Psychische Gesundheit in Betrieben immer wichtiger – RP ONLINE

Duisburg. Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Für eine neue Führungskultur, die sie stoppen kann, werben unter anderem thyssenkrupp Steel Europe und die Novitas BKK. Vor 220 Gästen beim Fachforum „Respektvoll führen – psychische Gesundheit fördern“ im tk-Bildungszentrum bezog thyssenkrupp-Personalvorstand Thomas Schlenz kompromisslos Position: „Arbeitsunfähigkeit aufgrund von psychischen Erkrankungen hat sich in den vergangenen elf Jahren um 97 Prozent erhöht. Für uns ist das Thema eine Herzensangelegenheit und kein Pflichtprogramm.“

Der Begriff „Respektvoll führen“ hätte vor einigen Jahren wohl noch Verwunderung ausgelöst. „Denn Respekt“, sagt Novitas BKK-Vorständin Kirsten Budde, „das war immer das, was die Mitarbeiter dem Vorgesetzten schuldeten, nicht umgekehrt.“ Mit Spannung erwarteten die Gäste den Vortrag von Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati. 2011 versuchte Rafati sich in einem Kölner Hotel das Leben zu nehmen, sensibilisiert die Öffentlichkeit seitdem für die Tabuthemen Depressionen und Burnout. „Ich bin ein Paradebeispiel für typisch falsche Denkmuster im Berufsalltag“, so Rafati. Die Depression entwickelte sich bei ihm schleichend. „Ich war antriebslos, konnte nicht mehr schlafen und hatte panische Angst, Fehler zu machen. Nicht ich habe entschieden, nicht mehr Leben zu wollen, sondern die Krankheit.“ Mit Hilfe seiner Familie und einer Therapie fand er zurück ins Leben. „Heute weiß ich, mich hat niemand getrieben. Ich habe mich selbst getrieben.“

Was können Unternehmen konkret für die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun? Der angesehene Psychiater Prof. Dr. med. Wolfgang Senf (Universität Duisburg-Essen) warb für ein Umdenken in Schule und Beruf: „Wir müssen weg davon, Defizite auszumerzen. Wir müssen die Menschen da stärken, wo sie gut sind. Jeder darf sich leisten, in etwas schlecht zu sein. Das was ein Mensch nicht kann, das soll man ihm auch lassen!“

Die Novitas BKK ist Kooperationspartner von psyGA (Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt „www.psyga.info“ ) und unterstützt Betriebe, Führungskräfte und Beschäftigte mit Informationen und Handlungshilfen.

Quelle: RP

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