Medizinforum: Wenn der Beckenboden schwächelt – Aachener Zeitung

Eschweiler. „Wenn der Beckenboden schwächelt – was tun?“ Das ist das Thema des 50. Medizinforums unserer Zeitung, das am Dienstag, 20. Juni, im Talbahnhof stattfindet. In Zusammenarbeit mit dem St.-Antonius-Hospital starten wir zum Jubiläum bereits um 15 Uhr Informationsstände. Das Forum unter der Leitung von Dr. Eberhardt Schneider beginnt um 16 Uhr.

Der Beckenboden ist ein sehr komplexer Apparat, der wichtige und zugleich gegensätzliche Funktionen erfüllt. Aber was tun, wenn der Beckenboden schwächelt? Experten des interdisziplinären Kontinenz- und Beckenbodenzentrums des St. Antonius Hospitals sowie niedergelassene Fachärzte für Urologie und Gynäkologie aus Eschweiler stehen Rede und Antwort. Wie immer ist der Eintritt frei.

Kaum jemandem ist der eigene Beckenboden bewusst, obwohl er für die Lebensqualität eine so große Rolle spielt. Der menschliche Beckenboden besteht aus drei trichterförmigen Muskel- und Bindegewebsplatten, die das Becken nach unten hin abschließen. Interessanterweise erfüllt der Beckenboden tagtäglich widersprüchliche Aufgaben: Stütz-/Haltefunktion sowie das Ermöglichen einer gewissen Durchlässigkeit.

Die Beckenbodenmuskulatur sorgt im Wesentlichen dafür, dass die Beckenorgane nicht absinken. Gleichzeitig bildet die Muskulatur aber auch Lücken für die durchtretende Harnröhre, Scheide und den Enddarm, so dass das Wasserlassen, die Sexualfunktion, das Gebären eines Kindes sowie das Entleeren des Enddarms ermöglicht werden. Der Beckenboden muss sich also anspannen, entspannen und reflexhaft anpassen können.

Der spezielle Aufbau des Beckenbodens erfüllt diese Anforderungen, macht ihn aber gleichzeitig anfällig. Er ist eine typische Schwachstelle vor allem des weiblichen Körpers. Die Überbeanspruchung durch beispielsweise schwere körperliche Arbeit, Übergewicht, zahlreiche Geburten, chronischen Husten oder Verstopfung, Verletzungen oder Operationen kann zu Funktionsstörungen des Beckenbodens führen: unwillkürlicher Harn- und/oder Stuhlverlust, Senkungen des weiblichen Genitales, der Harnblase oder des Darms können die Folge sein.

Blasen- und Darmschwäche gehören nicht zu den Themen, über die man als Betroffener gerne spricht. Alleine in Deutschland sind rund neun Millionen Menschen betroffen. Unwillkürlicher Harn- und Stuhlverlust sind also kein seltenes Problem – etwa jede vierte Frau und jeder zehnte Mann leiden darunter. Sehr wahrscheinlich kennen auch Sie jemanden in Ihrer Familie oder aus Ihrem Freundeskreis, der darunter leidet, oder Sie sind selbst davon betroffen.

Schätzungsweise sprechen nur 25-30 Prozent aller Betroffenen mit Ihrem Arzt darüber – da es für viele Menschen ein peinliches, nicht medizinisches Problem darstellt. Nicht umsonst ist Toilettenpapier das häufigste Hilfsmittel bei unwillkürlichem Harn- und Stuhlverlust.

Das Alltagsleben mit Blasen- und Darmschwäche ist meist stark beeinträchtigt, man zieht sich aus seinem Freundeskreis zurück, meidet häufig öffentliche Veranstaltungen wie beispielsweise Konzert- oder Kinobesuche und isoliert sich zunehmend. Auch Senkungszustände des weiblichen Genitales, der Harnblase oder des Darmes können die Lebensqualität mindern und mit unwillkürlichem Harn- und Stuhlverlust oder wiederkehrenden Blasenentzündungen vergesellschaftet sein.

Häufig sind die Senkungsbeschwerden uncharakteristisch; ein Druckgefühl nach unten („Es fällt etwas unten heraus“), ein Fremdkörpergefühl („Ich sitze wie auf einem Ei“) oder auch ziehende Schmerzen im Unterleib und auch Kreuzschmerzen werden angegeben. Betroffene und vor allem Ältere empfinden oft Scham, über die Beschwerden zu sprechen. Was aber nur wenige Betroffene wirklich wissen: Senkungszustände sind korrigierbar und Harn- und Stuhlinkontinenz sind (meist) heilbar!

Um professionelle Hilfe zu erhalten, muss allerdings zuerst das Schweigen über das „Tabuthema“ gebrochen werden. Hierzu soll unter anderem auch das Medizinforum zum Thema „Wenn der Beckenboden schwächelt – was tun?“ einen Beitrag leisten. Die Möglichkeit sich anonym und zwanglos an Marktständen sowie im Rahmen der Kurzvorträge sich durch Experten informieren zu lassen und in der im Anschluss stattfindenden Podiumsdiskussion Fragen stellen zu können, sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

In weiteren Artikeln in unseren nächsten Ausgaben beschreiben wir die verschiedenen Ursachen, diagnostischen Möglichkeiten und therapeutischen Ansätze der Blasen- und Darmschwäche sowie der Senkungszustände.

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