Gesundheit und Fitness Moorbäder, Kältekammer oder Kneipp-Kur: Was hilft? – Kölner Stadt-Anzeiger

Keiner käme ernsthaft auf die Idee, sich einen Sack Torf zu kaufen, ihn zu Hause in der Badewanne zu entleeren, mit Wasser zu einem dicken Brei anzurühren und sich dann hineingleiten zu lassen. Warum man das ungern zu Hause täte? Na ja, wohin mit der schwarzen Pampe nach Gebrauch.

Heilbäder, die auf Moorbrei spezialisiert sind, haben da wohl etwas mehr Erfahrung. 320 Heilbäder gibt es bundesweit, 61 haben sich auf Moorheilbäder spezialisiert, eines davon ist die Weserland-Klinik Bad Seebruch mit 296 Betten im ost-westfälischen Vlotho: Moorbehandlung, Kneipp-Anwendungen und Kältetherapie werden unter Leitung des Internisten und Rheumatologen Shaban Fetaj angeboten.

180 Kubikmeter Torf pro Jahr werden in der Klinik für die Patienten eingesetzt. Allein für eine Wanne, die 250 bis 300 Liter fasst, werden drei Kilo benötigt. Geliefert wird der Klinik das Material aus dem niedersächsischen Wiesmoor in Ostfriesland. „Ein guter Torf“, sagt Fetaj. Die Naturschutz-Vorschriften für Torfabbau sind extrem streng. Auch aus diesem Grund erfolgt die Versorgung der deutschen Heilbäder mit dem schwarzen Stoff nicht mehr direkt vor Ort, sondern zunehmend überregional. Fetaj: „Wir benutzen immer frischen Torf, aber man könnte den genutzten Torf auch auf dem Acker deponieren und ihn nach zehn Jahren Lagerzeit mit 50 Prozent frischem Torf mischen und wieder verwenden.“

Besserung nach zwei Bädern

Foto: Kzenon/Fotolia.com

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Warum aber soll man sich freiwillig und mit Lust in diesen schwarzen Brei legen, der bis zu 43 Grad warm ist? Gerd Herold, Internist und Arbeitsmediziner: „Weil chronische, nicht entzündliche Gelenkerkrankungen von Wärme profitieren.“ Dazu gehören Krankheitsbilder wie Rheuma, Arthrose, Wirbelsäulen-Schäden, Osteoporose und auch Nachbehandlungen bei Unfällen. Wer akute Entzündungen hat, darf sich nicht in die warme Wanne legen. Fetaj: „Bei akuten Entzündungen sind Kältetherapien anzuwenden.“

Moorbäder bekämpfen nicht die Schmerzursache, sie lindern aber die Pein, und zwar schon deutlich spürbar nach ein bis zwei Anwendungen. Patienten, die in der Regel drei Wochen bleiben, steigen zwischen sechs und neun Mal in die Wanne. Die Wärme, bei der man im Wasser schon mit Verbrennungsgefühlen reagieren würde, fühlt sich im Moorbrei angenehm an. Dass sich in der dicken dunklen Masse Dreck, Bakterien oder Viren entwickeln sollen, laut Shaban Fetaj ein: „Durch die Huminsäure ist der Moorbrei steril.“ Besagte Huminsäure sorgt übrigens auch dafür, dass Moorleichen so schön konserviert werden. Huminsäure entsteht aus den Resten abgestorbener Lebewesen und Pflanzen im Boden.

Das Ottermeer in Wiesmoor – auch aus dieser Gegend wird Torf für die Moorbehandlung geliefert.

Das Ottermeer in Wiesmoor – auch aus dieser Gegend wird Torf für die Moorbehandlung geliefert.

Foto:

Simplicius/Wikimedia

In Moorbädern oder -packungen hat die Säure eine entzündungshemmende Wirkung und hilft auch Patienten mit Neurodermitis, Schuppenflechte oder Allergien. Die Heiltorf-Therapie steht längst auf einer festen naturwissenschaftlichen Grundlage und ihre Wirksamkeit wurde in klinischen Studien belegt.

Die segensreiche Wirkung erkannte schon Paracelsus (1493 bis 1541). Die Heilerfolge dieses Schweizer Arztes, der zudem Alchemist, Astrologe, Mystiker und Philosoph war und eigentlich Bombastus von Hohenheim hieß, sind legendär, bescherten ihm auch beißende Kritik der etablierten Mediziner. Paracelsus hatte bereits das Moor und die im Badetorf enthaltene Huminsäure als Heilmittel empfohlen.

Jeder, der in eine Moor-Wanne steigen will, muss sich vorher gründlich untersuchen lassen, denn Menschen mit fieberhaften Infekten, offenen Wunden, Lungenentzündung, Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck sind für solch ein Bad nicht geeignet. Leichte Krampfadern sind, sofern der Arzt keine Bedenken hat, sind kein Hinderungsgrund – vorausgesetzt, man verlässt die Wanne langsam und behandelt die Beine dann mit kaltem Wasser.

Wann helfen Kältetherapie und Kneipp-Kuren?

Kneipp Wanderweg imago JochenTack63819533h

Auf dem Kneipp Wanderweg in Olsberg im Sauerland gibt es mehrere Trettstellen.

