Wie schadet Diesel der Gesundheit? – NOZ – Neue Osnabrücker Zeitung

Es ist rund 120 Jahre her, als Konrad Diesel in Augsburg den ersten funktionsfähigen Prototypen einer „neuen, rationellen Wärmekraftmaschine“ bauen ließ. In ihrem Innern wird die Luft stark verdichtet und dadurch so erhitzt, dass sich der eingespritzte Kraftstoff selbst, ohne Hilfe von außen entzünden kann. Weswegen sie auch „Selbstzünder-Motor“ genannt wird.

Konrad Diesel selbst erlebte den Siegeszug seiner Maschine nicht mehr, die in Millionen Autos eingebaut werden sollte. Er musste aber auch nicht miterleben, wie sie in den Ruf eines der größten Umweltsünder überhaupt geriet. Dem Dieselauto wird bis heute von vielerlei Seite angelastet, dass es die Städte hochgradig mit Feinstaub belasten würde.

Feinstaub ist nicht das Problem

Was viele Jahrzehnte lang auch tatsächlich der Fall war, weil der Dieselruß mehr oder weniger ungehindert in die Luft geblasen wurde. Was wiederum besonders schwer wiegt, insofern dieser Ruß von der Weltgesundheitsorganisation 2012 offiziell als krebserregend eingestuft wurde. Auf einer Stufe mit Asbest und Cadmium.

„Doch beim modernen Diesel gibt es kein Feinstaubproblem mehr“, betont Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie. Man habe es durch Rußfilter in den letzten Jahren so weit entschärft, dass man den Selbstzünder-Motor sogar mit einem Fahrrad vergleichen könne. Das gebe nämlich durch seinen Felgenverschleiß beim Bremsen drei bis vier Milligramm Metalloxide pro Kilometer ab. „Und der Partikelausstoß aus dem Auspuff eines Diesels liegt bei 0,2 bis 0,5 Milligramm“, so der Motorexperte. Sein Urteil im Hinblick auf die Feinstaubbelastung durch Dieselautos fällt daher eindeutig aus: „Das Thema ist durch.“

Gefahr durch Stickoxide

Größere Probleme bereitet der Diesel jedoch beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx). Bei diesen Gasen handelt es sich um NO (Stickstoffmonoxid) und NO2 (Stickstoffdioxid), von denen das Letztere vor allem auf die Atemwege schlägt.

Es verstärkt die Reizwirkung anderer Luftschadstoffe und damit auch von Feinstaub, führt zu Entzündungen in den Bronchien und erhöht dadurch das Risiko für Bronchitis, Lungenödeme, Atemwegsinfekte und Allergien. Nimmt die NO2-Belastung in den Städten zu, werden mehr Menschen wegen Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus eingewiesen.

Das sauerstoffärmere Stickstoffmonoxid hingegen greift weniger die Atemwegen an, sondern dringt tiefer in den Körper vor, wo es unter anderem in die Regulierung der Blutgefäßspannung eingreift. In Großstädten mit permanent starker NO-Exposition lässt sich in der Regel eine höhere Quote von Schlaganfällen und Infarkten beobachten.

Grenwerte werden überschritten

Ein internationales Forscherteam hat für die Fachzeitschrift „Nature“ ausgerechnet, dass im Jahr 2015 rund 38.000 Menschen – 11.400 davon in der EU – vorzeitig verstarben, weil die vorgeschriebenen NOx-Grenzwerte nicht eingehalten wurden. Und das ging in erster Linie aufs Konto der Dieselfahrzeuge. „Sie produzieren jährlich rund 4,6 Millionen Tonnen Stickoxide mehr, als sie nach geltenden Abgasgrenzwerten dürften“, beklagt Studienleiterin Susan Anenberg.

In Deutschland wurde für das NOx-Gas Stickstoffdioxid ein Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft eingeführt, doch er wurde 2016 im Jahresdurchschnitt an jeder zweiten verkehrsnahen Messstation überschritten.

ADAC: Auf neue Technik warten

Laut Umweltbundesamt stoßen auch modernere Dieselfahrzeuge der Euro-Norm 6 durchschnittlich 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus – rund sechsmal so viel wie der zugelassene Grenzwert von 80 Milligramm. Die Behörde berücksichtigte bei ihren Berechnungen erstmals die in Deutschland vorherrschenden Außentemperaturen, während bislang lediglich im Labor bei 20 bis 30 Grad getestet wurde.

Und Dieselmotoren produzieren offenbar besonders große NOx-Mengen, wenn sie bei unter 10 Grad laufen, was in einem mitteleuropäischen Land wie Deutschland bei über der Hälfte aller Fahrleistungen der Fall ist.

Der ADAC rät daher, mit der Neuanschaffung eines Diesels auf die neue Fahrzeuggeneration 6D zu warten. Sie sei dann auf das Fahren unter realen Straßenbedingungen zertifiziert.


Quelle:

www.noz.de

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