Deutsche Schäferhunde leiden fürs Aussehen – n-tv.de NACHRICHTEN

Wissen

Anfangs wurden die Deutschen Schäferhunde auf mittlere Größe als Hütehund gezüchtet. Für spätere Rollen als Wach- und Polizeihund setzte man dann mehr auf Größe. Anfangs wurden die Deutschen Schäferhunde auf mittlere Größe als Hütehund gezüchtet. Für spätere Rollen als Wach- und Polizeihund setzte man dann mehr auf Größe.(Foto: picture alliance / dpa)

Samstag, 29. Juli 2017

Der Deutsche Schäferhund ist eine der beliebtesten Hunderassen weltweit. Ihr Aussehen hat sich in den vergangenen 100 Jahren verändert – mit Folgen für ihre Gesundheit. Eine Studie zeigt, weshalb die Hunde meist zum Tierarzt müssen.

Die Anfälligkeit Deutscher Schäferhunde für Probleme mit dem Bewegungsapparat wie etwa Hüftdysplasien oder Überwinkelung der Hinterhand ist bekannt. Nun zeigt eine große Studie, wegen welcher Beschwerden sie meist zum Tierarzt müssen. Dazu nutzten die Forscher um Dan O’Neill vom Royal Veterinary College im englischen Hatfield die Akten von britischen Tierarztpraxen. Die Forscher berichten auch, dass die Beliebtheit Deutscher Schäferhunde mancherorts sinkt – aber nicht überall. Diverse Projekte sollen nun die Gesundheit Deutscher Schäferhunde bessern, betont Heinrich Meßler, Präsident der Weltunion für Deutsche Schäferhunde.

Der Deutsche Schäferhund wird gern als Blindenführhund genutzt. Der Deutsche Schäferhund wird gern als Blindenführhund genutzt.(Foto: imago/JOKER)

„Der Deutsche Schäferhund ist eine der beliebtesten Hunderassen weltweit und wird viel genutzt als Hüte- und Wachhund, für Polizei und Militär und als Blindenhund“, schreiben die Forscher im Fachblatt „Canine Genetics and Epidemiology“. Die Zuchtkriterien hätten sich über die Jahrzehnte verändert – mit klaren gesundheitlichen Folgen.

Auswertung von Akten von Tierarztpraxen

Um die Probleme zu ermitteln, werteten die Forscher die Akten von 430 Tierarztpraxen im Jahr 2013 aus. Insgesamt wurden dort mehr als 12.000 Deutsche Schäferhunde behandelt. Wurden die Tiere eingeschläfert, vermerkten die Unterlagen als Ursache meist Störungen des Bewegungsapparats (gut 16 Prozent) und Unfähigkeit, sich auf den Beinen zu halten (knapp 15 Prozent). Danach folgten Tumore (14,5 Prozent) und Wirbelsäulenprobleme (knapp 14 Prozent). In 19 Prozent der insgesamt 272 Fälle gab es keine Angaben. Das Alter der Tiere lag demnach im Schnitt bei 10,3 Jahren.

Häufigster Grund für Tierarztbesuche waren Entzündungen am Außenohr (8 Prozent), gefolgt von Arthrose (5,5 Prozent), Durchfall (5,2 Prozent), Übergewicht (5,2 Prozent) und Aggressivität (4,8 Prozent).

„Durch Überzüchtung entstandene Gesundheitsprobleme“

In seiner namensgebenden Funktion - als Schäferhund, mit Schäfer und Herde. In seiner namensgebenden Funktion – als Schäferhund, mit Schäfer und Herde.(Foto: imago/blickwinkel)

„Deutsche Schäferhunde sind Berichten zufolge die Rasse mit der zweithäufigsten durch Überzüchtung entstandenen Zahl von Gesundheitsproblemen – nach Dänischen Doggen“, wird O’Neill in einer Mitteilung des Verlags zitiert. „Die Daten zur Primärversorgung in Tierarztpraxen bieten ein besseres Bild über die Probleme, die diese Rasse betreffen.“

Anfangs, so die Autoren, seien die im späten 19. Jahrhundert entstandenen Deutschen Schäferhunde auf mittlere Größe als Hütehund gezüchtet worden. Für spätere Rollen als Wach- und Polizeihund habe man dann mehr auf Größe gesetzt. In den vergangenen Jahrzehnten hätten Züchter mit Blick auf Hundeschauen stärker auf äußere Merkmale wie insbesondere eine nach hinten abfallende Rückenlinie gesetzt.

„Als die Funktion der Rasse sich von einem Leistungshund zu einem Heimtier wandelte, mag sich der Fokus der Zuchtmerkmale von funktionellen Eigenschaften hin zum Aussehen verschoben haben, mit einer verstärkten Anfälligkeit für Erberkrankungen“, schreiben sie und nennen etwa Hüftdysplasie, Sarkome und Probleme der Bauchspeicheldrüse.

An Beliebtheit eingebüßt

Verspielt: ein drei Monate alter Schäferhund-Welpe. Verspielt: ein drei Monate alter Schäferhund-Welpe.(Foto: imago/blickwinkel)

Insgesamt habe die Rasse vielerorts an Beliebtheit eingebüßt. In Großbritannien sank der Anteil Deutscher Schäferhunde bei registrierten Tieren von 4,5 Prozent im Jahr 2007 auf 3,4 Prozent 2016. In Australien fiel er von 6,6 Prozent im Jahr 2000 auf 5,0 Prozent 2016. Die umgekehrte Entwicklung verzeichnen demnach die USA: Dort stiegen Schäferhunde von der vierthäufigsten Hunderasse 2003 zur zweithäufigsten im Jahr 2013 auf.

Experte Meßler hält die Studie für aussagekräftig, sie spiegele die Lage in Deutschland aber nur bedingt wider. Gerade in Großbritannien und den USA habe man andere Regularien für das Aussehen der Tiere, an denen sich auch deutsche Züchter orientiert hätten. Dies habe zu einer Übertypisierung gefördert mit anatomischen Folgen, etwa zur Überwinkelung der Hinterhand. „Das ist ein Problem“, sagt der Orthopäde aus Mönchengladbach.

Zucht nur mit bestimmten Gruppen

Andere gesundheitliche Probleme rühren demnach daher, dass die Zucht nur mit bestimmten Gruppen von Schäferhunden erfolgte. „Wir züchten in geschlossenen Populationen“, sagt Meßler. Daraus entstanden genetische Probleme,, darunter die Anfälligkeit für Entzündungen am Außenohr. Um dies zu ändern, wolle man Züchtern künftig Tests zur Abschätzung der genetischen Variabilität der Tiere anbieten.

Insgesamt aber, so betont Meßler, seien Deutsche Schäferhunde – entgegen dem Artikel – nicht anfälliger für Erkrankungen als andere große Hunderassen. Auch dass die Beliebtheit abnehme, sei so nicht richtig. Zwar sinke die Nachfrage in Mitteleuropa, Großbritannien und Skandinavien. Sie steige aber in Amerika und Asien – etwa in China und Indien.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Quelle:

www.n-tv.de

Fußnoten:

  1. ^ Themen (www.n-tv.de)
Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s