Hüter der globalen Gesundheit – Badische Zeitung

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23. September 2017

Die ersten Absolventen weltweit haben ihren Master in „Global Urban Health“ an der Universität Freiburg gemacht .

Das spärliche Rettungssystem in Bangladesch, keine Kontrolle über Moskitos, die das Denguefieber in der Karibik übertragen oder die kritische Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in Freiburg: Das sind Beispiele für den Handlungsbedarf in internationalen Gesundheitsfragen. Und es sind alles Themen der Abschlussarbeiten von Absolventen des „Masters of Science in Global Urban Health“, der seit September 2016 vom Uni-Zentrum für Medizin und Gesellschaft (ZMG) angeboten wird. Nun erhielten zehn Masterstudierende ihr Zeugnis – als erste weltweit.

In der „Green City“ Freiburg mit ihrer Universität und der Nähe zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den Vereinten Nationen (UN) in der Schweiz fruchtete eine Idee, die die Welt verändern kann. Der Ansicht ist nicht nur Ursula Wittwer-Backofen, Professorin für Anthropologie am ZMG. „Fast das gesamte Bevölkerungswachstum passiert in Megastädten, sie wachsen völlig unkontrolliert. Dieser Verdichtung sind die Gesundheitssysteme nicht gewachsen“, sagt sie. „Mit einer interdisziplinären und interkulturellen Herangehensweise kann man etwas an der Gesundheitsversorgung bewegen. Meine Vision ist, diese Idee weltweit zu verbreiten.“ Deshalb baute sie zusammen mit der Dekanin Sabine Dabringhaus den Studiengang Global Urban Health auf, der vom Rektorat der Uni und der WHO unterstützt wird. Diese stellt Teile des Personals und bezog die Masterstudierenden in eigene Forschungsprojekte ein.
Das englischsprachige Masterstudium richtet sich an Personen, die berufliche Erfahrung im Gesundheitsbereich haben. Binnen eines Jahres beschäftigten sich die zwölf Studierenden aus fünf Kontinenten mit umfassender Methodenlehre, aber auch mit Themen wie Wasserverschmutzung, Stadtplanung oder alternativer Medizin.

Eine ganzheitliche Sichtweise entwickeln

Der typische Tagesablauf: Morgens führten Experten diverser Fakultäten, der Stadt oder der WHO in ihr Fachgebiet ein. Nachmittags diskutierten die Studierenden über die Umsetzung der Theorie oder machten sich auf Exkursionen zu Müllentsorgungsanlagen oder der WHO selbst ein Bild. Das Ziel sei nicht, alles perfekt zu beherrschen, sagt Wittwer-Backofen. Vielmehr sollen die Masteranden für Kommunikationsprobleme zwischen Kulturen und Disziplinen sensibilisiert werden und lernen, als Vermittler im richtigen Moment die richtigen Experten heranzuziehen.

So habe Daniela Baums Masterarbeit über den Einfluss von Migration auf die Krankenpflege gezeigt, wie wichtig kulturelle Aufklärung des Pflegepersonals sei: „Wir müssen uns gleichberechtigt darüber austauschen, wie andere Kulturen Gesundheit erleben und als Industrienation nicht so tun, als wüssten wir, wie alles läuft“, sagt die einzige Deutsche des Studiengangs.

Das hat auch die 26-jährige Annabelle Kennett gelernt: „Jeder unserer Kommilitonen hatte einen anderen Hintergrund. Wir haben festgestellt, dass manche Herangehensweisen hier funktionieren, im nächsten Land aber nicht“. In der Regel würde nur die medizinische Perspektive betrachtet. „Wir brauchen aber auch die Anthropologie, das Management, die Umweltwissenschaft. Ich habe in diesem Studium eine ganzheitliche Sichtweise entwickelt“, sagt die Australierin, die an der Uniklinik Freiburg mit Geflüchteten arbeiten will. Andere Studienkollegen sind bereits von Entwicklungsprogrammen der UN oder der WHO angestellt worden.

Die setzt große Hoffnungen in die Absolventen: „Ihr habt die Fähigkeit, die öffentliche Gesundheit zu beeinflussen und einen Dialog zwischen Wissenschaft, Staatsregierungen und internationaler Politik schaffen“, sagt Andreas Ulrich von der WHO, „ihr seid die zukünftigen Entscheidungsträger.“

Autor: Claudia Förster

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