Was Verbraucher über die belasteten Eier wissen sollten – F.A.Z. – Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was genau ist Fipronil?

Fipronil ist ein Insektizid und kommt als Pflanzenschutzmittel oder zum Schutz von Hunden vor Flöhen und Zecken zum Einsatz. Der in den achtziger Jahren in Frankreich entwickelte Wirkstoff ist allerdings auch für Honigbienen in hohem Maße giftig. 2013 hat die Europäische Union[1] daher beschlossen, den Einsatz des Mittels in der Landwirtschaft zu begrenzen. Um Bienenvölker besser zu schützen, darf es zum Beispiel nicht mehr zur Saatgutbehandlung von Mais verwendet werden. Auch alle Tiere, die irgendwann auf dem Teller landen – oder zur Gewinnung von Eiern oder Milch gehalten werden, dürfen nicht damit in Berührung kommen.

Wie kam das Fipronil in die Eier?

Das Fipronil war vermutlich in dem Desinfektionsmittel Dega16 enthalten, das von einem Reinigungsunternehmen in den betroffenen Ställen verwendet wurde. Diese Ställe befinden sich hauptsächlich in den Niederlanden und Belgien, aber auch bei vier Haltern in Niedersachsen konnte Fipronil nachgewiesen werden.

In welche Bundesländer wurden belastete Eier ausgeliefert?

Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind bislang 13 Bundesländer betroffen: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wurden mindestens drei Millionen Eier aus den Niederlanden nach Deutschland ausgeliefert. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sprach am Freitag im ZDF-Morgenmagazin sogar von bis zu zehn Millionen. Hinzu kämen mehrere zehntausend Eier aus den Betrieben in Niedersachsen.

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© dpa, reuters Auch Eier aus deutscher Produktion mit Fipronil belastet

Welche Auswirkungen hat der Verzehr von belasteten Eiern?

Bei Tierversuchen wirkte Fipronil toxisch auf das Nervensystem und die Leber von Ratten, Mäusen und Kaninchen. Es traten unter anderem Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen, Unruhe und Schweißausbrüche auf.

Wie viele belastete Eier kann man essen, bis Fipronil gesundheitsgefährend ist?

Das hängt vom eigenen Körpergewicht sowie der Fipronil-Konzentration im Ei ab. Als sogenannte akute Referenzdosis, damit ist die Menge Fipronil gemeint, die der Körper ohne gesundheitliche Risiken aufnehmen kann, wurde laut des Bundesinstituts für Risikoforschung[3] der Wert von 0,009 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Die akute Referenzdosis wird ermittelt, indem man die für Ratten verträgliche Dosis auf den Menschen hochrechnet. Zur Sicherheit wird dieser Wert dann durch 100 geteilt, um Unterschiede zwischen Mensch und Tier aufzufangen.

Nachgerechnet bedeutet das: Für eine Person, die 75 Kilogramm wiegt, beträgt die maximal empfohlene Dosis 0,675 Milligramm Fipronil pro Tag.

Die höchste gemessene Konzentration waren 1,2 Milligramm Fipronil in einem Kilogramm Eier. Geht man davon aus, dass ein durchschnittliches Hühnerei 60 Gramm wiegt, könnte eine 75 Kilogramm schwere Person neun Eier essen, ohne den Referenzwert zu übersteigen.

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer sagte, die Argumentation, für Menschen gehe bei einem Durchschnittskonsum von 0,6 Eiern pro Tag keine Gefahr aus, verharmlose das Problem. Wenn jemand mehr esse als der Durchschnitt, „dann ist die tägliche Aufnahmedosis dieses Giftes bereits überschritten.“ Kinder sind deutlich empfindlicher als Erwachsene. Deshalb besteht für sie schon bei dem durchschnittlich üblichen Verzehr ein gesundheitliches Risiko.

Vom Verzehr der Eier wird deshalb ungeachtet der Menge grundsätzlich abgeraten.

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Quelle:

www.faz.net

Fußnoten:

  1. ^ Europäische Union (www.faz.net)
  2. ^ supports HTML5 video (videojs.com)
  3. ^ Bundesinstituts für Risikoforschung (www.bfr.bund.de)
  4. ^ Nächste Seite (www.faz.net)
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