Was ist Lärm und warum macht er krank? – NDR.de

Stand: 07.09.2017 11:48 Uhr

Das Rauschen vorbeifahrender Autos, startende Flugzeuge, Rasenmäher, Laubbläser oder auch spielende Kinder: Wir sind 24 Stunden am Tag den verschiedensten Geräuschen ausgesetzt. Anders als die Augen können wir unsere Ohren nicht schließen. Die Hörzellen im Inneren der Ohren empfangen die Schallwellen jedes Tons und verarbeiten sie zu Signalen, die im Gehirn bewertet werden. Ob wir ein Geräusch als Lärm empfinden, ist dabei sehr subjektiv: „Lärm ist jedes unerwünschte laute Geräusch“, heißt es in einer Definition des Bundesumweltministeriums[1].

Lärmempfinden ist subjektiv

Manche Menschen ärgern sich über laute Musik und empfinden sie als Lärm, andere stören sich nicht daran und wieder andere finden sie schön. Ein Geräusch wird also zu Lärm, wenn es bewusst oder unbewusst stört und damit das Wohlbefinden beeinträchtigt. Dabei spielen die Lautstärke, die Art des Geräuschs, die subjektive Bewertung und die jeweilige Situation eine Rolle. So stört der Rasenmäher von nebenan umso mehr, wenn man den Nachbar ohnehin nicht mag. Je stärker ein Geräusch ist, desto mehr Menschen empfinden es als unangenehm und damit als Lärm.

Straßenlärm stört die Deutschen am meisten

Geräusche entstehen durch Schwingungen, die sich in der Luft als Schallwellen ausbreiten. Die Stärke des Schalls – die Lautstärke – kann man messen. Die Messgröße heißt Schalldruck, der angezeigte Messwert ist der Schalldruckpegel, der in Dezibel (dB) angegeben wird. Geräusche zwischen einem Schalldruckpegel von 40 bis 65 Dezibel empfinden die meisten Menschen als normal und angenehm, laut wird es ab etwa 80 Dezibel. Untersuchungen des Umweltbundesamtes zufolge fühlen sich 54 Prozent der Deutschen vor allem durch Straßenlärm gestört, 20 Prozent sogar stark beeinträchtigt. An zweiter Stelle steht der Fluglärm, von dem sich etwas mehr als ein Fünftel der Bevölkerung gestört fühlt.

Lärm macht krank

Unbestritten ist, dass Lärm krank machen und die Leistungsfähigkeit eines Menschen negativ beeinflussen kann. Laut Bundesumweltministerium können bereits geringe Lärmpegel ab 25 Dezibel zu Konzentrations- oder Schlafstörungen führen. Dabei spielt die Art der Geräusche eine Rolle, ein rauschender Bach wird meist als angenehmer empfunden als ein laufender Motor, der dieselbe Lautstärke hat.

Studien legen dem Umweltministerium zufolge nahe, dass Dauerbelastungen von mehr als 65 Dezibel ein erhöhtes Gesundheitsrisiko mit sich führen. Nachgewiesen wurden demnach Änderungen im Stoffwechsel und Hormonhaushalt sowie bei der Gehirnstromaktivität. Der Schlaf wird beeinträchtigt, Stresshormone werden ausgeschüttet. Langfristig können auch hoher Blutdruck und Herzinfarkt die Folge sein.

Nachts reagieren die Ohren empfindlicher

Nächtlicher Lärm belastet dabei offenbar besonders, denn die Ohren reagieren im Schlaf deutlich sensibler auf Lärm. Alarmsignale im Gehirn werden ausgelöst und Stresshormone freigesetzt, die auf Dauer die Gesundheit schädigen können. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist jeder fünfte Europäer nachts regelmäßig einem Geräuschpegel ausgesetzt, der erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben könnte. Bereits 2009 legte die WHO deshalb zum Schutz der Bevölkerung Leitlinien für die nächtliche Lärmbelastung fest: Der Grenzwert ist ein durchschnittlicher Geräuschpegel von maximal 40 Dezibel, was in etwa dem Pegel einer ruhigen Straße in einem Wohngebiet entspricht.

Lärm kann das Gehör schädigen

Lärm über 85 Dezibel kann sogar das Gehör schädigen. Kurze, laute Geräusche zum Beispiel von einem Knallkörper können zu einer zeitweiligen Hörwellenverschiebung führen, von der sich das Ohr meist wieder erholt. Langandauernder oder sehr lauter Lärm über 120 Dezibel kann das Gehör aber auch dauerhaft schädigen. Bei 120 Dezibel liegt die sogenannte Schmerzgrenze des menschlichen Ohres.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 08.09.2017 | 16:20 Uhr

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Quelle:

www.ndr.de

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