Herzkino im Taschenbuchformat – Badische Zeitung

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19. August 2017

Die in Ballrechten-Dottingen aufgewachsene Maria Kehlenbeck hat ihren ersten Roman vorgelegt.

BALLRECHTEN-DOTTINGEN. Maria Kehlenbeck, geborene Gesing, ist in Ballrechten-Dottingen aufgewachsen. Die Mutter Grundschullehrerin am Ort, der Vater Gymnasiallehrer in Staufen. Also richtig tief verwurzelt im Markgräflerland. Aber das ist lange her. Inzwischen ist die 38-Jährige selbst Lehrerin an einer Gemeinschaftsschule und lebt in der Nähe von Heilbronn mit Mann Andreas, Tochter Julia (10), Sohn Johannes (8) und Hündin Lotta. Seit kurzem ist sie nebenbei noch Buchautorin, gibt Interviews und macht Lesungen.

Flott kommt er daher, ihr heiter geplauderter erster Frauenroman „Beim Küssen sind mir Sterne schnuppe“. Herzkino im Taschenbuchformat. Aber ein paar autobiografische Züge sind nicht zu leugnen. Hauptperson ist eine junge Lehrerin in Freiburg. Single, Anfang 30, auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Zweifellos Stoff, aus dem Träume und Albträume sind: Freunde und Flirten, Kneipen und Komik, überschäumendes Glück und gebrochene Herzen. Flotte Sprüche werden geklopft, Asterix-Zitate bemüht und Lautmalereien eingestreut. Auch wenn die Abläufe der geballten Ereignisse leicht durchschaubar sind, lebt die Lektüre von unbeschwerter, unkonventioneller, frecher, witziger Sprache. Inhaltlich folgt sie einer der typischen Strukturen des Belletristik-Genres: Alles wird gut.

Maria Kehlenbeck taucht damit ein in die heiter bis wolkige Zeit nach dem Studentenleben. Erste Berufsjahre in Freiheit und Unabhängigkeit. In vier Wochen aufgeschrieben. Runter von der Seele. Rein in den Computer. Die Sehnsucht nach dieser Lebensphase ist offenbar groß. Das Buch verkauft sich gut. Zwei weitere fertige Manuskripte sollen die Geschichte zur Trilogie abrunden. Die Autorin wirkt erwartungsfroh. Für einen kurzen Familienurlaub im elterlichen Haus in der Heimat ist sie der Freiburger Szene auch wieder körperlich ganz nah. Das wird genutzt. Tut gut. Und der Erfolg beflügelt. Sogar Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon bekam von ihr ein Exemplar, berichtet sie stolz mit großen, glänzenden, braunen Augen.

Die haben in den vergangenen Jahren nicht immer so gestrahlt. Vor acht Jahren wurde Maria Kehlenbeck mit der Diagnose Multiple Sklerose konfrontiert. Eine entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Zuerst waren es die Augen. Dann kamen die Beine. Kräftezehrende Therapien und viel Angst. Erste Ablenkungsmanöver scheiterten: Klavierspielen ging gar nicht. Für Mützen häkeln fehlte das Talent. Ihr Mann ermutigte sie: „Schreib doch was.“ Bei einer Deutschlehrerin keine abwegige Idee. Sie traute sich und stellte fest: „Der Tag ging gut rum.“ Ihr Mann las Abend für Abend ihre Texte laut vor. Ein erster Fan. Trotzdem behielt sie ihr Buchprojekt zunächst für sich. Die Eltern überraschte sie mit dem fertigen Manuskript und erlebte sie erstmals sprachlos. „Mein Vater gehört aber nicht wirklich zur Zielgruppe“, räumt sie lachend ein.

Allerdings kaschierte sie lange geschickt ihre krankheitsbedingten Einschränkungen. Und auch jetzt fällt das Coming out schwer. Nein, sie möchte nicht mit ihrer Krankheit kokettieren. Das Schreiben war für sie ein Befreiungsschlag. Maria Kehlenbeck hat ihre Balance wieder. Und seit sie sich vor anderthalb Jahren der ayurvedischen Heilmethode verschrieb, geht es ihr auch körperlich deutlich besser. Eine ganz normale Autorin möchte sie sein. Sicher ist ihr Leben nicht im üblichen Sinne normal. Das weiß sie. „Aber ich bin reicher, zufriedener und dankbarer. Denn ohne MS hätte ich kein Buch geschrieben“, stellt sie ansteckend fröhlich fest und fügt an: „Jeder muss seinen Weg finden, mit dem er glücklich ist.“ Wer ihren Roman liest, lässt sich schon mal gerne in eine etwas bessere Welt katapultieren. Dahin, wo sie noch in Ordnung ist. Alles andere ist in diesem Moment schnuppe.

Buch: „Beim Küssen sind mir Sterne schnuppe“ von Maria Kehlenbeck, Silberburg-Verlag, 238 Seiten, 9,90 Euro. Das Buch ist im Buchhandel sowie in allen BZ-Shops und Geschäftsstellen erhältlich.

Autor: Sabine Model

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