Eine Frage Des Stils: Wer nicht(s) hören will…

Wer sich im öffentlichen Raum bewegt, wird heute regelmäßig von anderen Menschen mit akustischen Reizen aller Art versorgt. Musik aus dem Smartphone des Sitznachbarn in der Bahn kann dabei ebenso nerven wie Telefonate, die man nicht belauschen mag. Da hilft nur Widerspruch. Notfalls laut.

Neulich im Fitnessstudio. Bettina fühlte sich beim Umziehen nach dem Training entspannt und mit der Welt im Reinen. Bis eine andere Sportlerin die Umkleide betrat und wohl beschloss, dass sie ohne angemessene Beschallung keinesfalls in ihr Fitness-Outfit schlüpfen könne. Und so dröhnte aus den (überraschend leistungsstarken) Lautsprechern ihres Smartphones bald ein Schlager, der ihr sichtlich Freude, Bettina aber Bauchschmerzen verursachte. Sagen mochte sie trotzdem nichts.

Hätte sie’s mal ruhig gemacht! Es wird ja häufig schon problematisch, wenn es um den angemessenen (physischen) Abstand zu einer anderen Person geht. Aber dass es auch nicht in Ordnung ist, Mitmenschen akustisch auf die Pelle zu rücken, ist für viele noch schwerer einsehbar. Nach dem Motto: Meine Lieblingsmusik mag doch jeder! Und mein privates Telefonat mit Oma ist meine Sache! Nur dass das leider ein Trugschluss ist, und bei Telefonaten anderer nervt ja oft noch besonders, dass man sich bei Interesse die Hälfte der zwangsweise belauschten Konversation dazudichten muss.

Wenn Sie also selbst gern in der Bahn Musik hören oder eine Folge Ihrer Lieblingsserie auf dem Laptop ansehen: Setzen Sie Kopfhörer auf und testen Sie vor dem ersten Einsatz, wie viel nach außen dringt. Wo Kopfhörer nicht gehen: Verzichten Sie. Oder fragen Sie (bei kleinen Gruppen) die Anwesenden, ob sie sich gestört fühlen. Wenn alle Lust auf „Kuschelrock 99“ haben, spricht nichts dagegen – knappe Mehrheitsentscheidungen reichen da aber nicht. Der eigene Balkon ist ein Sonderfall: Hier dürfte Zimmerlautstärke ein Richtwert dafür sein, was okay ist – je nach baulichen Gegebenheiten. Umgekehrt dürfen Sie natürlich andere immer freundlich um Ruhe bitten, wenn Sie sich gestört fühlen. Schwierig werden kann das leider bei der Beschallung im Supermarkt, die wieder mehr in Mode zu kommen scheint. Immerhin wird hier meist auf dezente Lautstärke und gut ausblendbare Musik gesetzt!

Telefonate in der Supermarkt-Schlange sollte man leise führen und sehr kurz halten; allzu private Themen gehören eh nicht in die Öffentlichkeit. Eine Freundin von mir pflegt in solchen Fällen übrigens gern den Telefonierenden freundlich anzutippen und dann nicht allzu leise etwas zu sagen wie: „Vielleicht müsste Ihre Tante nur mal eine andere Hämorrhoiden-Salbe ausprobieren.“ Meist scheint den Angesprochenen dann klar zu werden, dass sie keine schallschluckenden Wände um sich haben. Die Lösung eignet sich trotzdem nur für Mutige – und in schweren Fällen.

Haben Sie eine Frage des Stils? Dann mailen Sie an: stilfrage@rheinische-post.de[1]

Quelle: RP

Fußnoten:

  1. ^ stilfrage@rheinische-post.de (www.rp-online.de)
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