„Es gibt viele Wege zur Heilung“ – Vorarlberger Nachrichten

Lech. (VN-mm) Sie können nicht miteinander, sollten es zum Wohle der Patienten jedoch tun. Diese Forderung zog sich wie ein roter Faden durch das Medicinicum, das unlängst bereits zum vierten Mal in Lech abgehalten wurde. Nationale und internationale Experten beschworen einhellig die Ökomene zwischen Schul- und Komplementärmedizin. Das Fehlen selbiger wurde als Hauptgrund dafür genannt, dass sich immer mehr Menschen von der Schulmedizin ab- und sich alternativen Heilmethoden zuwenden. Selbst Primar Reinhard Haller konstatierte, es gebe viele Wege zur Heilung, auch solche, die nicht greifbar sind. „Wer heilt, hat recht“, zitierte er dazu Hippokrates.

Vakuum aufgefüllt

Die Hinwendung zu nicht schulmedizinischen Heilverfahren ist einer der großen Trends dieser Zeit. Ayurveda, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und andere alternative Formen verzeichnen einen enormen Zulauf. „Weil die Schulmedizin zu wenig Zeit für ihre Patienten hat und es an der Kommunikation mangelt“, dozierte Prof. Hartmut Schröder. Dieses Vakuum würden die Traditionelle Chinesische Medizin und andere östliche Systeme auffüllen, die sich laut Schröder zudem die Konzepte der Lebenskraft und der Alltagserfahrung zunutze machen. Denn: „Patienten wollen sich in erster Linie verstanden fühlen.“ Und Informationen würden auf den Körper wirken, obwohl das Wie wissenschaftlich nicht erfasst sei. Dennoch betonte Schröder: „Es geht nicht um entweder oder, sondern um sowohl als auch.“ Beide Systeme würden sehr viel können. „Zusammen könnten sie noch mehr“, lautete seine Botschaft. Wie Hartmut Schröder überhaupt überzeugt war, dass eine Mischung von unterschiedlichen Medizinsystemen die Zukunft im Gesundheitswesen sein wird.

Prof. Johannes Huber, neben Prof. Markus Metka der zweite medizinische Leiter des Medicinicums, tauchte in seinen Vorträgen zwar ebenfalls in das Unerklärliche der Heilung ein, brach aber auch eine Lanze für die Errungenschaften der Schulmedizin. Er verwies auf die Erfindung des Penicillins, das Millionen von Menschen das Leben gerettet habe. Huber warnte außerdem davor, bei akuten Erkrankungen, die etwa eine Operation erfordern, auf eine schulmedizinische Behandlung zu verzichten. In der Rehabilitationsphase könnten dann aber sehr wohl alternative Methoden einbezogen werden.

Sorge um Psychiaterberuf

Sehr kritisch äußerte sich Primar Reinhard Haller über den Medizinerstand. Das gänzliche Fehlen von Spiritualität und das Ignorieren von Unwissenschaftlichem bezeichnete er als schweren Mangel der Schulmedizin. Besonders die Empathie komme in der Apparatemedizin viel zu kurz. Die Patienten ernstnehmen und das Eingehen auf ihre Bedürfnisse sind laut dem Leiter des Suchtkrankenhauses Maria Ebene zentrale Elemente einer guten Medizin. Der Beruf des Psychiaters, den er als Generalist titulierte, stellt seiner Ansicht nach am ehesten noch die Synthese zwischen Heiler, Schamane, Priester und Arzt, so der Titel seines Vortrags, dar. „Er ist Mediziner, Psychologe, Soziologe, Philosoph und Kriminologe“, listete Haller auf. Gleichzeitig sorgt er sich um den Weiterbestand dieser ärztlichen Disziplin, deren Aufgaben immer mehr von anderen Disziplinen übernommen würden.

Quelle:

www.vn.at

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