Unser Angebot für Erstwähler – F.A.Z. – Frankfurter Allgemeine Zeitung

Für Schwangere, denen eine Fehlgeburt droht, wäre es eine große Erleichterung: Statt Wochen, manchmal sogar Monate in einem Krankenhausbett zu liegen, angeschlossen an diverse Überwachungsgeräte, und zu warten, dass sich das Kind trotz des Risikos gut entwickelt, könnten sie ihre Zeit zu Hause verbringen. Auf dem Sofa vielleicht oder im Bett, aber immerhin in ihren eigenen vier Wänden, statt in der anonymen Umgebung eines Krankenhauses.

Genau diese Möglichkeit will Todd Coleman, ein amerikanischer Professor für Bioingenieurwesen an der University of California[1] San Diego, Tausenden Frauen weltweit gerne eröffnen. Mit Hilfe eines kleinen Pflasters. Es ist durchsichtiger als herkömmliche Pflaster und optisch gepickt mit kleinen braunen Vierecken. Colemans Pflaster ist in etwa so dick wie ein menschliches Haar, stört beim Tragen also kaum – wahrscheinlich sogar fast weniger als die bekannten dicken Pflaster etwa für Schnittwunden.

Arzt kann Patientin aus der Ferne überwachen

Seit mehreren Jahren schon tüftelt Coleman mit seinen Kollegen aus den Biowissenschaften und einigen Materialwissenschaftlern an diesem Pflaster und der Idee dahinter herum. Die braunen Vierecke sind Computerchip und Solarzellen, die sie in das Pflaster integriert haben. Der Chip wird über die winzige Solarzelle mit Strom versorgt und zeichnet je nach Körperstelle, auf die das Pflaster geklebt wird, verschiedene Daten auf. Im Fall einer Schwangeren etwa den Herzschlag der Mutter oder des ungeborenen Kindes, die Bewegungen des Embryos oder auch plötzlich auftretende Wehen.

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Der Chip ist außerdem in der Lage, die aufgezeichneten Daten kabellos an den Computer des behandelnden Mediziners zu übertragen. Auf diese Daten kann der Arzt dann zugreifen und seine Patientin überwachen, ganz ohne ihr persönlich zu begegnen. Genutzt wurde das Pflaster bislang nur in Tests, parallel zu herkömmlichen Untersuchungsmethoden wie etwa einem Wehenschreiber. Wann und ob es demnächst auch erstmals als alleiniges Mess- und Überwachungsinstrument für zu Hause zum Einsatz kommen kann und was es einmal kosten wird, ist noch völlig unklar.

Krankenhauspatienten belasten das System

Für Todd Coleman sind Entwicklungen wie diese jedoch die Zukunft der Medizin. Mit Hilfe eines derart kleinen Überwachungsgerätes, so hofft er, könnten Ärzte künftig auch Menschen mit anderen gesundheitlichen Risiken zu Hause überwachen, statt sie ins Krankenhaus zu verlegen: Herzpatienten beispielsweise oder ältere Menschen mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen – Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz. Schlägt das System Alarm, kann der Arzt sofort Kontakt mit seinem Patienten aufnehmen und im Ernstfall einen Krankenwagen losschicken.

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Auch wenn es sicher noch eine Weile dauern wird, bis derartig winzige Minicomputer in Form von Pflastern zum Einsatz kommen, arbeiten Ärzte aller Fachrichtungen weltweit seit Jahren an Methoden, um Patienten möglichst ambulant statt stationär zu behandeln. Dafür gibt es zwei entscheidende Gründe: Zum einen liegt eben niemand gerne im Krankenhaus, und zum anderen belasten Krankenhauspatienten das Gesundheitssystem. Denn ihre Versorgung kosten viel Geld. Sie möglichst schnell wieder nach Hause zu schicken schont unser aller Portemonnaie.

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Quelle:

www.faz.net

Fußnoten:

  1. ^ University of California (www.faz.net)
  2. ^ Zum Angebot (abo.faz.net)
  3. ^ Nächste Seite (www.faz.net)
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