Gesundheit: Lässt sich ADHS durch diese Diät behandeln? – Heilpraxisnet.de

Kinder- und Jugendpsychiater empfehlen spezielle Diäten zur Linderung von ADHS
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen, kurz ADHS, werden bei relativ vielen Kindern und Jugendlichen festgestellt und nicht selten erfolgt eine medikamentöse Behandlung der Betroffenen. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg haben nun festgestellt, dass auch bestimmte Diäten zur Linderung von ADHS beitragen können.

Die Freiburger Forscher untersuchen, inwiefern eine Vermeidung einzelner Lebensmittel bei Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)[1] die Symptome lindern kann. Erste vielversprechende Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit liegen nun vor. Durch spezielle Diäten kann demnach tatsächlich Einfluss auf das Beschwerdebild genommen werden. Allerdings handelt es sich um eine individuell sehr unterschiedlich gestaltete Diät.

Bei ADHS könne bestimmte Lebensmittel die Symptomatik verstärken. Anhand einer speziellen Diät lassen sich diese Lebensmittel identifizieren und durch ihre Meidung ist eine deutliche Besserung des Beschwerdebildes erreichbar. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Bestimmte Lebensmittel vermeiden, um ADHS zu lindern
Kindern mit ADHS fällt es schwer, sich auf eine Sache zu konzentrieren, sie sind meist sehr impulsiv, hyperaktiv und unruhig, erläutern die Experten. Häufig haben die Kinder infolge ihres Verhaltens im Alltag vermehrte Konflikte und Probleme. Das Forscherteam um Professor Dr. Christian Fleischhaker, Leitender Oberarzt in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter des Universitätsklinikums Freiburg, untersucht derzeit in einer deutschlandweit einzigartigen Studie, ob die Vermeidung einzelner Lebensmittel bei ADHS die Symptome lindern kann.

Stoffe in Nahrungsmitteln verstärken die Symptomatik
Ausgelöst wird ADHS durch eine neurobiologische Funktionsstörung im Gehirn, wobei verschiedene Stoffe in Nahrungsmitteln die Symptome verstärken können, erklären die Forscher. Anhand einer speziellen Diagnosediät lasse sich herausfinden, „ob und welche Lebensmittel bei Kindern zwischen sieben und achtzehn Jahren mit ADHS“ zu einer Verstärkung der Symptome beitragen. Diese sogenannte oligoantigene Diät könne zu einer erheblichen Linderung der Symptomatik beitragen.

Diät in zwei Phasen
Für die spezielle Diät werden zunächst vier Wochen lang alle Lebensmittel gemieden, die prinzipiell ADHS fördern können, berichten Prof. Fleischhaker und Kollegen. Im nächsten Schritt (Wiedereinführungsphase) werden die Lebensmittel einzeln wieder in die Ernährung aufgenommen. Auf diese Weise könne genau ermittelt werden, auf welches Lebensmittel die Kinder reagieren. Die zweite Phase dauere in der Regel drei bis vier Monate. „Die oligoantigene Diät ist auf jeden Patienten speziell zugeschnittenen. Das Ziel ist es, einzelne unverträgliche Lebensmittel zu identifizieren“, so Fleischhaker. Häufig seien gleich mehrere Lebensmittel feststellbar, die bei den Kindern Symptome auslösen. Diese Lebensmittel sollten anschließend konsequent vom Speiseplan gestrichen werden.

Unverträgliche Lebensmittel identifizieren
„In der Phase der oligoantigenen Diät finden wir heraus, ob überhaupt eine Lebensmittelunverträglichkeit zu den Symptomen der ADHS beiträgt“, erläutert Professor Fleischhaker. In der anschließenden Wiedereinführungsphase zeige sich dann, welche Lebensmittel letztendlich dafür verantwortlich sind. „In dieser Phase werden einzelne Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen nach und nach auf ihre Verträglichkeit untersucht“, so der Studienleiter weiter. Für jedes Kind zeige sich hier eine ganz individuelle Lebensmittelverträglichkeit.

Deutliche Linderung der Symptomatik erreichbar
Die Forscher berichten, dass mit Hilfe der Diät bei den 24 Kindern, die bisher an der Studie teilgenommen haben, eine deutliche Verbesserung der ADHS-Symptomatik erreicht wurde. Um mehr als 40 Prozent seien die Symptome bei rund 60 Prozent der Kinder zurückgegangen. Dabei war „die Liste der beobachteten Unverträglichkeiten lang, und jedes Kind hat sein eigenes Unverträglichkeitsprofil“, so Prof. Fleischhaker. Das Spektrum der betroffenen Lebensmittel reiche von Milch über Getreide, einige Gemüse- oder Obstsorten bis hin zu künstlichen Farbstoffen. Bei einer sehr individuellen oligoantigenen Diät seien zum Beispiel ausgewählte Obst- und Gemüsesorten, manche Getreidearten, Reis und Kartoffeln, aber auch zwei Geflügelsorten oder Lamm erlaubt, während Kuhmilch, Eier, Fisch, Soja und Nüsse jedoch tabu bleiben.

Kein zwangsläufiger Verzicht auf Genuss
Als wesentlichen Vorteil der speziellen Diät nennen die Experten, dass Kinder hierbei nicht auf wertvolle Lebensmittel verzichten müssen, welche allgemein im Verdacht stehen, ADHS zu fördern, aber gegebenenfalls bei dem einzelnen Kind überhaupt keinen negativen Einfluss haben. Auch bedeute die Diät keinen Verzicht auf Genuss. „Wir stellen zahlreiche Rezepte zur Verfügung, die als wirklich tolle Alternativen genutzt werden können“, betont der Studienleiter. Wie streng die Kinder die unverträglichen Lebensmittel meiden, liege zudem in ihrer eigenen Verantwortung. Bei Verzehr eines unverträglichen Lebensmittels sei allerdings meist recht zeitnah ein Wiedereinsetzen der Symptome festzustellen. „Nach Wiedereinhaltung der Empfehlung bessern sich die Symptome aber nach kurzer Zeit erneut“, so Professor Fleischhaker weiter. (fp)

Fußnoten:

  1. ^ Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (www.heilpraxisnet.de)
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