Honeckers Enkel bitten zu Tisch – Berliner Kurier

Hormone, Antibiotika und jetzt auch noch vergiftete Eier. Immer mehr Lebensmittel-Skandale verderben uns den Appetit. Beim Gedanken, was heute auf unseren Tellern landet, denken einige an längst vergangene Zeiten zurück. Jetzt sogar die Wissenschaft. Lebensmittelexperten sind sich sicher: Von der Ernährung in der DDR kann man sich eine Scheibe abschneiden!

„So einen Eierskandal hätte es bei uns damals nicht gegeben“, sagt Dr. Peter Lietz. Er muss es wissen. Er war Generealdirektor des VEB Kombinat Spirituosen Wein und Sekt in Berlin. Mit dem ehemaligen Ernährungswissenschaftler Dr. Dieter Johnsen vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung diskutierte er jetzt in der Veranstaltungsreihe „Keine leichte Kost!

Nicht viel Auswahl, aber angeblich gesund : Tempolinsen, Suppen und Trinkfix waren bei den DDR-Bürgern beliebt.

Nicht viel Auswahl, aber angeblich gesund: Tempolinsen, Suppen und Trinkfix waren bei den DDR-Bürgern beliebt.

Foto:

Patrick Pleul

Die Suche nach gesunden Ernährungsalternativen in der DDR – und heute“. Lietz stellt fest: Zu Honeckers Zeiten war nicht alles schlecht. In der DDR gab es bessere Kontrollen, sie waren staatlich verordnet, so Lietz. Während der Produktion von Lebensmitteln mussten bestimmte Vorgaben bei Roh- und Inhaltsstoffen oder Hygiene strikt eingehalten werden. „Heutzutage werden Vorschriften oft vernachlässigt. Man will nur Umsatz machen. Und dann hat man Schwierigkeiten, die Ursache für den Skandal zu finden“, sagt er.

Doch das ist nicht das Einzige, was laut dem Experten früher besser war. Auch die Zutaten für Lebensmittel waren viel gesünder. Laut DDR-Lebensmittelgesetz waren etwa gesundheitsschädliche Geschmacksverstärker oder Zusatzstoffe untersagt. Daher sahen Ost-Schrippen kleiner und nicht so aufgebläht aus wie im Westen. „Damals hat man mit natürlichen Stoffen wie Salz oder Pfefferminze verfeinert“, sagt Lietz.

Weil die DDR-Führung wert auf gesunde Ernährung legte, wurde sogar bei der Limo-Herstellung auf zu viel Zuckerbeigabe verzichtet. Um staatliche Ernährungswünsche zu erfüllen, gab es in Potsdam sogar ein Lebensmittelforschungsinstitut, wo die legendären Tempo-Linsen erfunden wurden.

Diese Kreativität war allerdings auch der Mangelwirtschaft in der DDR geschuldet. Wegen des schlechten Warenangebotes setzte die Bevölkerung oft auf heimische Naturkost. So waren Eintopf-Gerichte sehr gefragt. Denn Kohl und Co. gab es im Überfluss. Noch heute schwärmt Kanzlerin Angela Merkel über ihre leckere Kartoffelsuppe. Es war ja damals nicht alles schlecht. Daher fordert Lietz: „Der Staat muss wieder stärker Einfluss auf unsere Ernährung nehmen, damit wir wieder gesund leben, so wie früher“. Für alle, die Lust haben, hier ein paar Rezepte zum Nachkochen.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.