Alternative Heilmethoden: Osteopathie hilft auch Hunden – Gießener Anzeiger

KREIS GIESSEN – (red). Christine Reiser arbeitet auf Knien und mit ihren Händen. Wohl kaum jemand würde beim Berufe-Raten nach dieser Beschreibung auf „Tierärztin“ tippen, aber genau das ist die 47-jährige Pohlheimerin. In ihrer Gemeinschaftspraxis mit Dr. Alexander Lützelbauer bietet die studierte Veterinärmedizinerin Reiser zusätzlich alternative Heilmethoden an – und wenn Kalle mit Rückenschmerzen kommt, wird der achtjährige Hund osteopathisch behandelt. Dafür geht die Tierärztin in die Knie und der Rüde genießt es sichtlich, dass ihre Hände sanft entlang seiner Wirbelsäule arbeiten – „einfühlen auf die Bindegewebsebene ist das“, erklärt Christine Reiser der Hundebesitzerin.

Schon bei der Begrüßung hat die Osteopathin für Tiere aufmerksam registriert, dass die beiden Gesichtshälften des Tieres unterschiedlich groß sind. Auch sein Gangbild ist alles andere als geschmeidig. „Hat Kalle häufig so rote Augen?“, fragt sie das Frauchen. Claudia G. kommt schon seit Jahren in die Pohlheimer Gemeinschaftspraxis. Sie schätzt hier gerade die wirkungsvolle Verbindung von klassischer und komplementärer Medizin. „Ich will Kalle ja nicht jahrelang Schmerzmittel gegen seine Rückenschmerzen geben müssen“, betont sie. Aufmerksam beobachtet die 54-jährige Tierbesitzerin, wie Christine Reiser mit ihren Händen Informationen sammelt: belastet der Hund beide Hinterbeine gleichmäßig? Trägt er die Rute mehr nach links? Kann er den Kopf nach links, nach rechts und auf die Brust beugen? Dank ihrer Ausbildung bei der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin (GGTM) den Erfahrungen der letzten Jahre merkt die Tierärztin schnell, dass im Bereich der Halswirbelsäule die Muskulatur sehr fest und kurz vor dem Schwanz das Iliosakralgelenk blockiert ist. Mit sanften Bewegungen – eigentlich sind es nur Impulse auf energetischer Ebene – regt die Tiermedizinerin die blockierten Halswirbel vorsichtig an, in die richtige Position zurück zu flutschen. Kalle schnauft zwar hörbar, geht aber nicht weg. Im Gegenteil, jetzt drückt er seinen Rücken geradezu gegen die Hände der Behandlerin und signalisiert ihr deutlich, wo er ihre Unterstützung braucht. Mit einem tiefen Seufzer legt er sich schließlich auf die Seite, schließt die Augen und lässt alle vier Pfoten durchtasten. „Ich habe bei dieser Arbeit gelernt, dem Körper des Tieres zuzuhören“, erläutert Christine Reiser. Dabei spürt sie den charakteristischen Rhythmus jedes Organs, registriert feinste Störungen bis hinein in die emotionale Ebene und kann durch Impulse anregen.

Frappierend ist auch, wenn die Osteopathin Zusammenhänge bei wiederkehrenden Beschwerden wie Harninkontinenz mit Rückenproblemen herausfindet und dann über die Behandlung des Rückens das Symptom zum Verschwinden bringen kann. „Es gibt keine Trennung von Körper, Seele und Geist“, sagt sie und folgt dem obersten osteopathischen Prinzip, den Patienten immer in seiner Ganzheit zu erfassen. „Als Osteopathin behandele ich nicht einzelne Symptome, sondern gehe der ursächlichen Störung auf den Grund. Durch die Osteopathie und auch die Kraniosakral-Therapie, die sich aus der Osteopathie heraus entwickelt hat, können Selbstheilungskräfte des Patienten angeregt werden, sodass es tiefgehende Heilung möglich wird.“

Claudia G. bestätigt das. Schon zum zweiten Termin erscheint Kalle mit neuem Schwung. Allerdings weicht er diesmal den Händen von Christine Reiser immer wieder aus. Sie nimmt Rücksicht darauf und überlegt: „Wahrscheinlich war der zeitliche Abstand zum ersten Heilungsimpuls zu kurz, sein Körper ist noch gut beschäftigt.“ Das bestätigt sich bei der dritten Sitzung, denn jetzt ist Kalle wieder kooperativ. Rund um die Halswirbelsäule sind Faszien und Gewebe viel weicher geworden. Und, Überraschung, die roten Augen sind weg. Dafür muss Christine Reiser sich diesmal mehr dem hinteren Rücken widmen. Das kommt beim achtjährigen Rüden sichtbar gut an. Christine Reiser dosiert ihre Techniken reichen von mechanisch-strukturell bis energetisch, also durchaus kraftvoll bis hin zu ganz feinen Impulsen. „Ich muss die aktuellen Bedürfnisse meines Patienten wahrnehmen“, betont sie. Immer häufiger liegen die auch im Bereich der Kraniosakraltherapie. Dabei arbeitet die Therapeutin mit den verschiedenen Komponenten des Kraniosakral-Systems: Schädelknochen, Schädelnähte, Liquorfluss, Gehirn- und Rückenmarkshäute und rhythmischer Bewegung all dieser Strukturen. „Damit können wir sogar Blockaden im gesamten Körper, aber auch auf emotionaler und mentaler Ebene auflösen“, freut sich die Tiermedizinerin, diese Ergänzung zu ihrem schulmedizinischen Fachwissen nutzen zu können. Kalle scheint es ebenfalls zu schätzen zu wissen, denn rasch leckt er der 47-Jährigen über die Nase und schaut geradezu schelmisch zu seinem Frauchen hoch.

In der Gemeinschaftspraxis Litzlbauer/Reiser werden alternative Verfahren wie Homöopathie und Osteopathie allein oder in Kombination mit anderen Therapieverfahren angewandt. „Auch wenn wir etwa bei schon bestehenden Strukturveränderungen zum Beispiel durch Arthrose diese Veränderungen nicht wieder rückgängig machen können, hilft die Osteopathie häufig zu höherem Wohlbefinden und weniger Schmerzmitteleinsatz“, bewertet Christine Reiser die Möglichkeiten positiv. Darüber hinaus findet sie die Osteopathie sinnvoll begleitend zu allen chirurgischen Eingriffen, sei es am Bewegungsapparat aber auch bei Operationen der inneren Organe wie bei Kastrationen, Magendrehung, Zahnextraktionen und Korrekturen von Kieferfehlstellungen. Auch internistische Erkrankungen gehören zum Behandlungsfeld der Osteopathin. So können Asthma, Lungenfibrose, Bronchitis oder Stoffwechselerkrankungen von Leber und Bauchspeicheldrüse unterstützend behandelt werden. Auch neurologische Erkrankungen sind oft Anlass für eine osteopathische Behandlung. „Da denke ich an Dackellähme, Cauda Equina und natürlich alle Bewegungsstörungen für die wir manches Mal mit den üblichen diagnostischen Verfahren wie Röntgen, MRT, CT keine Ursache finden. Dank Osteopathie kann sie Schicht für Schicht zum eigentlichen Problem vordringen und selbst lange zurückliegende Ursachen herausfinden.

Für Claudia G. zählt, was sie sieht. Sie freut sich über Kalles verbesserte Beweglichkeit, seine spürbar wiedererweckte Vitalität und Spielfreude.

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