„Bürgerdialog Stromnetz“: Gesundheit steht im Mittelpunkt – Echo-online

Von Harald Pleines

DARMSTADT – Wenn das Stromnetz in Deutschland ausgebaut wird, um die von Windkraftanlagen im Norden erzeugte Energie in den Süden der Republik zu transportieren, muss sich niemand Sorgen um seine Gesundheit machen. Das vermittelte der „Bürgerdialog Stromnetz“ bei einer Veranstaltung im Darmstädter Liebighaus.

Aufgabe der zu hundert Prozent vom Bundeswirtschaftsministerium finanzierten Organisation mit Sitz in Berlin und bundesweit zehn Bürgerbüros ist es, im Vorfeld möglicher Konflikte die Diskussionen zu versachlichen, Verständnis für staatliche Planungen wecken und dem Bürger auf Augenhöhe zu begegnen.

Wie Projektleiterin Anja Scholz vor gerade einmal einem Dutzend Zuhörer ausführte, informiert ihre Organisation noch bis zum Jahr 2018 unter anderem über Themen wie Energiewende und Bedarf des Netzausbaus, Planungs- und Beteiligungsverfahren, Technikoptionen und Alternativen oder Gesundheit.

In Darmstadt ging es diesmal um den letztgenannten Punkt. Ingenieurin Dr. Hannah Heinrich (2h-engineering & research) erläuterte gesundheitliche Aspekte von elektrischen und magnetischen Feldern bei Gleich- und Drehstrom-Freileitungen. Hintergrund für Südhessen ist, das Aprion – das Unternehmen betreibt mit 11.000 Kilometern Höchstspannungsleitungen das längste Übertragungsnetz in Deutschland mit Spannungsstufen von 220 und 380 Kilovolt – unter anderem ein Ultranet (Gleichstrom-Überlandleitung) von Osterath nach Philippsburg und eine weitere Nord-Süd-Leitung von Urberach über Pfungstadt, Weinheim bis nach Daxlanden plant, einem Stadtteil von Karlsruhe. Damit soll das Ruhrgebiet besser mit Baden-Württemberg verbunden werden, so Mitarbeiterinnen des Stromdialogs.

Der Clou beim Ultranet ist, das laut Aprion bereits eine Wechselstrom-Freileitung existiert und dank freier Kapazitäten auch eine Gleichstromleitung an den Masten zu einer Hybridleitung draufgepackt werden könnte. Was muss der mancherorts wegen der Stromleitungen über seinem Kopf ohnehin kritische Bürger davon befürchten, sollten die Planungen umgesetzt werden?

Ingenieurin Heinrich stellte anhand von Grafiken dar, dass elektrische Felder, die durch die jeweilige Ladung entstehen, mit zunehmendem Abstand zur Hochspannungsleitung schnell abnähmen und in 150 Meter Entfernung fast bei Null lägen. Auch magnetische Felder, verursacht durch die Bewegung der Ladung, sind bei dieser Entfernung selbst bei einer 380-Kilovolt-Leitung geringer als in einem normalen Haus mit seinen Elektrogeräten.

Auch bei statischen magnetischen Feldern von Hochspannungsgleichstrom-Übertragungsleitungen sei die direkte Wirkung ohne Belang, so die Wissenschaftlerin. Die in der zuletzt im April 2013 geänderten Bundesimmissionsschutzverordnung festgelegten Grenzwerte würden eingehalten, versicherte Heinrich.

Auf eine entsprechende Publikumsfrage erläuterte die Ingenieurin, dass Erdkabel – oft aus optischen Gründen von Bürgern gefordert – aus ihrer Sicht auch Nachteile hätten. Als Kabel hätten sie zwar nur ein magnetisches und kein elektrisches Feld. Da über ihnen aber kein Bewuchs möglich sei, damit Wurzeln nicht die Kabel zerstörten, zögen sie sich wie lange Schneisen durch die Landschaft. Wegen einer Abwärme von circa 60 Grad könne man ihren Verlauf auch im Winter am fehlenden Schnee erkennen. Wichtiger aber: Reparaturen seien nicht so einfach wie bei Freileitungen und verursachten lange Ausfälle von manchmal mehr als einem Monat.

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