Kosten für Gesundheit steigen – Lübecker Nachrichten

Kiel. Die Krankenversorgung in Deutschland wird immer teurer. Auch in Schleswig-Holstein sind die Kosten der Krankenversorgung 2016 weiter gestiegen. Die Techniker Krankenkasse hat 2016 für die Versorgung ihrer Versicherten allein in Schleswig-Holstein 1,1 Milliarden Euro ausgegeben.

Das waren 80 Millionen Euro mehr als noch im Jahr davor. Auf jeden ihrer Versicherten entfielen damit rechnerisch Leistungen im Wert von 2480 Euro. Das waren 80 Euro mehr als 2015. Die Pro-Kopf- Ausgaben hätten damit um 100 Euro über dem Bundesdurchschnitt gelegen, heißt es von der Kasse. Größter Posten seien mit 340 Millionen Euro die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen gewesen. Das sind rechnerisch 730 Euro pro Versichertem. Es folgten die Kosten für ärztliche Leistungen mit 232 Millionen Euro (516 Euro) und für Arzneimittel mit 200 Millionen Euro (440 Euro). Im Vergleich zum Vorjahr habe es in allen Bereichen einen deutlichen Anstieg gegeben. Im stationären Bereich habe der Anstieg sogar fast zehn Prozent betragen.

Bei der Barmer GEK ist der Trend für Schleswig-Holstein ganz ähnlich. „Von 2015 zu 2016 stiegen die Ausgaben für die medizinische Versorgung und Leistungsausgaben für unsere Versicherten im Land um 42 Millionen Euro auf 1,13 Milliarden Euro an“, sagt deren Sprecher Wolfgang Klink. Pro Kopf hätten die Leistungsausgaben 2016 damit 3065 Euro betragen. Mit Beitragssteigerungen werde allerdings nicht gerechnet, heißt es zum Beispiel bei der Barmer. Die Kostensteigerungen bewegten sich im normalen Rahmen. Ihnen stünden Einnahmesteigerungen entgegen, weil ja parallel beispielsweise auch das Lohnniveau in Deutschland ansteige.

Bei der AOK Nordwest beispielsweise erhöhten sich die Ausgaben je Versichertem 2016 gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent. Allerdings stiegen die Einnahmen je Versichertem im gleichen Zeitraum um 4,3 Prozent an. Auch bei der AOK Nordwest – zu ihr gehört neben Schleswig-Holstein noch die Region Westfalen-Lippe – bildete 2016 laut Geschäftsbericht die Krankenhausbehandlung mit 3,23 Milliarden Euro den größten Ausgabenblock. Dahinter folgten Ausgaben für Arznei- und Verbandmittel (1,45 Milliarden Euro) und für die ambulante ärztliche Behandlung (1,34 Milliarden Euro).

Bei der Techniker Krankenkasse macht man für den Kostenanstieg im Bereich der Krankenhäuser vor allem die Änderung des Landesbasisfallwertes verantwortlich. Dieser statistisch ermittelte Wert legt seit 2003 für jedes Bundesland fest, wie viel die Kassen den Kliniken pauschal für bestimmte Leistungen zahlen müssen, etwa für eine Blinddarm-Operation. Weil medizinische Leistungen in Schleswig-Holstein im Jahr 2003 offenbar sehr billig angeboten wurden, rangierte das Land beim Basisfallwert bislang weit hinten – sehr zum Leidwesen der hiesigen Kliniken, die ihrem Personal ja trotzdem gleich hohe Gehälter zahlen müssen.

Die Gesundheitsminister der Länder und des Bundes einigten sich schließlich darauf, die Länder-Werte schrittweise aneinander anzugleichen. Lag der Basisfallwert für Schleswig-Holstein im Jahr 2015 bei 3190,81 Euro, sind es in diesem Jahr bereits 3278,19 Euro.

Mehr Finanzreserven

Die Rekordbeschäftigung und die gute Konjunktur füllen die Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung und dürften die Mitglieder vorerst vor Beitragserhöhungen verschonen. Die Kassen erwirtschafteten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in der ersten Hälfte 2017 einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro. Das ergebe sich aus den Vorabmeldungen der Kassen. Damit sei der Überschuss von 612 Millionen Euro aus dem ersten Quartal nochmals mehr als verdoppelt worden. Die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenkassen seien damit bis Mitte des Jahres bundesweit auf etwa 17,5 Milliarden Euro gestiegen.

Wolfram Hammer

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