Ukraine-Hilfe: Kleine Kinder und große Taten – Augsburger Allgemeine

Damit ihr kleiner Bruder Illia wieder gesund wird, musste Natalia einiges aufopfern. Mit nur 13 Jahren hat sie den Haushalt geschmissen, gekocht und dafür die Schule geschwänzt. Ihr Vater fuhr monatelang zum Arbeiten von der Ukraine[1] nach Moskau, damit die Familie die Behandlungskosten für Illia bezahlen kann. Doch all das reichte nicht.

Vergangenen Oktober dann holte Marianne Richter[2] aus Kicklingen den 10-jährigen Illia mit seiner Mutter Raisa Kravchuk nach Deutschland. Seit der Geburt leidete Illia an Morbus Hirschsprung – einer seltenen Erkrankung des Dickdarms. Er konnte nicht normal auf die Toilette gehen, da ihm Nervenzellen im Enddarm fehlten. Das machte ein normales, soziales Leben unmöglich. „Mir ist wichtig, dass lebensrettende Maßnahmen vollzogen werden, damit die Kinder ein schmerzfreies Leben führen können“, erklärt Marianne Richter. Deshalb brachte sie auch dieses Mal wieder viel Kraft und Energie auf.

Illia wurde in der Cnopf’schen Kinderklinik in Nürnberg von Chefarzt Maximilian Stehr und seinem Team kostenfrei operiert. Allerdings musste die erste Operation aufgrund einer Fistel, die sich im Laufe der Jahre am Dickdarm gebildet hatte, abgebrochen werden. Insgesamt sechs Operationen musste der Zehnjährige über sich ergehen lassen, bis er wieder vollständig gesund war. Während seiner Genesung lebte er mit seiner Mutter lange Zeit bei Marianne Richter in Kicklingen. „Er war ein ganz helles Köpfchen“, erzählt sie. Über Internet und Telefon kommunizierte er mit seiner Lehrerin in der Ukraine, um den Schulstoff nachholen zu können.

Seit vielen Jahren holt Marianne Richter immer wieder Kinder mit seltenen Krankheiten nach Deutschland[3], die man in der Ukraine nicht heilen kann. Dabei ist sie besonders auf Unterstützung von außen angewiesen. Denn durch die aufwendigen Operationen, längeren Krankenhausaufenthalte und vieles mehr kommen pro Kind Kosten von mehreren Zehntausend Euro zusammen. Durch private Sponsoren und Spendengeldern der Organisation „Ein Herz für Kinder“, der Marianne-Strauß-Stiftung, der Franz-Beckenbauer-Stiftung sowie der Uwe-Seeler-Stiftung und der Organisation „Zuversicht für Kinder“ versucht Richter die Kosten zu decken.

Trotzdem ist das nicht immer möglich, und so müsse sie auch manchmal mit ihrem Privatguthaben bürgen. Angefangen hat ihr besonderes Engagement für die Kinder im Jahr 2005, als sie mit dem damaligen Dillinger Oberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl[4] in die Ukraine reiste. Als Weigl ein Kind mit Blasenekstrophie sah (dabei befindet sich die Blase außerhalb des Körpers, was zu einem Nierenstau führt), meinte er „diesem Kind muss man helfen“. Seitdem holte Marianne Richter insgesamt 13 schwerkranke Kinder nach Deutschland. Neben Kindern mit Blasenekstrophie, gab es auch schon zweigeschlechtliche Kinder. Diese können genetisch, anatomisch und hormonell nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden. Im Herbst kommt wieder ein Junge, der aber genetisch ein Mädchen ist, zu Marianne Richter.

Vor knapp zwei Wochen reiste Illia zurück in die Heimat. „Mir ist dieser Abschied besonders schwergefallen, weil der Junge sehr lange bei mir war.“ Allerdings steht Marianne Richter immer mit den Kindern, denen sie schon geholfen hat, in Kontakt. Zudem fährt die engagierte Helferin öfter in die Ukraine und bringt den Kindern Kleidung, Schokolade und Spielsachen mit.

Von den Familien, die sie unterstützt, möchte sie „keinen Dank, sondern nur Achtung“. Auch ihrer eigenen Familie wird viel abverlangt, doch es sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen, sagt Marianne Richter, die sich schon seit 1991 in der Ukraine-Hilfe Dillingen, die sie selbst ins Leben gerufen hat, engagiert. Dabei bekommt sie Unterstützung vom Landratsamt und auch von der Stadt Dillingen. Erst vergangenen Herbst transportierte sie wieder zwischen 16 und 21 Tonnen Hilfsgüter nach Beresne in der Ukraine. Daneben organisiert Marianne Richter dieses Jahr den dritten Schüleraustausch. Zehn Jugendliche aus der Ukraine zwischen zehn und 13 Jahren kommen für etwa eine Woche nach Deutschland. Im Rahmen eines Förderprogramms besuchen sie für einen Tag die Schule in Wertingen oder Höchstädt, „um zu sehen, wie bei uns Schule funktioniert“. Daneben stehen Fahrten ins Legoland und nach München auf dem Programm.

Fußnoten:

  1. ^ Ukraine (www.augsburger-allgemeine.de)
  2. ^ Marianne Richter (www.augsburger-allgemeine.de)
  3. ^ Deutschland (www.augsburger-allgemeine.de)
  4. ^ Hans-Jürgen Weigl (www.augsburger-allgemeine.de)
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