Kreiskrankenhaus Mechernich blickt optimistisch in die Zukunft – Kölner Stadt-Anzeiger

Mechernich –

Manfred Herrmann blickt zurück. „Uns gibt es bald 110 Jahre“, sagt der Geschäftsführer der Kreiskrankenhaus Mechernich GmbH, um dann den Blick in die Zukunft zu richten: „Ich bin davon überzeugt, dass es uns weitere 100 Jahre geben wird.“ Das kann längst nicht jeder Krankenhauschef in Deutschland so voraussagen. Das Wort „Krankenhaussterben“ macht verstärkt die Runde.

Jedes Jahr, so das Statistische Bundesamt, geben in Deutschland rund 20 Hospitäler auf, obwohl die Menschen immer mehr ihre Dienste in Anspruch nehmen. In Deutschland stieg die Zahl der stationären Behandlungen von 2015 auf 2016 um 1,4 Prozent. Für die beiden Häuser der Kreiskrankenhaus GmbH in Mechernich (428 Betten) und Schleiden (105), die im Schnitt zu 85 Prozent belegt seien, vermelden Manfred Herrmann und sein Geschäftsführerkollege Hermann Gemke sogar einen Anstieg um 3,6 Prozent. Rund 24 000 Behandlungsfälle verzeichneten beide Einrichtungen im Jahr 2016, was einen Anstieg um mehr als 20 Prozent in den vergangenen zehn Jahren bedeute.

Patienten bleiben deutlich kürzer in den Krankenhäusern

Die Verweildauer der Patienten in den Hospitälern sinkt stetig. Blieben sie in den 1990er-Jahren noch 14 Tage im Schnitt, sind es heute bundesweit noch 7,3 Tage – in Mechernich und Schleiden sogar nur 6,8 Tage. Liegt es daran, dass die Krankenkassen ihre Zahlungen per Fallpauschalen mit den Häusern abrechnen und nicht mehr an der Zahl der Behandlungstage messen, wie Kritiker vermuten? Herrmann und Gemke weisen das strikt zurück: Es gebe keine Vorgabe, Patienten möglichst früh zu entlasten. „Definitiv nicht“, untermauert Herrmann diese Aussage. Eine solche Vorgabe widerspräche der Philosophie des Hauses, die der guten medizinischen Versorgung oberste Priorität einräume, und würde letztlich auch wirtschaftlich in die Katastrophe führen: „Wenn sich herumsprechen würde, dass Patienten aus wirtschaftlichen Erwägungen zu früh entlassen würden, wäre der Ruf derart ruiniert, dass wir in drei Jahren dichtmachen könnten“, findet Herrmann klare Worte. Nicht zuletzt dieser Haltung wegen sehen die beiden Geschäftsführer die GmbH gut aufgestellt. „In den vergangenen 25 Jahren haben wir keine Verluste gemacht“, bilanziert Herrmann. Während viele andere Krankenhäuser aufgrund hoher Defizite in wirtschaftliche Atemnot geraten, bilanziert das Mechernicher Führungsduo jährlich leichte Gewinne, die umgehend in die Häuser investiert würden. Dabei komme der GmbH zugute, dass sie nicht im Besitz privater Investoren ist. Ihren Gesellschaftern, dem Kreis Euskirchen (76,9 Prozent) und der Stadt Zülpich (23,1), gehe es um die gesicherte wohnortnahe Gesundheitsversorgung der Bürger im Kreis und nicht um Gewinnmaximierung. Nur so seien die Investitionen von 46 Millionen Euro möglich gewesen, die die GmbH seit 1997 getätigt habe – sowohl in bauliche Erweiterungen und Modernisierung als auch in Ausstattung und Personal. Aktuell werden in Mechernich vier neue OP-Säle gebaut. „Wir wollen nicht den Trends hinterherlaufen, sondern vorangehen“, beschreibt Herrmann die Strategie, die mit dem vor zwei Jahren verstorbenen Hauptgeschäftsführer Dr. Hans Rossels entwickelt worden sei: „In seinem Sinne führen wir das weiter.“

Bleibt noch genug Zeit für die Patienten? Der wirtschaftliche Druck sorgt für Arbeitsverdichtung auf den Stationen. Geschäftsführungen und Mitarbeiter versuchen, die negativen Folgen zu begrenzen.

Bleibt noch genug Zeit für die Patienten? Der wirtschaftliche Druck sorgt für Arbeitsverdichtung auf den Stationen. Geschäftsführungen und Mitarbeiter versuchen, die negativen Folgen zu begrenzen.

Foto:

dpa/Nolden

So habe sich die GmbH, der Bevölkerungsentwicklung entsprechend, schon vor Jahren auf die Behandlung von Senioren spezialisiert und halte innerhalb des Konzerns ergänzende Angebote für diesen Personenkreis vor (siehe „Die Kreiskrankenhaus GmbH“) – mit Erfolg, wie Gemke resümiert: „Mehr als 40 Prozent unserer Patienten sind 65 Jahre und älter.“

Gerade weil diese Zielgruppe der besonderen Pflege bedürfe, seien auch keine Stellenstreichungen im Pflegebereich vorgesehen wie in anderen Häusern. Im Gegenteil: „Wir bilden zur Zeit 120 Menschen im Pflegebereich aus, davon 75 in der Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Kreiskrankenhaus Mechernich GmbH“, erläutert Gemke. Den Gesundheits- und Krankenpflegeschülern wird nach dreijähriger Ausbildung auch eine unbefristete Stelle angeboten, die meisten nutzten diese Chance. Die 480 Pflegerinnen und Pfleger, die 340 Vollzeitstellen besetzen, würden nach Tarif bezahlt, wobei allgemein die Personalkosten den größten Ausgabenbatzen in den Krankenhäusern darstellen. Dass dabei die Steigerungen der Fallpauschalen mit den Lohnsteigerungen nicht mithalten, mache das Geschäft nicht leichter, betont Gemke.

Stetige Verbesserung in den Arbeitsabläufen nötig

„Während die Löhne in diesem Jahr um drei Prozent steigen“, rechnet er vor, „nehmen die Fallpauschalen nur um 2,34 Prozent zu“. Diese Lücke führe zwangsläufig zur Arbeitsverdichtung. Um der gegenzusteuern, bedürfe es stetiger Verbesserungen in den Arbeitsabläufen – wenn möglich, ohne dass Patienten und Beschäftigte negativ davon betroffen sind.

So verteilen nun Service-Kräfte das Essen, Kodier-Assistenten übernehmen zunehmend Dokumentationen und ein eigens engagierter Dienst kümmert sich um die Blutabnahmen – das alles, damit sich die Pflegekräfte und Ärzte verstärkt um die Patienten kümmern könnten.

Quelle:

www.ksta.de

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