Gesundheit: Hebammen beklagen Notlage und erwarten Hilfe vom Land – FOCUS Online

Zu wenig Ausbildungsplätze, immer mehr gehen in Ruhestand, zu hohe Versicherungsprämien – Brandenburger Hebammen klagen über massive Probleme. Und verlangen schnelle Abhilfe.

Brandenburgs Hebammen schlagen zum wiederholten Mal Alarm: Zwischen Elbe und Oder gebe es bei steigenden Geburtenzahlen immer weniger von ihnen. „Das ist nicht mehr zu verantwortbar“, sagte die Vorsitzende des Landeshebammenverbandes, Martina Schulze, am Donnerstag in Fürstenwalde. Zwar würden in den Kliniken keine Frauen wegen des Mangels abgewiesen, aber es kämen dort statistisch auf eine Kollegin mehr als drei hochschwangere Frauen.

„Wenn die Hebammen in Kliniken wegen hohen Geburtenaufkommens die Kreißsäle nicht verlassen können, übernehmen Schwestern die Kindererstversorgung“, berichtete Schulze. Gemäß der nach wie vor geltenden Reichsversicherungsordnung dürften nur Hebammen Geburten leiten; bei Komplikationen werde ein Arzt hinzugerufen. Auch in der Nachsorge gebe es große Probleme: Frauen müssten sich schon kurz nach dem Bekanntwerden der Schwangerschaft um einen Platz kümmern.

Als eine Ursache nannte Schulze, dass sich immer mehr Hebammen in den Ruhestand verabschiedeten und zu wenig neue ausgebildet würden. „Alle drei Jahre werden in Cottbus 15 neue Hebammen ausgebildet“, sagte die Landesvorsitzende der Bündnisgrünen, Petra Budke. Das Land stehe klar in der Pflicht, hier die Kapazitäten zu erhöhen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür gekommen, weil die Hebammen-Ausbildung bis zum Jahr 2020 laut EU akademisiert werden muss, sagte Schulze. „Die Ausbildung endet dann mit einem Bachelor-Abschluss.“

Nach Angaben des Brandenburger Gesundheitsministeriums waren Ende 2015 in den 25 Kliniken 207 angestellte sowie 43 sogenannte freie Beleg-Hebammen beschäftigt, die die Infrastruktur des Krankenhauses nutzen dürfen. Zudem gebe es vier Geburtshäuser in Eberswalde, Potsdam und Wendisch-Rietz. Rund 400 Hebammen arbeiten laut Ministerium in eigenen Praxen.

Ein seit langem beklagtes Problem freier Hebammen sind hohe Haftpflicht-Prämien. Diese könnten die Geburtshelferinnen nicht allen schultern, sagte Budke. Ihre Partei favorisiere hierfür ein öffentliches Modell ähnlich der gesetzlichen Unfallversicherung. Auch Kommunen könnten sich im Rahmen der Daseinsvorsorge an den Kosten für Geburtshilfepraxen beteiligen. „Alle wollen mehr Kinder. Dann muss man uns auch helfen“, bemerkte Verbandschefin Schulze.

Quelle:

www.focus.de

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