So funktioniert die erste Gentherapie gegen Krebs – DIE WELT

Anzeige

Mit eigenen, gentechnisch veränderten Immunzellen kann in den USA jetzt gegen manche Krebsarten angegangen werden. Bei bestimmten Formen von Leukämie und von Lymphdrüsenkrebs funktioniert die Therapie so gut, dass sie jetzt von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassen wurde. Auch andere Arten von Krebs[1] – zum Beispiel Tumoren in Brust, Eierstock, Lunge oder Bauchspeicheldrüse – sprechen auf die Behandlung an, allerdings mit weniger Erfolg.

Das Potenzial der sogenannten CAR-T-Zellen ist seit zwei Jahrzehnten bekannt, aber es zu erforschen und einen funktionierenden Therapieansatz zu entwickeln, erwies sich als schwierig. Mehr als 200 klinische Studien dazu, zumeist in den USA und das Gros davon noch nicht abgeschlossen, bezeugen dies. Doch für Forscher ist mittlerweile klar: Speziell bei bestimmten Formen von Blutkrebs[2] kann der Nutzen, allen schweren Nebenwirkungen zum Trotz, groß sein.

Eine neue Ära der Leukämie-Behandlung?

„Das war völlig durchschlagend“, sagte Stephan Grupp, Leiter des Krebs-Immuntherapie-Programms an der Kinderklinik von Philadelphia, der „New York Times“[3]. Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen, Klaus Cichutek, sieht das ähnlich: „Jetzt bricht wahrscheinlich eine neue Ära der Leukämie-Behandlung an.“

This photo provided by the Children’s Hospital of Philadelphia, taken in May 2017, shows Emily Whitehead five years after she became the first pediatric patient in the world to receive an experimental therapy at the hospital that has put her leukemia into long-term remission. Opening a new era in cancer care, the Food and Drug Administration (FDA) approved the first treatment that genetically engineers patients' own blood cells into an army of assassins to seek and destroy childhood leukemia. (Children’s Hospital of Philadelphia via AP)
Emily Whitehead ist seit der Behandlung mit der Therapie frei von Krebs

Quelle: AP

Anzeige

Emily Whitehead ist hierfür eine Art Galionsfigur: Vor nunmehr fünf Jahren erhielt die an Akuter Lymphatischer Leukämie[4] (ALL) lebensgefährlich erkrankte 12-Jährige die experimentelle Gentherapie. Die Nebenwirkungen brachten die damals Sechsjährige fast um: Über Wochen lag sie mit hohem Fieber[5] im Koma, während sich in ihrem Körper die genmodifizierten T-Zellen vervielfachten und die Blutkrebszellen attackierten. An ihrem siebten Geburtstag erwachte Emily aus dem Koma. Seitdem ist sie krebsfrei.

Der Kopf hinter dem klinischen Ansatz ist Carl June (University of Pennsylvania), der auch Emily behandelte. Der Trick, der nun den Krebszellen den Garaus macht: Die aus dem Blut des Patienten gefilterten T-Zellen werden im Labor mithilfe eines viralen Vektors genetisch verändert, dann vervielfacht und dem Patienten als Infusion wieder verabreicht.

Eine T-Zelle gegen 1000 Tumorzellen

Durch die Genmanipulation bilden die T-Zellen an der Oberfläche einen CAR-Rezeptor (Chimeric Antigen Receptor) zur Erkennung eines speziellen Antigens, das auf Krebszellen vorkommt. Werden die CAR-T-Zellen[6] fündig, greifen sie die Krebszellen an und vervielfältigen sich. Allein eine solche T-Zelle kann so 1000 Tumorzellen zerstören. Besonders erfolgreich war dabei die Ansteuerung des Antigens CD19, bestätigte auch das PEI jüngst in einer umfassenden Bilanz aller Studien mit CAR-T-Zellen.

