Rauchen aufhören: So viel Lebenszeit bringt ein Rauchstopp – SPIEGEL ONLINE

Dienstag, 30.05.2017   11:59 Uhr

Eigentlich ist es nie zu spät: Wer mit dem Rauchen aufhört, tut seinem Körper Gutes – auch im höheren Alter. Sind der innere Schweinehund und vor allem die Sucht überwunden, sinkt das Risiko für verschiedene Krankheiten deutlich. Wie sich ein Rauchstopp auf die Gesundheit auswirkt:

Welche Risiken reduzieren sich mit dem Rauchstopp?

Wer die Hände von der Zigarette lässt, verringert generell die Gefahr für verschiedenste Erkrankungen. So ist Rauchen für zahlreiche Krebserkrankungen direkt verantwortlich, neun von zehn Patienten mit Lungenkrebs haben geraucht. Aber auch Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Schlaganfälle oder chronische Bronchitis lassen sich häufig auf das Rauchen zurückführen. Immerhin stirbt dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zufolge ein Starkraucher im Schnitt zehn Jahre früher als ein Nichtraucher[1]. In Deutschland sterben jedes Jahr bis zu 140.000 Menschen an den Folgen.

Wie schnell sinkt das Erkrankungsrisiko?

Schon drei Tage nach der letzten Zigarette verbessert sich nach Angaben des DKFZ die Funktion der Atemwege, nach einer Woche sinkt der Blutdruck. Nach einem bis neun Monaten gehen Hustenanfälle, Verstopfungen der Nasennebenhöhlen und Kurzatmigkeit zurück. Die Lunge wird allmählich gereinigt, indem Schleim abgebaut wird. Die Infektionsgefahr verringert sich.

Zwei Jahre nach einem Rauchstopp hat ein früherer Raucher fast das gleiche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ein Nichtraucher[2]. Nach fünf Jahren sinkt auch das Risiko für Krebserkrankungen in Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre und Harnblase auf die Hälfte. Auch das Schlaganfallrisiko kann bereits nach zwei bis fünf Jahren auf das eines Nichtrauchers sinken.

Wie stark nimmt die Gefahr von Lungenkrebs ab?

Zehn Jahre nach dem Aufhören hat ein ehemaliger Raucher ein nur noch halb so hohes Risiko für Lungenkrebs[3], als wenn er dauerhaft weitergepafft hätte. Wer beispielsweise 40 Jahre lang geraucht und vor fünf Jahren die Kippen weggelegt hat, kann zwar auch heute noch an Lungenkrebs erkranken. Nach Angaben von Ärzten steigt das Risiko aber zumindest nicht mehr. Auch die Risiken für Kehlkopf- und Bauchspeicheldrüsenkrebs gehen zurück.

Wie viel Lebenszeit lässt sich gewinnen?

Nach DKFZ-Berechnungen rauben mehr als zehn Zigaretten pro Tag Männern im Schnitt 9,4 und Frauen 7,3 Lebensjahre. Auch ein moderater Konsum von weniger als zehn Zigaretten pro Tag reduziert die Lebenserwartung bei beiden Geschlechtern immer noch um etwa fünf Jahre. Besonders gefährdet sind männliche, fettleibige, starke Raucher, die viel Alkohol trinken und viel rotes Fleisch essen. Sie büßen gegenüber ihren Mitmenschen mit dem günstigsten Risikoprofil bis zu 17 Jahre an Lebenserwartung ein. Bei einer Frau sind es 13,9 Jahre.

Warum nehmen viele zu, wenn sie mit dem Rauchen aufhören?

Untersuchungen zufolge legen vier von fünf ehemaligen Rauchern innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre nach dem Aufhören im Schnitt etwa viereinhalb Kilogramm zu. Bei Frauen fällt die Gewichtszunahme noch etwas größer aus als bei Männern. Auch nach zehn Jahren haben viele im Schnitt noch vier bis fünf Kilogramm mehr drauf. Allerdings nehmen auch viele Nichtraucher in solch einem Zeitraum zu.

Als Ursache werden ein gedrosselter Stoffwechsel sowie eine vermehrte Kalorienaufnahme nach dem Rauchstopp diskutiert. Der Körper verbrennt weniger Energie, gleichzeitig greifen viele statt zur Zigarette verstärkt zu Süßem und Snacks. Forscher aus der Schweiz brachten vor einigen Jahren eine weitere mögliche Ursache ins Spiel: Möglicherweise verändert sich bei Nichtrauchern die Zusammensetzung der Darmflora. Demnach nehmen jene Bakterienstämme überhand, die auch in der Darmflora von Fettleibigen dominieren

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