auch Dusch-WCs. Patienten, die solche benutzen, berichten häufig von einer deutlichen Reduktion ihrer Hämor­rhoidalprobleme. Geeignet sind aber auch mit lauwarmem Wasser angefeuchtete Zellstofftüchlein. Ungünstig sind häufiger Seifengebrauch und konfektionierte, alkoholhaltige Feuchtigkeitstüchlein, welche die empfindliche Haut am Darmausgang austrocknen und zusätzlich reizen können. Feuchtigkeitstüchlein sind hingegen hilfreich für unterwegs, wenn keine zweckmässige Toilette zur Verfügung steht.

«D’REGION»: Haben mehr Männer oder Frauen Probleme am Darmausgang?
Dr. Bauer: Die Häufigkeit des Hämor­rhoidalleidens ist bei beiden Geschlechtern etwa gleich. Die meis­ten Patienten sind im mittleren Alter, also zwischen 30- und 60-jährig. Bei den über 60-Jährigen nehmen die Fälle ab. Einige Frauen haben während der Schwangerschaft Hämorrhoidalprobleme.
Prof. Vorburger: Allerdings gibt es Beschwerden, die geschlechtstypisch sind. Der Enddarmvorfall – Rektumprolaps – und die Stuhlinkontinenz finden sich weit häufiger bei Frauen als bei Männern. Andere Erkrankungen wie Fisteln – Entzündungsgänge – und Abszesse – Eiteransammlung – um den Darm­ausgang herum sind eher typisch für Männer. Bösartige Erkrankungen finden sich auch etwas häufiger bei Männern.

Zu den Personen
Dr. med. Matthias Schneider ist 51-jährig. Er ist Leitender Arzt Chirurgie mit Schwerpunkt für Viszeralchirurgie.
Am Spital Emmental ist er seit 2014 tätig.
Dr. med. Peter Gedeon unterstützt seit dem 7. März 2016 als Leitender Arzt den langjährigen Gastroenterologen Dr. med. Stefan Bauer. Der Facharzt FMH für allgemeine innere Medizin und Gastroenterologie ist in Bern geboren. Er ist 50-jährig. Seine Arbeit führte ihn auch ans Universitätsspital Lund in Schweden. In den Jahren 2012/2013 war er Oberarzt am Luzerner Kantonsspital und im Spital Wolhusen.
Dr. med. Stefan Bauer, FMH Gastroenterologie und Innere Medizin. Er ist 58-jährig und wohnt mit seiner Familie in Burgdorf. Er ist seit bald 20 Jahren als Gastroenterologe, das heisst als Facharzt für Magen-/Darmkrankheiten am Spital Emmental in Burgdorf
tätig.
Prof. Dr. med. Stephan Vorburger, Master of Science; FMH Chirurgie und Viszeralchirurgie. Er ist 55-jährig und wohnt mit seiner Familie in Liebefeld (Köniz). Seit bald sieben Jahren leitet er die Chirurgischen Kliniken des Spitals Emmental und ist Chefarzt der Chirurgie Burgdorf. Sein Spezialgebiet sind die bösartigen Erkrankungen des Darmes.

Hans Mathys

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