Fipronil-Skandal zieht durch Europa – t-online.de

Wie reagieren die Verbraucher auf den Fipronil-Skandal? Essen sie weniger Eier[1]? Eine YouGov-Umfrage zeigt viel Gelassenheit, aber auch Verhaltensänderungen. Fachleute halten die Risiken für gering.

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Jeder vierte Erwachsene in Deutschland isst wegen des Fipronil-Skandals weniger Eier als zuvor oder verzichtet ganz auf den Verzehr – auch wenn das Risiko aus Expertensicht gering ist. 65 Prozent stehen dem Thema gelassen gegenüber und schränken ihren Eierkonsum nicht ein, wie aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. 15 Prozent der Befragten achten seit dem Nachweis von Fipronil darauf, in welchem Land die Eier erzeugt wurden. Fast jeder Zweite hat dies auch schon vorher getan.

Laut BfR keine gesundheitliche Gefährdung 

Das Insektizid Fipronil darf in der Geflügelhaltung eigentlich nicht verwendet werden. In einer veröffentlichten vorläufigen Bewertung kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu dem Schluss, dass eine gesundheitliche Gefährdung durch Fipronil-haltige Mittel auch bei längerfristigem Verzehr belasteter Lebensmittel[2] aber „unwahrscheinlich“ sei. In der Veterinärmedizin kommt der Stoff zum Schutz von Hunden und Katzen vor Flöhen, Läusen und Zecken zum Einsatz.

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Einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zufolge will die Bundesregierung die Rezeptpflicht für 27 solcher Fipronil-haltigen Mittel auf Empfehlung eines Expertengremiums aufheben. Der Bundesrat könnte noch im September darüber abstimmen, meldete die Zeitung am Samstag. Die Mittel wären in Apotheken und im Internet dann frei verkäuflich.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit[3] (BVL) sind bereits 71 Medikamente[4] zugelassen, die nur auf Fipronil basieren, wie die Zeitung berichtet. Gleiches solle für 27 weitere zugelassene Tierarzneimittel gelten, in denen Fipronil mit dem Wirkstoff Methopren kombiniert wird. Beide Varianten dürfen in der Nutztierhaltung nicht verwendet werden. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) reagierte mit Unverständnis auf die Pläne und forderte ein europaweites Verbot.

Besserer Schutz gefordert

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt fordert als Konsequenz aus dem Skandal einen neuen Zuschnitt der Bundesministerien: „Wir brauchen ein Superministerium für Verbraucherschutz, das auch für Umwelt- und Klimaschutz, Landwirtschaft, Energie und Digitalisierung zuständig ist“, sagte die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. Beim Eier-Skandal habe die große Koalition ebenso wie in der Diesel-Affäre[5] „komplett versagt“.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) verlangte, umgehend aufzuklären, „wer sich hier auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher reich panschen möchte“. Der „Bild“-Zeitung (Samstag) sagte er: „Es geht um mehr als um Eier, es geht um bessere Sicherheit vor Betrug.“

Rund 15 EU-Länder betroffen

Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht davon aus, dass rund 10,7 Millionen „möglicherweise mit Fipronil belastete Eier“ aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurden. Auf Vorschlag Deutschlands hin soll es Anfang September erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Skandal geben. Etwa 15 EU-Länder sollen betroffen sein.

Auch in Spanien wurden erstmals belastete Eier entdeckt. Inspektoren hätten die aus Frankreich stammenden Flüssigeier im Baskenland gefunden, berichtete die Zeitung „El País“ am Samstag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Die kontaminierten Produkte seien aber nicht in den Handel gelangt.

Fußnoten:

  1. ^ Eier (www.t-online.de)
  2. ^ Lebensmittel (www.t-online.de)
  3. ^ Lebensmittelsicherheit (www.t-online.de)
  4. ^ Medikamente (www.t-online.de)
  5. ^ Diesel-Affäre (www.t-online.de)
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