Foto:

imago/Jochen Tack

Womit wir bei der Kältekammer angekommen wären. Denn bei entzündlichen Gelenkerkrankungen darf keine Wärme angewendet werden. Minus 110 Grad herrschen in dem Raum und garantieren einen wunderbaren Effekt: Der Schmerz ist sofort weg. Gerd Herold: „Die Kältekammer-Therapie kann die Zeit von vier bis sechs Wochen überbrücken, bevor die medikamentöse Rheumatherapie wirksam wird. Bei minus 110 Grad werden Rheumaschmerzen unmittelbar gelindert – natürlich nur temporär. Deshalb muss die Therapie mehrfach wiederholt werden.“

Die Anwendungen verteilen sich in der Regel auf bis zu vier Wochen. Wie das Moorbad so ist auch die Kältekammer kein Ersatz für eine spezielle Rheumatherapie. Aber: Schmerzmittel reduziert oder oft ganz abgesetzt werden.

Bevor man beherzt die Kältekammer im Badedress und nicht etwa im wattierten Anorak betritt, wird man in einer Vorkammer bei minus 60 Grad auf die eisigen Temperaturen vorbereitet. Erst wenn Mund, Nase, Ohren, Hände und Füße abgedeckt sind, öffnen sich die Türen. Zwei Minuten dauert die Kammervisite, die man allerdings nicht sitzend auf einem Bänkchen verbringt, sondern „die Patienten müssen tanzen“, so Fetaj. Das heißt: permanent bewegen, damit nichts anfriert. Das überwacht ein Therapeut mit Blick durchs Fensterchen. Den Kältekammer-Kick erlebt man allerdings sofort bei Eintritt. „Ich komme rein und kann sofort gut durchatmen“, so Fetaj. Mehr noch: „Jeder verlässt die Kältekammer euphorisch“ – weil der Positiv-Schock animierend ist. Während nach dem Kältekammer-Besuch bei den Patienten Aktivität angesagt ist, soll man nach einem Moorwannen-Bad ausgiebig ruhen. Aber erst, nachdem man mit eiskaltem Wasser abgespritzt wurde. Immer von unten nach oben, damit das Blut schneller zum Gehirn befördert wird.

Bei Sportlern sind Kältekammer-Besuche ausgesprochen beliebt, denn zusätzlich zu Schmerzlinderung und Abschwellung werden die Muskeln gekräftigt, weil sie kurzfristig mit mehr Sauerstoff versorgt und besser durchblutet werden. Die Kälte zeigt ihre positive Wirkung ebenfalls bei Neurodermitis, Asthma oder auch als therapeutische Nachbehandlung bei künstlichen Hüft- und Kniegelenken sowie bei Menschen mit gestörter Immunabwehr, also jenen, die oft unter Erkältungen oder grippalen Infekten leiden, bei Patienten mit niedrigem Blutdruck oder Antriebsschwäche.

Alternative Kneipp-Kuren

Wer weder ins Moorbad noch in die Kältekammer mag, kann Kneippsche Anwendungen ausprobieren. Das kontrollierte Wassertreten im eisig-kalten Nass dient nicht der Behandlung von Gelenkerkrankungen, sondern stärkt den Kreislauf und den allgemeinen Gesundheitszustand. Die meisten Menschen kennen das aus Besuchen in Thermalbädern, die oft warme und kalte Wasserstraßen zum Treten anbieten oder auch warme und kalte Armbäder. Und wer will, der kann einen kalten Wasserguss à la Kneipp mit einem Schlauch „genießen“.

Mediziner empfehlen nach eingehender Untersuchung manchen Patienten den Wechsel zwischen Wärme- und Kältetherapien – beide kommen den Muskeln zugute. In der Kälte werden sie kurzfristig mit mehr Sauerstoff versorgt und besser durchblutet, in der Wärme des Moorbades entspannt sich die Muskulatur, weil sich die Blutgefäße erweitern. So stark, dass man das durch ein „angenehmes Herzklopfen“ deutlich spürt. Das Herz kann durch „das erweiterte Gefäßsystem etwa die doppelte Menge Blut pumpen, ohne dass es dadurch wesentlich belastet wird“.

In der extremen Wärme des Moorbreis werden zudem die Abwehrkräfte durch Zytokine gestärkt. Das sind Proteine, die das Wachstum der Zellen fördern und die Immunreaktion des Körpers positiv beeinflussen. Durch die Sensibilisierung „immunkompetenter Zellen können Keime und fehlgesteuerte Zellen besser abgewehrt werden“. Das hängt damit zusammen, weil „im Moor Hormone, anti-entzündliche und beruhigende Stoffe enthalten sind, die durch die intakte Haut aufgenommen werden können“. Damit dieser Schutzmantel auf der Haut nach einem Moorbad nicht zerstört wird, darf der Patient nur mit klarem Wasser ohne irgendwelche Zusätze abgeduscht werden.

  1. Moorbäder, Kältekammer oder Kneipp-Kur: Was hilft?
  2. Wann helfen Kältetherapie und Kneipp-Kuren?[4]

Quelle:

www.ksta.de

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