Lesen Sie auch
Neue Hoffnung
Anzeige

Um diese „lebenden Medikamente“ herzustellen und sie sicher zu verabreichen, ist jedoch viel Expertise nötig. In den USA wird die Therapie, deren heftige Nebenwirkungen nicht alle todkranken Patienten in den Studien überlebten, deshalb wohl nur an wenigen Spezialzentren möglich sein.

„Es wird ein sehr potenter Mechanismus genutzt, der zu einer Entgleisung des Immunsystems und schlimmstenfalls zum Tod führen kann“, sagt PEI-Experte Egbert Flory. „Auch in Europa muss die Infrastruktur und Zusammenarbeit von Kliniken und Herstellern noch besser werden, um diese Therapie zu beherrschen und weiterzuentwickeln“, betont PEI-Direktor Cichutek.

Für Europa liegen drei Anträge vor

Die US-Zulassung von CD19-spezifischen CAR-T-Zellen der Firma Novartis[7] zur Behandlung von ALL ist die erste für eine Gentherapie gegen Krebs[8]. Andere Anträge folgen: Kite Pharma will sie zur Behandlung aggressiver Non-Hodgkin-Lymphome[9] auf den Markt bringen. Auch für die Therapie Multipler Myelome, ebenfalls eine Blutkrebserkrankung, liegen der FDA Anträge vor.

Mädchen lässt sich einfrieren – gegen Willen des Vaters

Das Video konnte nicht abgespielt werden.
Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Ein Mädchen ist davon überzeugt, dass Krebs in Zukunft geheilt werden kann – und erwirkt vor Gericht, dass sie nach ihrem Tod eingefroren wird. Nun liegt sie in einem Kühlbehälter.

Quelle: Die Welt

In Europa sieht es ähnlich aus: Mithilfe des beschleunigenden Prime-Verfahrens könnte die Europäische Kommission vielleicht sogar noch 2017 grünes Licht für die CAR-T-Zell-Therapie geben. Drei Anträge liegen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) vor. Zielgruppe sind zunächst Schwerstkranke, für die keine andere Option mehr besteht. Aber ein früherer Einsatz könnte die Erfolgsquote noch erhöhen, vermuten die Forscher.

Bleiben die immensen Kosten: Mehrere 100.000 Euro könnte eine solche Therapie in Deutschland kosten. Einige Tausend schwer kranke Menschen würden in Europa jährlich davon profitieren, schätzen Experten. „Die Kosten sind sehr hoch. Aber eventuell reicht eine solche Therapie für viele Jahre aus“, sagt Cichutek.

Feste Tumoren sind das nächste Ziel

CAR-T-Zellen würden damit zum jüngsten vielversprechenden Zuwachs bei den Immuntherapien gegen Krebs – nach den sogenannten Checkpoint-Inhibitoren, die die tumorbedingte „Bremse“ von T-Zellen lockern, und anderen sogenannten monoklonalen Antikörpern.

Zurzeit wird versucht, die Erfolge auf örtlich festgesetzte Tumoren auszuweiten. „Die CAR-T-Zellen sind Hoffnungsträger“, sagt PEI-Forscherin Jessica Hartmann. Aber feste Tumoren sind schwieriger zu knacken, denn CAR-T-Zellen müssen sie zunächst einmal erreichen und sich dann in dem für sie ungünstigen Milieu behaupten – mehr als 20 verschiedene CAR-T-Zellprodukte werden dazu derzeit klinisch erprobt. „Solche soliden Tumoren sind wie Fort Knox“, so Grupp.

„Ich kotze jedes Mal, wenn ich dich sehe“

Das Video konnte nicht abgespielt werden.
Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Eine junge Frau bekommt die schreckliche Diagnose Leukämie. Um anderen kranken Menschen Mut zu machen, postet sie Bilder von ihrem Krankheitsverlauf – und bekommt dafür Hasskommentare.

Quelle: Die Welt

Quelle:

www.welt.de

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.