„Eine paradoxe Situation“ – Oberbayerisches Volksblatt

Ramerberg – Schon früh wusste Thomas Wimmer, dass er Arzt werden wollte.

Zur Homöopathie brachte ihn eine Begegnung im Zivildienst. Ein Pfleger im Krankenhaus, in dem Wimmer seinen Wehrpflicht-Ersatzdienst ableistete, war ein begeisterter Homöopath. Der bereitete sich damals gerade auf die Heilpraktikerprüfung vor und brachte Wimmer die alternative Heilmethode so authentisch und stimmig nahe, dass er sich schon vor dem Studium mit Homöopathie zu beschäftigen begann. Und bereits zur Abschlussprüfung seines Medizinstudiums war er mit der Heilmethode Samuel Hahnemanns so vertraut, dass er 1998 seine erste Praxis als praktischer Arzt und Homöopath eröffnen konnte. Seit 2003 nun ist er in Ebersberg und Zellerreit mit einer Praxis vertreten.

Vor sieben Jahren etwa entstand der Wunsch, homöopathisch etwas für die Bienen zu tun. Wimmer wurde Imker. Er schloss sich dem Bioverband Demeter an und imkert seither auf biologisch dynamische Weise. „Ich wollte etwas für die Bienen tun, gerade wegen der Varroamilbe und weil sie ohne die Hilfe des Menschen längst ausgestorben wären.“

Die Biene kann nicht mehr alleine überleben, sie würde verhungern, weil die heutige Landwirtschaft die Blühpflanzen dermaßen verringert hat, dass die Bienen nicht genügend Nahrung finden. Auch in der Siedlung, in der Dr. Wimmer wohnt, gibt es für die zwei Völker, die in seinem Garten leben, keine Lebensgrundlage mehr. Und das ist nur ein Beispiel. Die Gärten sind zu Tode gepflegt. Es gibt keine wirklichen Nektarpflanzen mehr. „Wir müssen zufüttern. Dasselbe gilt für meine 21 Völker in Eschelbach. Die stehen zwar in einer Gärtnerei und neben einer Streuobstwiese, aber auch hier muss ich 20 bis 30 Kilogramm Zucker pro Volk und Jahr zufüttern“, erklärt der Zweite Vorsitzende des Imkervereins in Ramerberg. Ein Volk braucht ungefähr zwei Hektar Blütenpflanzen.

Mit Vorträgen und Beiträgen in Fachzeitschriften versucht Wimmer, auf das Problem aufmerksam zu machen. Es würde schon eine große Verbesserung darstellen, wenn die Bauern zum Beispiel um ihre Maisfelder einen Blühstreifen aus Sonnenblumen pflanzen würden. „Das Interesse für solche Veränderungen bei den Bauern ist schon da“, so der Bienenfreund, „aber scheinbar sind die Landwirte finanziell so eng gestellt, dass sie diesen kleinen Mehraufwand nicht stemmen können.“

Nicht nur das verminderte natürliche Nahrungsangebot macht der Biene zu schaffen, auch die Varroamilbe. Dieser aus Asien eingeschleppte Parasit erschwert den europäischen Bienen das Leben zusätzlich.

„Ich kenne einen Berufsimker aus Augsburg, der fährt seine Völker jedes Frühjahr nach Berlin zur Lindenblüte.“ Thomas Wimmer

Hauptsächlich behandeln Imker die Milbe im Sommer mit Ameisensäure, im Winter mit Oxalsäure und mit diesen beiden organischen Säuren kommt man laut Dr. Wimmer auch ganz gut klar. Wenn diese Säuren richtig eingesetzt werden, bleiben auch keine Rückstände im Honig. Ganz anders, wenn mit der chemischen Keule dagegen vorgegangen werde. Hier bleibe immer ein Rest im Honig.

Wimmer hat noch einen ganz anderen interessanten Ansatz, mit der Milbe umzugehen – die Veraschung. Rudolf Steiner (1861 – 1925) – der große Lehrer der Anthroposophie – stellte in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in seinen landwirtschaftlichen Vorträgen unter anderem diese Methode vor. Die Empfehlung Steiners war, zur Regulierung von Unkraut und tierischen Schädlingen die Schädlinge zu verbrennen und die Asche wie Pfeffer zu verstreuen. Versuche gab es dahingehend schon mit Wildschweinen und Wühlmäusen, wie Dr. Wimmer erzählt. „Dort, wo das verbrannte Fell von den Schweinen ausgebracht wurde, halten sich die Schweine zurück, meiden das Gebiet. Ebenso verhalten sich die Wühlmäuse.“ Wimmer überträgt diese Vorgehensweise auf seine Bienen. Er sammelt die Milben aus seinen Bienenstöcken ein und verbrennt sie zusammen mit ein wenig Holz im Holzofen, mörsert anschließend das Verbrannte klein und füllt es in einen Salzstreuer. In regelmäßigen Abständen bestreut er damit seine Bienenstöcke. 20 bis 30 Prozent ist der gängige Verlust durch die Varroamilbe – bei Wimmer reduzierte sich dieser mit der Behandlung durch Veraschung auf 0,9 Prozent, behauptet er. „Um hier von einem gesicherten Erfolg zu sprechen, sei es noch zu früh“, so der Imker, „aber immerhin können wir schon eine Verbesserung feststellen.“

Die Imkerei erfährt in den letzten Jahren einen Boom – gerade in den Städten. „Eine paradoxe Situation“, erklärt Wimmer kopfschüttelnd, „es dreht sich alles um. In den Städten finden die Bienen mittlerweile mehr Nahrung als auf dem Land. Ich kenne einen Berufsimker aus Augsburg, der fährt seine Völker jedes Frühjahr nach Berlin zur Lindenblüte.“ Stadtbienen können ganz alleine für ihre Nahrung sorgen und müssen nicht zugefüttert werden – sie sind alleine überlebensfähig.

Thomas Wimmer wird seine Bienenvölker reduzieren, stellt sich doch für ihn die Frage, ob die Imkerei mit dieser immensen Zufütterung so noch Sinn macht. Grundsätzlich sei es für jeden Menschen aber „sinnmachend“, sich mit diesen Geschöpfen zu beschäftigen. Deswegen unterstützt er auch in seinem Verein die Imkerei auf Probe. Hier bekommen Menschen, die dies versuchen möchten, einen erfahrenen Imker zur Seite gestellt, der bei der Betreuung eines kleinen Bienenvolkes im eigenen Garten unterstützt. Nach einem Jahr kann man entweder das Volk behalten und weiter imkern oder es an den Verein zurückgeben. Wenn der Bienenstock zum Beispiel in der Nähe eines Obstgartens steht, kann es für den Anfänger schon um die zehn Kilo Honig als Ertrag geben. Durchschnittlich bringt ein Volk 20 Kilogramm Honig, bei Berufsimkern, die mit ihren Völkern umherwandern, können das auch 50 Kilogramm pro Volk sein.

„Schön wäre es“, so Wimmer, „wenn wir es schaffen könnten, die Biene so zu unterstützen, dass sie sich alleine gesund erhalten kann und auch alleine überlebensfähig ist.“ Und das würde auch den Menschen zugutekommen, denn Honig ist ein wertvolles Lebens- und auch Heilmittel.

Kurz und bündig

Steckbrief

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Fußnoten:

  1. ^ Wasserburg (www.ovb-online.de)
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