Hanau: Ritchie Blackmore zu Gast in Hanau

Von Ritchie Blackmore stammt das wohl bekannteste Gitarren-Riff der Rock-Geschichte.
Seit zwanzig Jahren macht der ehemalige Deep-Purple-Gitarrist mit seiner Frau Candice Night Renaissance-Folk-Rock. Auf ihrer Jubiläums-Tour gastieren Blackmore’s Night in Hanau. Meike Kolodziejczyk hat mit den beiden gesprochen.

Misses Night, Mister Blackmore, Sie sind gerade auf Europa-Tour zum 20-jährigen Band-Bestehen, etwa die Hälfte haben Sie hinter sich. Wie lief es bisher? 
Blackmore: Sehr gut so weit. (Spricht deutsch:) Das war eine Überraschung.

Wir können gerne auf Deutsch fortfahren.
Blackmore: Lieber nicht. Mein Deutsch beschränkt sich ansonsten auf: Ich habe Hämorrhoiden.

Night: Oh mein Gott.

Ein äußerst wichtiger Satz.
Blackmore: Exakt. Hämorrhoiden gehören zu den Dingen, über die niemand sprechen will, obwohl viele damit zu tun haben. 50 Prozent, habe ich gehört. Darüber sollte man dringend reden.

Lassen Sie uns trotzdem lieber über Ihre Musik reden. Nervt es Sie eigentlich, auf Deep Purple und „Smoke on the Water“ angesprochen zu werden, obwohl Sie schon lange nicht mehr dabei sind?
Blackmore: Überhaupt nicht. Ich begrüße es sehr, dass ich „Smoke on the Water“ geschrieben habe und der Song so populär geworden ist. Schließlich bezahlen mir diese paar Noten bis heute meine Rechnungen und erlauben mir, jetzt die Musik zu machen, die ich wirklich machen will.

Immerhin ist es das wohl bekannteste Gitarren-Riff der Rockgeschichte.
Blackmore: Ich mag das Riff. Es ist ein gutes Riff, obwohl es so simpel ist. Genau das war auch meine Absicht seinerzeit: Es sehr, sehr einfach zu halten. Ein amerikanischer Fernseh-Journalist hat mich mal gefragt, wie ich auf das Riff gekommen bin. Ich habe ihm erzählt, es entspräche dem Schicksalsmotiv aus Beethovens Fünfter Symphonie, bloß rückwärts. Dadada damm. Der Mann war überzeugt, dass das die Wahrheit ist.

Schon ein bisschen gemein.
Blackmore: Ich mag es, Leute zu ärgern. Am Ende klatschen sie trotzdem.

Manche wundern sich aber auch, dass Sie seit nunmehr zwei Jahrzehnten Renaissance-Folk-Rock machen.
Blackmore: Dabei ist klassische Rockmusik der Renaissance-Musik sehr ähnlich. Nehmen wir „Smoke on the Water“: Das hätte man so auch im 15. Jahrhundert spielen können, auf der Schalmei oder auf Dudelsäcken. Wir machen Crossover-Musik. Wir nehmen die Melodien von damals und wandeln sie um in etwas, das den Ohren von Heute mehr schmeichelt. Wobei wir ja gar nicht genau wissen, wie die Musik damals klang, es gibt ja keine Aufnahmen davon.

Night: Entscheidend ist die Ehrlichkeit der Musik, ihre Integrität. Damals war ein Lied einfach ein Lied, deswegen wurde es komponiert. Und nicht, um reich und berühmt damit zu werden. Die Musiker machten Musik, weil sie die Musik liebten.

Blackmore: Und ihre Melodien begleiten uns seit einem halben Jahrtausend, „Greensleeves“ zum Beispiel. Wenn ich solche Melodien höre, fühle ich mich zurückversetzt in diese Zeit.

Die allerdings oft mehr gemein hatte mit einem Gemälde von Hieronymus Bosch, wie es das dritte Deep-Purple-Album ziert.
Blackmore: Es ist eine Zeit, die auf bestimmte Weise unschuldig war, obwohl sich alle gegenseitig umbrachten oder die Pest das erledigte. Leben wollte ich da nicht wirklich, jedenfalls nicht ohne Klimaanlage.

