Was kann Homöopathie wirklich? – MDR

Seit den 1970er-Jahren hat sich die Verbreitung der Homöopathie in Deutschland mehr als verdoppelt: Jeder Zweite hat sie schon ausprobiert. Viele Mediziner und Wissenschaftler sehen diese Entwicklung mit Sorge. Denn bis heute konnte niemand beweisen, dass die Behandlung mit Globuli und Tropfen wirklich wirkt.

Die „sanfte Medizin“ – eine gewagte Theorie

Vereinfacht gesagt baut die Homöopathie auf einer 200 Jahre alten Annahme des Arztes Samuel Hahnemann auf. Nach dem sogenannten Ähnlichkeitsprinzip soll ein Mittel, das ähnliche Symptome wie die Krankheit hervorruft, diese Krankheit heilen können. Die Ausgangsstoffe für die Mittel können somit auch giftig sein. Die Wirkstoffe werden dann so stark verdünnt, dass praktisch nichts mehr von ihnen übrig bleibt. Je stärker der Wirkstoff verdünnt wird, desto stärker soll auch das Medikament wirken.

Wirksamkeit nicht bewiesen

Die meisten Krankenkassen finanzieren die umstrittene Behandlungsmethode. Und das, obwohl es bis heute keine größeren Studien gibt, die die Wirksamkeit homöopathischer Mittel tatsächlich beweisen.

Die Homöopathen sagen: Diese Studien muss es gar nicht geben, weil Homöopathie ja anders wirkt und man das über die normalen Studien gar nicht herausfinden kann. Es reicht, wenn ich als Homöopath eine Wirkung sehen kann und meinem Patienten helfe – und deshalb ist für mich die Homöopathie wirksam.

Dr. Carsten Lekutat, Allgemeinmediziner und Arzt für Naturheilverfahren

Placebo-Effekt nicht zu unterschätzen

Dabei spielt, wie bei allen Medikamenten, auch der Placebo-Effekt eine große Rolle. Wie stark dieser Effekt ist, sei aber nicht messbar, sagt Carsten Lekutat.

Bei jedem normalen Schmerzmittel, wie zum Beispiel Aspirin, gibt es immer noch die Wirkung, die aufgrund der Psyche und der Seele des Menschen hervorgerufen wird. Wie groß der Anteil ist, wissen wir nicht. Das hängt vom Menschen selbst, aber auch vom Arzt ab. Denn auch der Arzt und die Arzt-Patienten-Beziehung können den Placebo-Effekt noch verstärken.

Dr. Carsten Lekutat, Allgemeinmediziner und Arzt für Naturheilverfahren

Aber: Homöopathen nehmen sich Zeit

Diesen Argumenten widerspricht auch Dr. Birgit Weyel nicht. Sie ist Heilpraktikerin und Vorstandsmitglied im Verband Klassischer Homöopathen Deutschlands (VKHD e.V.)[1]. Im Interview hebt sie insbesondere eine Tatsache hervor: Homöopathen beschäftigen sich schlichtweg länger und intensiver mit ihren Patienten und versuchen zum Beispiel, die gesamte Krankheitsgeschichte zu berücksichtigen.

Die konventionelle Medizin ist zweifelsohne bei vielen, vor allem schweren Erkrankungen, ein wahrer Segen. Kritisch sehen wir aber unter anderem die fehlende, ganzheitliche Betrachtung des Patienten. Für jedes Organ und jede Krankheit gibt es einen anderen Facharzt und leider oft viel zu wenig interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Dr. phil. Birgit Weyel, Vorstand VKHD e.V.

Unterschätzte Gefahr?

Gleichzeitig betont Weyel, dass sich allein mittels Homöopathie längst nicht jede Krankheit heilen lasse. So werden homöopathische Mittel statistisch am Häufigsten bei Erkältungen und grippalen Infekten, Magen- und Verdauungsbeschwerden oder Kopfschmerzen eingesetzt. Gefährlich werde eine homöopathische Behandlung deshalb auch erst dann, wenn ein Patient jede andere Therapie verweigere. Die reine Behandlung durch Globuli oder Tröpfchen dagegen sei völlig unbedenklich.

Die Homöopathie kommt immer dann an ihre Grenzen, wenn der Körper sich nicht mehr selbst heilen kann. Was Krebs angeht, so wird in einzelnen Fällen auch von einer erfolgreichen homöopathischen Behandlung berichtet. Wir sind jedoch der Meinung, dass hier Homöopathen und konventionelle Mediziner zum Wohle des Patienten zusammenarbeiten sollten.

Dr. phil. Birgit Weyel, Vorstand VKHD e.V.

Quelle:

www.mdr.de

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