Was tun Altersforscher gegen das Altern? – SPIEGEL ONLINE

„Ich habe nie geraucht. Ich trinke sehr wenig Alkohol. Versuche, mich ausgewogen zu ernähren; viel Fisch, kein Schweinefleisch, Rindfleisch nur, wenn ich weiß, wo es herkommt. Ich treibe mehrmals in der Woche Sport, und ich versuche, regelmäßig sieben bis acht Stunden zu schlafen.“

Christoph Englert, 55, Genetiker am Leibniz-Institut für Alternsforschung in Jena

„Ich vermute leider, dass wir durch Lifestyle-Veränderungen nicht so viel an unserer Lebensspanne ändern können. Aber immerhin habe ich das Rauchen auf eine reine Schnorrer-Existenz reduziert – das ist so peinlich, dass man das nicht häufiger als einmal am Tag tut.“

Sebastian Knell, 50, Philosoph und Autor des Buches „Die Eroberung der Zeit. Grundzüge einer Philosophie verlängerter Lebensspannen“

„20 Liegestütze, 40 tiefe Kniebeugen beim Kämmen und einige andere gymnastische Übungen, die alle großen Muskelgruppen ansprechen – so sieht das Training aus, das ich jeden Morgen nach dem Aufstehen mache, etwa eine Viertelstunde lang. Dabei versuche ich auch, mein Gehirn ein bisschen auf Trab zu bringen und zähle von 700 rückwärts, indem ich 6 abziehe, gefolgt von 7 und dann wieder 6 und so weiter. Wenn das sitzt, nehme ich ein anderes System z.B. minus 9 und minus 7 und so fort. Das ist eine schwierige Konzentrationsübung, und alle paar Tage gelingt mir das nicht. Dennoch halte ich gerade das für sehr effektiv.“

Konrad Beyreuther, 76, Molekularbiologe und Direktor des Netzwerks Altersforschung

„Bei gutem Wetter gehe ich joggen, im Park oder am Rhein, sonst ins Fitnessstudio gleich gegenüber, möglichst drei- bis viermal die Woche, das hält fit. Auf Reisen nehme ich immer meine Laufschuhe mit. Beim Essen konsumiere ich wenig Süßes oder Fettiges. Nach einer Woche Kaffee ohne Zucker schmeckt er nur noch ohne, das ist reine Gewöhnungssache.“

Björn Schumacher, 42, Direktor am Institut für Genomstabilität in Alterung und Erkrankung der Universität zu Köln

„Mein Dreiklang für gesundes Altern: Ich meide gesundheitsgefährdende Laster, achte auf die Ernährung und bin gerne geistig und körperlich aktiv, am liebsten gemeinsam mit anderen. Mich interessiert mein chronologisches Alter nicht und ich stelle mir das Altern nicht nur als Abwärtsspirale vor. Deshalb lautet bei Gesundheitsproblemen meine Devise: Einbußen nicht einfach hinnehmen, sondern schauen, was man selbst dazu beitragen kann, dass es wieder besser wird. Zahlreiche Studien zeigen: Menschen mit einer positiveren Sicht auf das Älterwerden verhalten sich gesundheitsbewusster, bleiben gesünder und leben länger.“

Susanne Wurm, 47, Psychogerontologin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

„Natürlich merke ich, dass ich allmählich langsamer werde und weniger Ausdauer habe. Außerdem kommen mit dem Alter chronische Problemchen. Also mache ich eben etwas, wie Radfahren, Krafttraining, Gymnastik, und schlucke die Pillen, die meine Ärztin mir verordnet. Vor etwa zehn Jahren habe ich Hörgeräte bekommen. Das hat mir damals sehr zu schaffen gemacht: Jetzt bist du alt, jetzt geht es auch im Kopf langsam zurück, die Demenz lauert schon. Das lähmt. Irgendwann habe ich gedacht: Nicht mit mir, ist mir doch wurscht, was alle denken. Das war hilfreich.“