Im Juli ist Ihr Jubiläums-Doppelalbum „To the Moon and back – 20 Years and beyond…“ erschienen. Auf der zweiten CD singt Ihre Tochter das Ende des Songs „Ghost of John“. Blackmore: Sie hat eine großartige Stimme. Aber sie ist erst sieben Jahre alt und sagt immer: „Ich mag diesen Druck nicht. Ich möchte singen, was ich will und wann ich will.“

Night: Dabei singt sie den ganzen Tag lang. Über alles. Über Sonnenbrillen etwa oder darüber, was sie gern zum Frühstück essen möchte. „Ghost of John“ ist ein Lied, das sie aus dem Gesangsunterricht mitgebracht hat.

Blackmore: Es hat eine wundervolle Melodie, aber es ist schwer zu singen. Zudem hatten wir etwas Sorge, dass jemand denken könnte, es handle von Jon Lord (der 2012 gestorbene Organist von Deep Purple, Anm. d. Red).

Aber es ist kein Zufall, dass ein paar Instrumentalstücke auf der zweiten CD an Johann Sebastian Bach denken lassen.
Blackmore: Bach war immer mein großer Held. Als wir vor etwa zehn Jahren ein Konzert auf der Wartburg hatten, haben wir sein Geburtshaus in Eisenach besucht. Und er war da.

Wer? Bach? 
Blackmore: Oh ja. Ich habe „Hallo“ zu ihm gesagt, aber er hat mich einfach ignoriert.

Und darüber haben Sie das Instrumentalstück „Durch den Wald zum Bachhaus“ verfasst? Blackmore: Über diesen Besuch, ja. Man kann nämlich durch den Wald hinunter zum Bachhaus gehen. Das habe ich getan und mir gedacht: „Wow, Bach muss auch hier durch diesen Wald gegangen sein.“ Da stand plötzlich ein Hund zwischen den Bäumen, ein großer Hund. Und der schien mich jagen zu wollen, und so bin ich losgerannt, bis zum Bachhaus. Davon handelt das Stück, daher das schnelle Tempo.

Ihre Tour führt Sie hauptsächlich durch Deutschland.
Blackmore: Das liegt am Essen. Wir lieben die deutsche Küche.

Night: Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, Bauernbrot zu importieren.

Blackmore: Und Pumpernickel. Nein, im Ernst: Seit ich Anfang der 60er Jahre das erste Mal in Deutschland war, bin ich beeindruckt: von der Architektur, vom Essen, von der Art, Musik zu machen, vom ganzen Way of Live. Die Deutschen arbeiten hart und spielen hart. Wir kommen oft und gern nach Deutschland, das ist immer wie bezahlter Urlaub. Wir übernachten in Burgen und Schlössern und genießen es, dort Musik zu machen.

Night: Wir sind jedes Mal wieder fasziniert von diesen alten Bauwerken und tauchen ein in die Historie jedes einzelnen Ortes. Ich glaube, die Menschen, die hier leben, nehmen diese Schönheit oft gar nicht mehr wahr, für sie ist sie selbstverständlich.

Blackmore: Aber ich bemerke auch einen Wandel: Deutschland wird immer mehr amerikanisiert. Das ist schade. Denn ich mag die Tradition, sogar Dinge wie Schlager-Musik.

Schlager-Musik?
Blackmore: Alle denken immer, ich mache Witze. Aber ich mag Schlager-Musik wirklich, vor allem die aus den frühen Tagen.

Von wem zum Beispiel?
Blackmore: Von Roy Black und Rex Gildo. Und Heino. Ihre Musik ist so schön unschuldig.

Auf was darf sich das Publikum am 15. August im Amphitheater in Hanau gefasst machen?
Night: Ehrlich gesagt, wissen wir selbst selten, was wir spielen, bevor wir auf der Bühne stehen. Unser Repertoire ist so groß und umfasst nicht nur unsere Songs, sondern auch viele Cover-Versionen: Deep-Purple- oder Rainbow-Songs zum Beispiel. Das Programm hängt mit davon ab, wo wir spielen, von der Kulisse, von der Akustik. In alten Burgen hallt es oft stark, dann setzen wir weniger E-Gitarre ein. Das ist es auch, was unser Publikum schätzt: die Überraschung, den persönlichen Touch. Eine Show von Blackmore’s Night ist wie eine große Party. Alle können sein, wie sie wollen und was sie wollen: Könige, Prinzessinnen, Ritter, Elfen. Oder einfach sie selbst.

Quelle:

www.fr.de

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