WHO-Report 2007-2017: Ein Jahrzehnt mehr Gesundheit – SPIEGEL ONLINE

Mittwoch, 17.05.2017   17:32 Uhr

Es gibt eine Menge guter Nachrichten zur globalen Gesundheit: Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich, die Müttersterblichkeit nimmt ab und es sterben immer weniger kleine Kinder. Auch Todesfälle durch Infektionskrankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose haben in den vergangenen zehn Jahren durch bessere Medikamente und leichtere Erreichbarkeit von Therapien deutlich abgenommen. Mit dem Report „Global Health Journey 2007-2017“[1] zeichnet die Weltgesundheitsorganisation WHO viele positive Entwicklungen auf.

Aber der Bericht zeigt auch: Die Welt steht vor großen Herausforderungen. Die Bevölkerung wächst rasant, die Erderwärmung und Luftverschmutzung schaden der Gesundheit, immer mehr Menschen sind zu dick. Und die längere Lebenserwartung bringt auch mit sich, dass die Menschen länger krank sind.

Die Entwicklungen im einzelnen:

Lebenserwartung

Global gesehen hat die Lebenserwartung innerhalb von weniger als zehn Jahren deutlich zugenommen. Hatten 2007 geborene Jungen nur durchschnittlich 66,6 Jahre vor sich, waren es 2015 schon 69,1 Jahren. Bei Frauen verlängerte sich die erwartbare Lebenszeit von 71,1 Jahren auf 73,7 Jahre. Dabei sind die regionalen Unterschiede immens: Im südafrikanischen Lesotho hatten Männer der weltweiten Gesundheitsstudie „Global Burden of Disease“ im Jahr 2015[2] nur eine Lebenserwartung von rund 44 Jahren, in Andorra hingegen von 81,2 Jahren.

Müttersterblichkeit

Zu den wichtigsten Zielen der WHO zählt, die Zahl der Frauen zu senken, die kurz vor, während oder nach der Geburt sterben.

Die WHO führt den Rückgang der Müttersterblichkeit vor allem auf bessere Schwangerschaftsvorsorge, mehr Sicherheit bei der Entbindung, die Bekämpfung und bessere Behandlung von HIV-Infektionen und Zugang zu Antibiotika zurück.

Trotzdem sind die Zahlen noch immer viel zu hoch und die Unterschiede immens: Während es in manchen Ländern extrem selten vorkommt, dass eine Frau während oder um die Geburt herum stirbt, gehört das in anderen Regionen zu den häufigen Gegebenheiten des Lebens. In Nigeria etwa sind im Jahr 2015 rund 58.000 Mütter vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben, in Indien etwa 45.000. In Deutschland waren es im selben Zeitraum 24 Frauen[3].

Kinder, die sterben, bevor sie fünf Jahre alt sind

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Die Kindersterblichkeit von 1990 bis 2015 um zwei Drittel zu senken, war ebenfalls eines der acht Millenniumsziele der WHO – tatsächlich hat sie um etwas mehr als die Hälfte abgenommen.

Infektionskrankheiten

Die Zahl der Menschen, die an einer HIV-Infektion oder Malaria gestorben sind, hat sich zwischen 2005 und 2015 halbiert. Neuansteckungen sind ebenfalls zurückgegangen, allerdings nur um 18 und 21 Prozent. Tuberkulose-Todesfälle sind im selben Zeitraum um 25 Prozent zurückgegangen. Eines der wichtigsten Problemländer bleibt Indien: Mehr als jeder vierte Tuberkulosekranke lebt hier, Mangelernährung und Rauchen beeinflussen den Krankheitsverlauf negativ.

Neben den Erfolgen gibt es weiterhin etwa eine Milliarde Menschen weltweit – bei einer Weltbevölkerung von rund 7,5 Milliarden Menschen also fast jeder siebte -, die unter einer von 17 vernachlässigten Tropenkrankheiten leiden. Dazu zählen etwa die Billharziose, Denguefieber, Elephantiasis, Lepra oder Flussblindheit. Diese Krankheiten treten in 149 Ländern auf und verursachen oft lebenslanges Leid oder Behinderung.

Übergewicht

Während die Infektionskrankheiten immer erfolgreicher bekämpft werden, breitet sich Übergewicht weiterhin epidemisch aus.

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Auch Deutschland ist betroffen: Hierzulande sind zwei Drittel der Männer (67 Prozent) übergewichtig[4] und die Hälfte der Frauen (53 Prozent). Ein Viertel der Erwachsenen ist fettleibig[5] (23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen).

Aber es sind nicht nur die reichen Industrienationen, denen Übergewicht und seine Folgen zu schaffen machen. Auch in Entwicklungsländern wie Sudan oder Kenia, in vielen südamerikanischen Ländern und Indien oder China steigt die Zahl der Kinder und Erwachsenen rasant, die zu viele Kilos auf die Waage bringen. Insbesondere in den großen Städten, die immer mehr Menschen anziehen, sind stark verarbeitete, zucker- und fettreiche Nahrungsmittel nicht nur immer erreichbar, sondern auch sehr billig.

Klima und Luftverschmutzung

Die Weltorganisation für Meteorologie hat bestätigt, dass 2016 das wärmste gemessen Jahr war. Und die Extreme setzen sich nicht nur fort, die klimatischen Veränderungen wirken sich auch auf die Gesundheit der Weltbevölkerung aus. Die WHO schätzt, dass zwischen 20130 und 2050 jährlich rund 250.000 Menschen sterben werden, weil der Klimawandel Wassermangel mit sich bringt, Infektionskrankheiten wie Malaria und Durchfall begünstigt und Mangelernährung fördert.

Zudem atmen mehr als neun von zehn Menschen weltweit Luft, die mit Feinstaub oberhalb des Grenzwertes belastet ist. Insbesondere in den Städten sind daran Verkehr und Industrie schuld, in Deutschland steht Feinstaub laut der „Global Burden of Disease“-Studie an neunter Stelle der größten Gesundheitsgefahren[6]. In Afrika unterhalb der Sahara verursachen vor allem Holzöfen in den Häusern die Luftverschmutzung im Haushalt, die an vierter Stelle der größten Gesundheitsgefahren stehen.

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