Smoothies, grüne – Öko Test

23.02.2017 | Als Mutter aller grünen Smoothies gilt die Amerikanerin Victoria Boutenko. Als sie und ihre Familie sehr krank waren, die Ärzte aber nicht helfen konnten, machte sie sich auf die Suche nach einer alternativen Heilmethode. In ihrem Buch mit dem Titel „Raw Family – A True Story of Awakening“ beschreibt Boutenko, wie sie die Ernährung der Familie zunächst auf Rohkost umstellte. Doch sie wollte mehr tun und begann sich mit grünen Blattsalaten zu beschäftigen. Dabei entdeckte sie, dass Schimpansen neben Obst viele grüne Blätter fressen und nie krank sind. Aufgrund der genetischen Übereinstimmungen zwischen Schimpanse und Mensch folgerte sie, dass auch die Menschen den grünen Blattgemüsen mehr Beachtung schenken sollten. Da aber viele der gewünschten Zutaten auch nach dem Kauen schwer verdaulich blieben, kam alles in den Mixer: Der grüne Smoothie war erfunden.

Soweit die Glaubenslehre von Victoria Boutenko. Fakt ist, dass grüne Smoothies heute in nahezu jedem Supermarkt zu finden sind. Die Anteile an grünem Gemüse variieren dabei von wenigen Prozent bis weit über die Hälfte. Je mehr Obst enthalten ist, desto süßer und smoother ist das Ergebnis und desto eher greifen auch Einsteiger zu. Vor allem Äpfel und Bananen gleichen unangenehme Bitternoten aus. Sie sorgen auch für eine gewisse Sämigkeit. Spinat, Grünkohl und Gurke sind beliebte grüne Zutaten. Manchmal wird auch Rote Bete verarbeitet – dann ist der Smoothie rot.

Wie Smoothies beschaffen sein sollen, ist bislang rechtlich nicht definiert. So überrascht es nicht, dass auch Zutaten mit „Zusatznutzen“ untergemischt werden, etwa Pulver aus der Spirulina-Alge, Matcha-Tee oder Weizengrasextrakt. Der Trick: Manche dieser Pflanzenpulver lassen sich als sogenanntes Superfood oder Vitaminquelle bewerben, verstärken aber zugleich die grüne Farbe. Einige Produzenten kennzeichnen den Zusatz von Spirulinaextrakt denn auch als „färbendes Lebensmittel“. Zwingend erforderlich ist das nicht. Steht der Zusatznutzen im Vordergrund, dann muss der Hersteller die färbende Wirkung nicht deklarieren.

Unabhängig davon gelten grüne Smoothies als besonders gesund. Dafür soll unter anderem der hohe Gehalt an Chlorophyll verantwortlich sein. So habe das Blattgrün in Tierstudien eine krebsvorbeugende Wirkung gezeigt. Professor Dr. Bernhard Watzl vom Max-Rubner-Institut kann den Hype um das Chlorophyll nicht nachvollziehen. „Chlorophyll gehört zu den sekundären Pflanzenstoffen, ist aufgrund seiner chemischen Struktur aber nicht wichtiger als andere und sollte deshalb nicht besonders hervorgehoben werden.“ Derzeit kennen Wissenschaftler 5.000 bis 10.000 Vertreter dieser Pflanzenstoffe. Sie sind nicht lebensnotwendig, können aber vielfältige gesundheitsfördernde Wirkungen entfalten.

Reichlich von diesen Stoffen steckt in einer pflanzenbetonten Ernährung – neben zahlreichen Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät daher zu fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag – rund 250 Gramm Obst und 400 Gramm Gemüse wären optimal. Was kann ein Smoothie in diesem Zusammenhang leisten? Echte Jünger rechnen so: „Mit nur einem grünen Smoothie in der Menge von 750 ml nimmst du bereits drei bis vier Portionen Obst und Blattgemüse zu dir“, ist etwa auf dem Informationsportal http://www.gruene-smoothies.info nachzulesen. Dem kann Professor Watzl durchaus zustimmen. „Ist der Smoothie selbst hergestellt, enthält er alle Bestandteile der pürierten Früchte und Gemüse.“ Kommerzielle Smoothies könnten dagegen täglich nur eine der fünf Portionen ersetzen.

Wir wollten wissen, warum das so ist, und haben 20 grüne Smoothies beispielhaft auf Vitamin C und Ballaststoffe prüfen lassen. Weitere Untersuchungen betrafen den Geschmack sowie Schadstoffe wie etwa Pestizide und Nitrat.

Das Testergebnis

Bunte Mischung. So bunt wie die Zutaten der untersuchten Produkte sind, so unterschiedlich fallen die Noten aus. Von Dunkelgrün („sehr gut“) bis Dunkelrot („ungenügend“) ist alles dabei. Im Einzelnen schneiden sechs Produkte mit „sehr gut“ oder „gut“ ab, drei fallen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ hingegen durch. Im Mittelfeld halten sich „befriedigende“ und „ausreichende“ Gesamtnoten die Waage.

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