Antibiotika in MV oft falsch verordnet – svz.de

Deutsche Ärzte verschreiben noch immer zu viele Antibiotika – und gefährden damit deren Wirksamkeit. Mecklenburg-Vorpommern bildet dabei keine Ausnahme: Wie die Techniker Krankenkasse (TK) in Schwerin unter Bezug auf ihren aktuellen Gesundheitsreport mitteilt, haben Ärzte hierzulande 2016 bei Erkältungen in 28,4 Prozent aller Fälle Antibiotika verordnet. Spitzenreiter sind Mediziner im Saarland, die 37,6 Prozent der erkälteten Patienten entsprechende Medikamente verschrieben. In Bremen dagegen erhielten nur 20,8 Prozent ein entsprechendes Rezept. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 26,7 Prozent.

Das Problem: „Bei unkomplizierten Erkältungskrankheiten ist die Einnahme eines Antibiotikums in der Regel nicht sinnvoll“, so TK-Sprecherin Heike Schmedemann. „90 Prozent der Erkältungen mit Symptomen wie Schnupfen, Husten und Halsschmerzen werden durch Viren hervorgerufen, gegen die Antibiotika machtlos sind.“ Lediglich bei Nasennebenhöhlenentzündungen empfehle die aktuellste ärztliche Leitlinie, Antibiotika einzusetzen, aber auch hier nur in Ausnahmefällen.

Die Zahlen der Krankenkasse belegen, dass das ärztliche Verschreibungsverhalten bereits sensibler geworden ist. So wurden 2014 in MV noch 34,1 Prozent der Patienten, die erkältungsbedingt krankgeschrieben waren, Antibiotika verordnet – 5,4 Prozent mehr als 2016. Nicht selten sind es die Patienten selbst, die eine entsprechende Verordnung regelrecht einfordern, weiß die Leiterin der TK-Landesvertretung, Manon Austenad-Wied. Aus Gesprächen mit Ärzten des TK-PraxisNetzes MV wisse sie auch, dass es für die Mediziner oft sehr mühsam ist, Patienten zu erklären, dass Antibiotika nicht immer angebracht sind. „Eine unbegründete Verordnung von Antibiotika kann aber zur Resistenzbildung führen“, warnt Austenad-Wied, „es können sich multiresistente Erreger bilden, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken.“

Und: „Andere Infektionen, die bakteriell verursacht sind können dann nicht mehr wirksam bekämpft werden“, erläutert Prof. Attila Altiner, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeinmedizin an der Rostocker Universität. Hier setzt ein zu Jahresbeginn gestartetes gemeinsames Projekt mit dem Ersatzkassenverband vdek an, in dem niedergelassene Ärzte für eine optimierte Antibiotika-Versorgung und die dafür notwendigen Patientengespräche geschult werden. Ziel sei ein sowohl hinsichtlich der Menge als auch hinsichtlich der eingesetzten Substanzen optimierter Antibiotika-Einsatz, so vdek-Sprecher Dr. Bernd Grübler.

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von Karin Koslik
erstellt am 30.Jun.2017 | 05:00 Uhr

Quelle:

www.svz.de

Fußnoten:

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