Clemens Tesch-Roemer, 59, Leiter des Deutschen Zentrums für Altersfragen

„Ich versuche, achtsam zu sein, mir keine vorschnellen Urteile zu bilden und immer freundlich zu bleiben. Glücklich wird man, wenn man großzügig ist, liebevoll, authentisch, direkt und offen. Das ist auch ein Rezept, um jung zu bleiben. Das Wichtigste aber ist, den Jahren mehr Leben zu geben. Mehr Jahre folgen dann oft automatisch.“

Ellen Langer, 70, Professorin für Psychologie, Harvard University

„Ich bin möglicherweise der faulste Mensch der Welt. Ich weiß, ich brauche Bewegung. Aber ich will etwas, was nicht länger als täglich fünf Minuten in Anspruch nimmt, wonach ich mich besser, nicht schlechter fühle und was fast nichts kostet. Ich mache ‚Static Contraction Training‘. Das sind isometrische Übungen in ihrer extremsten Form. Ich nehme außerdem Vitamin D3 und Bacopa zu mir. Letzteres soll unter anderem das Kurzzeitgedächtnis verbessern.“

David Gobel, 64, Mitgründer und Chef der Methuselah Foundation und Gründer des Methuselah Fonds, Springfield, Virginia

„Ich befolge die ketogene Diät, also viel Fett, aber kaum Kohlenhydrate. Ich zeichne meine Herzfrequenz und den Schlaf auf. Ich konsumiere außerdem viele Pharmazeutika – ich schlucke täglich zehn Tabletten: den Blutfettsenker Lipitor als Prophylaxe, den Blutzuckersenker Metformin, das Anti-Aging-Medikament ‚Basis‘, B- und D-Vitamine, Fischöl und Aspirin. Ich bin zu Selbstversuchen bereit, lasse aber auch häufig mein Blut untersuchen, um meine Leberenzyme und Nieren zu überwachen. Die Einnahme einiger dieser Tabletten ist nicht risikofrei, wir wissen bisher nichts über die Langzeitwirkungen. Ich fühle mich jünger, aber das könnte auch 100 Prozent Placeboeffekt sein.“

Robert Nelsen, 54, Mitgründer der auf Anti-Aging-Start-ups spezialisierten Risikokapitalfirma Arch Ventures, studierter Biologe, San-Francisco

„Ich tue eigentlich nichts gegen das Altern. Mein Vater ist 94 und hat ein tolles Gedächtnis. Ich hoffe, ich habe seine Erbanlagen geerbt. Ich weiß, dass sich Fettleibigkeit und mangelnde körperliche Ertüchtigung negativ auf meine Lebenserwartung auswirken. Ich betrachte mich als leicht übergewichtig, gehe aber nur ein- bis zweimal die Woche ins Fitnessstudio.“

Joe McCracken, 64, Mitgründer und Chef des Business Development bei Alkahest, einer Firma, die an Medikamenten für gesundes Altern arbeitet, San Bruno, Kalifornien

„Ich fühle mich mit 60 besser als mit 40. Ich achte mehr auf meine Ernährung, mache regelmäßig Sport und schlafe ausreichend. Ich schwimme viel und lege drei- bis viermal die Woche lange Strecken mit dem Mountainbike zurück. Ich esse Mindestmengen an Fleisch, damit ich nicht zu viele Proteine zu mir nehme, langsam wirkende Kohlehydrate und nur gute Fette. Bei Bedarf schlucke ich Nahrungsergänzungsmittel, allerdings angepasst an meine Blutwerte.“

Eric Verdin, 60, Präsident und CEO, Buck Institute for Research on Aging, Novato, Kalifornien

„Es erstaunt mich, wie viele seriöse Wissenschaftler in den USA Medikamente wie den Blutzuckersenker Metformin schlucken. Das Mittel ist zwar relativ sicher, aber ich würde keine Medikamente einnehmen, wenn ich nicht muss. Ich fahre lieber viel Rad. Wir kochen und essen normal. Und wenn ich ‚kochen‘ sage, meine ich, dass wir nicht einfach nur Essen in die Mikrowelle schieben.“

Tony Wyss-Coray, 52, Professor für Neurologie, Stanford University, Mitgründer der Firma Alkahest, die einer Firma, die an Medikamenten für ein gesundes Altern arbeitet, Stanford, Kalifornien

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