Wie entsteht Mundgeruch? Dem schlechten Atem auf der Spur – Berliner Morgenpost

Wer penetrant müffelt, vertreibt die Mitmenschen aus seiner Nähe. Doch während Dusche und Deo gegen Schweißdünste oft Wunder bewirken können, ist die Sache bei Mundgeruch nicht immer so einfach. Experten geben einen Überblick über mögliche Ursachen und Methoden, die helfen können.

Wie stellt man fest, dass man aus dem Mund riecht?

„Man kann ganz einfach in seine Hand hauchen, aber auch über den Handrücken lecken und den Speichel antrocknen lassen. Wenn dieser dann nach kurzer Zeit schwefelartig riecht, ist das ein deutliches Zeichen“, erklärt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Rainer Frerich. Die flüchtigen schwefelartigen Verbindungen in der Atemluft, die den unangenehmen Hauch zur Folge haben, können aber auch mit einem technischen Gerät gemessen werden – einem sogenannten Halimeter. Der steht in der Arztpraxis, kann aber auch in handlicher Form für 30 bis 40 Euro gekauft werden.

Woher kommt Mundgeruch?

In rund 90 Prozent der Fälle findet sich die Ursache in der Mundhöhle. Werden die Zähne und der Mund nicht richtig gepflegt,[1] entstehen Bakterien und bilden einen Biofilm, auch Plaque genannt. Darauf weist die Initiative ProDente hin, die im Auftrag von fünf großen zahnärztlichen Organisationen Fachwissen über Zahngesundheit vermittelt.

Plaque kann sich überall im Mund ablagern: auf der Oberfläche der Zähne, in den Zwischenräumen und am Zahnfleischrand. Darin sind die Bakterien aktiv, sie zersetzen Speichel und Speisereste. Infolgedessen entwickeln sich die flüchtigen Schwefelverbindungen, vor allem aus Eiweißen. Deutlicher wird der Mundgeruch (in der Fachsprache Halitosis) laut ProDente vor allem dann, wenn sich durch Entzündungen sogenannte Zahnfleischtaschen zwischen Zahn und Zahnfleisch bilden, in denen sich Bakterien einnisten und munter ihre Arbeit verrichten. Zahnärzte sprechen dann von Parodontitis.

Das ist zwar ein häufiger, aber nicht der einzige Grund für unangenehme Ausdünstungen. „Dahinter kann auch eine chronische Mandelentzündung[2] stecken“, sagt HNO-Experte Frerich. „Dabei entwickeln sich Mandelsteine aus Sekret, Bakterien und Speiseresten, die entsprechend riechen.“ Gleiches tun nach seinen Worten entzündete und verschleimte Nasennebenhöhlen und in seltenen Fällen auch Tumorerkrankungen in Schlund oder Kehlkopf.

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„Auch internistische Erkrankungen wie schlecht eingestellter Diabetes mellitus, Nieren- oder Lebererkrankungen und selten Magenleiden mit zu wenig Magensäure oder Taschenbildung in der Speiseröhre können Ursachen sein“, sagt Edwin Ackermann, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

Bei Kindern mit Mundgeruch müsse man nach schlechten Zähnen sowie Störungen des Luftstromes durch die Nase etwa durch Polypen (Adenoide) oder unbemerkte Fremdkörper und krankhaft vergrößerten Mandeln schauen.

Kann man vorbeugen?

„Sorgfältige Mundhygiene ist ein guter Schutz vor Mundgeruch“, erklärt Prof. Dr. Rainer Seemann, Oberarzt an der Klinik für Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin der Universität Bern (Schweiz) und Vorsitzender des Arbeitskreises Halitosis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Er empfiehlt Patienten mit einem Bakterienbelag auf der Zunge, täglich einen Zungenreiniger zu benutzen.

Auch gründliches Zähneputzen und das Nutzen von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten können helfen – Dr. Rainer Frerich rät, zu überprüfen, ob man ausreichend isst und trinkt. „Auch dadurch wird die Mundhöhle gereinigt und Speichel produziert, der die Bakterien mithilfe von Enzymen wegspült“, erklärt der HNO-Arzt.

Sein Tipp: den Speichelfluss zusätzlich anregen, indem man viel Wasser oder zuckerfreie Tees trinkt und zuckerfreie Kaugummis kaut. Das kann ebenfalls hilfreich sein, wenn der Mund durch Medikamente wie Präparate bei Bluthochdruck, Parkinson oder psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Psychosen trocken wird und dadurch unangenehm riecht.

Welcher Arzt kann helfen?

Bleibt der Mundgeruch trotz allem und helfen dagegen weder Minzbonbons noch Mundspülungen mit ätherischen Ölen, raten die Experten an erster Stelle, zum Zahnarzt, zum Hausarzt und dann zum HNO-Arzt zu gehen. Die Experten können Erkrankungen auf die Spur kommen und beispielsweise Entzündungen bekämpfen – etwa durch eine gezielte Parodontitis-Behandlung. Auch kann es etwa sein, dass chronisch entzündete Mandeln entfernt werden müssen.

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