Jucken und Blut im Stuhl

Oldenburg[1] Der aus verschiedenen Teilen bestehende Darm beginnt am Magen als Dünndarm, wird in seinem weiteren Verlauf zum Dickdarm und schließlich zum Mastdarm, der in den After übergeht. Die Hämorrhoiden bilden am Übergang des Mastdarms in den After ein kreisförmiges Gefäßpolster, das im Normalfall zusammen mit dem Schließmuskel für eine sichere Abdichtung sorgt. Der Schließmuskel verhindert den unkontrollierten Austritt von festem Stuhl, der Hämorrhoidal-Schwellkörper das unerwünschte Entweichen von Flüssigkeiten und Gasen.

Bei den meisten Menschen funktioniert dieses für die Stuhlkontinenz entscheidende Zusammenspiel für viele Jahre oder sogar lebenslang sehr gut. Dessen ungeachtet sind Hämorrhoidalleiden seit vielen Jahren ein weit verbreitetes Problem, das oft eine Vorstellung beim Arzt erfordert. In Deutschland werden pro Jahr rund 1,5 Millionen entsprechende Behandlungen gezählt, wobei die Fallzahlen seit einiger Zeit leicht rückläufig sind. Beim Auftreten von Beschwerden kann die Überweisung durch den Hausarzt an einen auf diesen Bereich spezialisierten Facharzt für Proktologie sinnvoll sein.

Vier Schweregrade

Hämorrhoidalleiden stellen sich meistens erstmals im mittleren Lebensalter ein, können aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten. Sie lassen sich grob in vier Schweregrade einteilen, wobei insbesondere die leichteren Fälle zumeist harmlos sind. Die damit verbundenen Beschwerden sind für viele Frauen und Männer gleichwohl eine sehr intime Angelegenheit, über die sie nicht gern sprechen. Typische erste Symptome sind ein immer wiederkehrendes oder dauerndes Brennen, Jucken und Nässen in den betroffenen Bereich. Dazu kommt häufig das unangenehme Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung. Da im Bereich der Hämorrhoiden keine entsprechenden Nervenbahnen verlaufen, sind mit unnatürlichen Vergrößerungen einhergehende Störungen nicht mit Schmerzen verbunden.

In schweren Fällen schwellen die Hämorrhoiden so weit an, dass sie aus dem After herausragen. Wenn es so weit gekommen ist, müssen sie auf eine verträgliche Größe reduziert werden. Meistens reicht dafür ein kurzer ambulanter Eingriff aus, der bei einem niedergelassenen Facharzt durchgeführt werden kann, berichtet Dr. Martin Schmidt-Lauber[2], Facharzt für Innere Medizin im Kompetenzzen­trum für Koloproktologie in Oldenburg: „Dafür können verschiedene Verfahren eingesetzt werden. Der Arzt kann die vergrößerten Hämorrhoiden beispielsweise veröden oder abbinden.“

Bei dem letzteren, besonders bewährten Verfahren wird der überschüssige Teil der Schleimhaut mit einem Gummiband abgebunden und fällt nach einigen Tagen als totes Gewebe ab. Etwa fünf Prozent der Betroffenen leiden unter einer sehr ausgeprägten Hämorrhoiden-Problematik, bei der ein ambulanter Eingriff nicht ausreicht. In diesen Fällen ist eine Operation nebst einem kurzen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus erforderlich.

Ernährung umstellen

In rund 70 Prozent verschwinden die Beschwerden nach einiger Zeit von selbst oder mit Hilfe verschiedener Maßnahmen, zu denen neben einer Umstellung der Ernährung und einer optimierten Analhygiene auch das Vermeiden von übermäßigem Pressen beim Stuhlgang gehört. Eine ärztliche Behandlung ist nötig, wenn der Betroffene über längere Zeit ernsthafte Beschwerden hat. Das gilt vor allem dann, wenn Blut im Stuhl ist, Kontinenzstörungen vorliegen oder die Hämorrhoiden nach außen gewachsen sind, betont Dr. Schmidt-Lauber: „Der Leidensdruck dieser Patienten ist oft sehr hoch. Ein Hämorrhoidalleiden bedeutet für viele ein Leben mit funktionellen Problemen, Scham und Einschränkungen im Alltag.“

Zur Diagnostik bei einem Proktologen gehört neben dem Anamnesegespräch zunächst eine genaue Begutachtung des Afters. Es folgt eine kurze Untersuchung, bei der der Darmausgang behutsam mit dem Finger abgetastet und der betroffene Bereich von innen mit einem Proktoskop begutachtet wird. „Meistens ist so nach wenigen Minuten klar, wie die Hämorrhoiden aussehen und welche Behandlung sinnvoll ist.“

Unnatürlich vergrößerte Hämorrhoiden sind zwar meistens harmlos, können aber sehr unangenehme Auswirkungen haben. Viele Betroffene leiden sehr darunter, wenn der Schwellkörper nicht mehr einen kompletten Verschluss sicherstellen kann, so dass unkontrolliert Schleim und andere Flüssigkeiten aus dem After austreten. Angestrengtes Pressen beim Stuhlgang kann zudem das Platzen von Gefäßschwellkörpern zur Folge haben, was zu Blutungen führt.

Ob und welche Therapie bei einem Hämorrhoidalleiden erforderlich ist, hängt von dem Schweregrad und den Beschwerden des Patienten ab. Sicher ist immer, dass die Hämorrhoiden im Rahmen einer Therapie nur verkleinert und nicht komplett entfernt werden, weil sie – in einer normalen Größe – entscheidend zur Schließfunktion beitragen, betont Dr. Martin Schmidt-Lauber. Einmal aufgetretene Beschwerden können nach einer erfolgreichen Behandlung komplett verschwinden, aber nach einigen Jahren aufs Neue auftreten. Das Problem kann dann mit einer erneuten Behandlung gelöst werden.

Fußnoten:

  1. ^ Oldenburg (www.nwzonline.de)
  2. ^ Martin Schmidt-Lauber (www.nwzonline.de)
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