„Es geht auch um die Gesundheit der Spielerinnen“ – Süddeutsche.de

  • Das Viertelfinale bei der Frauen-EM zwischen Deutschland und Dänemark wird wegen starker Regenfälle abgesagt.
  • Nachgeholt wird das Duell am Sonntag um 12 Uhr.
  • Es spielen sich kuriose Szenen ab: Helfer stechen mit Mistgabeln Löcher in den Rasen, andere rutschen aus – und auch die Bundestrainerin packt mit an.

Von Anna Dreher, Rotterdam

Steffi Jones tat etwas, das sie sonst um diese Uhrzeit an diesem Abend nicht getan hätte. Etwas, das sie auf einem Fußballplatz noch nie getan hat. Die Bundestrainerin der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft stand mit einem Eimer am Spielfeldrand, schaufelte eine Ladung Wasser von den Auswechselbänken hinein und warf den Inhalt dann mit einer schwungvollen Bewegung den Treppenaufgang neben sich hinunter. „Ich kann auch mit anpacken“, sagte Jones, schon wieder guter Laune.

Eigentlich hätte in diesem Moment bei der Europameisterschaft in den Niederlanden das Viertelfinale zwischen Deutschland und Dänemark angepfiffen werden sollen. Aber heftige Regenfälle vor dem geplanten Spielbeginn machten den Platz unbespielbar. „Ich war von Anfang an dagegen. Man konnte sehen, dass nichts geht“, sagte Jones, „so etwas habe ich noch nie erlebt, es geht hier auch um die Gesundheit der Spielerinnen“. Und weiter: „Jetzt müssen wir schauen, dass wir runterfahren und uns auf morgen konzentriert vorbereiten. Jetzt sind aber alle froh, es gab keine andere Meinung, die Verletzungsgefahr war zu groß – deswegen war es die richtige Entscheidung.“ Das Spiel soll am Sonntag um 12 Uhr angepfiffen werden.

Doch bis die Entscheidung feststand, dauerte es. Nachdem die Schiedsrichterin Katalin Kulcsar in Absprache mit der Uefa und den Teamleitungen das Spiel zunächst um 15 Minuten verschoben hatte, verlängerte die Uefa den Beginn auf unbestimmte Zeit und dann laut Regularien auf 21.45 Uhr. Es regnete und regnete und regnete.

„Im Moment sind sowohl die Dänen als auch wir der Meinung, dass wir nicht spielen können“, sagte die deutsche Teammanagerin Patrizia Hell im ZDF. Aber die Meinung der Deutschen und der Dänen wurde erst mal nicht weiter in berücksichtigt. Die Uefa wartete. Und es regnete und regnete und regnete.

Weite Teile des Spielfeldes waren hoffnungslos überschwemmt, als Jones zurück in den Kabinengang gegangen war und sich dort mit besorgter Miene mit ihrem Team unterhielt. Bespielbar war der Platz da längst nicht mehr. Aber die Uefa wartete und es regnete und regnete und regnete.

„Wir waren bereit, wir hätten gerne gespielt“

Helfer stachen mit Mistgabeln Löcher in den Rasen, um den Abfluss zu beschleunigen. Andere versuchten, das Wasser vom Spielfeld zu bekommen und lieferten dabei beim Ausrutschen auf dem überfluteten Rasen teilweise Slapstick-Einlagen, die zumindest die etwa 8000 Zuschauer bei Laune hielten. Auch das half nichts – es regnete weiter. Die TV-Moderatorinnen und Moderatoren, die nicht den Komfort und Schutz eines Daches genießen konnten, hatten zu dem Zeitpunkt längst ihre Schuhe ausgezogen und standen in riesigen Pfützen an der Seitenlinie. Steffi Jones und der dänische Trainer Nils Nielsen schauten sich immer wieder an, was gerade dort geschah, wo eigentlich ihre Spielerinnen um den Einzug ins Halbfinale spielen sollten.

Um 21.30 Uhr kamen diese dann zurück aufs Feld, um sich zum zweiten Mal an diesem Abend aufzuwärmen. Also doch ein zweites Viertelfinale an diesem Abend? Im ersten an hatten die Niederlande mit 2:0 Titelkandidat Schweden besiegt. Das zweite wartete weiter darauf, angepfiffen zu werden. Aber die Uefa wartete weiter. Und es regnete und regnete und regnete.

Zehn Minuten nachdem die Entscheidung laut Regularien getroffen werden sollte, kam sie dann doch: Das Spiel wurde abgesagt – laut Jones zum ersten Mal bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft der Frauen. „Ich hatte gemischte Gefühl“, sagte Spielführerin Dzsenifer Marozsán. „Wir waren bereit, wir hätten gerne gespielt, aber beim Warmmachen blieb der Ball immer wieder hängen – es hätte keinen Sinn gemacht.“ Als dann die Entscheidung über die Lautsprecher bekannt gegeben wurde, kamen die Spielerinnen beider Mannschaften trotzdem zurück und liefen zu den Fans – ganz umsonst waren also zumindest sie an diesem Abend nicht ins Stadion gekommen. Auch wenn es immer noch regnete.

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