„Gesundheit geht vor Profit“ – Frankfurter Neue Presse

Frankfurt. 

Welche Auswirkungen der Lärm startender und landender Maschinen auf Flughafen-Anwohner hat, ist nicht nur ein politisch umstrittenes Thema, sondern wird auch in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Verschiedene medizinische Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, wenn es darum geht, das vom Fluglärm ausgehende Gesundheitsrisiko einzuschätzen.

Dass es ein solches Risiko gibt, sei eine „wissenschaftliche Tatsache“, sagte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gestern anlässlich seines Fluglärmtags. „So wie der Klimawandel eine wissenschaftliche Tatsache ist. Und daran müssen wir unsere Politik ausrichten.“

Feldmann, der den Kampf gegen Fluglärm als eines seiner Kernanliegen bezeichnet, hatte sich zur Verbreitung dieser Tatsachen Unterstützung in den Römer geladen. Der Mainzer Medizinprofessor Thomas Münzel, ein engagierter Fluglärmgegener, stellte dort seine Forschungen vor. An Mäusen, Studenten und Herzkranken hat er die Auswirkungen von Flugzeuggeräuschen auf das Herzkreislaufsystem untersucht. „Unsere Studien zeigen: Lärm nervt nicht nur, sondern er macht krank“, sagte Münzel.

Lärmtest mit Studenten

Die Probanden bekamen ein Abspielgerät mit nach Hause, mit dem sie sich nachts den Geräuschen aussetzten, als würden sie unterhalb der An- und Abflugroute eines Flughafens wohnen. Dieser simulierte Fluglärm soll bei gesunden Medizinstudenten Gefäßschäden ausgelöst und bei bereits herzkranken Studienteilnehmern diese Schäden verstärkt haben, so Münzel. Das Stress abbauende Vitamin C habe dagegen geholfen.

Mäuse unter Stress

Auch an Mäusen, die den Flugzeuggeräuschen ausgesetzt wurden, konnte er Bluthochdruck, einen deutlichen Anstieg von Stresshormonen und Gefäßschäden feststellen. „Schon nach einem Tag Fluglärm“, betonte der Direktor der Kardiologie an der Universitätsmedizin Mainz.

Oberbürgermeister Feldmann, der auch im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Fraport sitzt, sagte dazu: „Gesundheit geht vor Profit. Die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von Bluthochdruck, Herzinfarkten und Schlaganfällen muss die Politik ernst nehmen.“

Unterwegs in Frankfurts Süden[1]

Seinen Fluglärmtag verbrachte Peter Feldmann gestern bei betroffenen Anwohnern. Zunächst traf er Bürger zum Mittagstisch unter freiem Himmel in Sachsenhausen.

clearing

Dass er dies in seinem Bereich, der Frankfurter Kommunalpolitik, bereits tue, sollte der Fluglärmtag unterstreichen, den seine eigens für diesen Themenbereich eingerichtete Stabstelle organisiert hatte (siehe Infokasten). Die wesentlichen Entscheidungen fallen jedoch auf anderen Ebenen: Der Bundes- und Landespolitik. So wiederholte der Rathauschef seine bereits bekannte Forderung, das Nachtflugverbot um zwei Stunden auszuweiten, so dass Flughafenanwohner künftig von 22 bis 6 Uhr Ruhe haben. Mediziner Münzel schloss sich dieser Forderung an. Gerade die Nachtrandstunden seien wichtig, sagte er. Dass er allerdings nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ein entschiedener Gegner des Flughafenausbaus ist, machte er selbst deutlich. „Durch die neue Nordwest-Landesbahn wird die Uniklinik Mainz von 5 bis 23 Uhr überflogen“, sagte er. „Das ist ein Unding. Schwerkranke Patienten aus ganz Rheinland-Pfalz sollen sich bei uns erholen.“

Widersprechende Studie

Wesentlich Flughafen-freundlicher fiel eine andere wissenschaftliche Untersuchung aus. Die groß angelegte Norah-Studie widerspricht Münzels Erkenntnissen. Zumindest konnte sie keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Fluglärm und den für Herz und Kreislauf relevanten Parametern Blutdruck, Herzfrequenz und Blutdruckamplitude nachweisen. Anders als bei den Mainzer Fluglärmstudien waren die Teilnehmer der Untersuchung tatsächliche Lärmbetroffene, nämlich 844 zufällig ausgewählte Anwohner des Frankfurter Flughafens.

Finanziert wurde die knapp zehn Millionen teure Norah-Studie hauptsächlich vom Land Hessen, und der Fraport. Auch das ist ein Grund dafür, dass Flughafen-Kritiker wie Münzel und Feldmanns Fluglärmbeauftragte Ursula Fechter deren Ergebnisse anzweifeln.

Quelle:

www.fnp.de

Fußnoten:

  1. ^ Unterwegs in Frankfurts Süden (www.fnp.de)
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